Die geplanten Kürzungen im Dresdner Kulturhaushalt sorgen für heftige Proteste. Besonders die Staatsoperette Dresden sieht ihre Zukunft in Gefahr. Nach den bisherigen Sparvorgaben könnten dort bis zu 25 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. Alternativ müssten möglicherweise die Eintrittspreise verdoppelt oder die Zahl der Vorstellungen halbiert werden. Künstlerinnen und Künstler wenden sich inzwischen direkt an das Publikum und fordern eine politische Entscheidung über die Zukunft der städtischen Bühnen.
7,2 Millionen Euro sollen eingespart werden
Die Landeshauptstadt Dresden muss ihren Haushalt konsolidieren. Im Rahmen eines umfassenden Haushaltsstrukturkonzepts sollen deshalb auch die städtischen Theater erhebliche Einsparungen leisten.
Bis zum Jahr 2031 sind Kürzungen von insgesamt 7,2 Millionen Euro vorgesehen.
Die Pläne betreffen insbesondere die Staatsoperette Dresden, das Theater junge Generation und das Europäische Zentrum der Künste Hellerau.
Nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung sollen diese Einrichtungen in einem gemeinsamen sogenannten Eigenbetrieb Bühne organisiert werden.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert verbindet die Neuordnung mit dem Ziel, Verwaltungsstrukturen effizienter zu gestalten und die städtischen Finanzen langfristig zu entlasten.
Doch innerhalb der betroffenen Kultureinrichtungen wächst der Widerstand.
Staatsoperette sieht bis zu 25 Prozent der Stellen gefährdet
Besonders deutlich warnt die Staatsoperette Dresden vor den Folgen der geplanten Sparmaßnahmen.
Das Haus beschäftigt nach eigenen Angaben rund 270 Menschen. Dazu gehören Sängerinnen und Sänger, Orchestermitglieder, Bühnentechniker, Verwaltungsmitarbeiter und zahlreiche weitere Beschäftigte.
Sollten die vorgesehenen Kürzungen vollständig auf das Personal übertragen werden, könnten nach Berechnungen der Staatsoperette bis zu 25 Prozent der Stellen betroffen sein.
Damit stünde rechnerisch ungefähr jeder vierte Arbeitsplatz zur Disposition.
Der Personalabbau hätte nach Auffassung der Theaterleitung unmittelbare Auswirkungen auf den künstlerischen Betrieb.
Große Operetten- und Musicalproduktionen benötigen ein umfangreiches Zusammenspiel von Orchester, Chor, Solisten, Technik und weiteren Abteilungen.
Schon der Wegfall einzelner Arbeitsbereiche könnte dazu führen, dass bestimmte Aufführungen nicht mehr in bisheriger Form möglich wären.
Halbierung des Spielplans als mögliche Konsequenz
Die Staatsoperette sieht kaum Möglichkeiten, die geforderten Einsparungen ohne erhebliche Einschränkungen umzusetzen.
Nach Darstellung des Hauses müssten bei einem Verzicht auf Personalabbau entweder die Eintrittspreise ungefähr verdoppelt oder die Vorstellungszahlen halbiert werden.
Auch eine deutlich stärkere Vermietung des Theaters für kommerzielle Veranstaltungen wird als mögliche wirtschaftliche Konsequenz genannt.
Damit würde sich das bisherige künstlerische Angebot grundlegend verändern.
Das Theater befürchtet, dass seine öffentliche Aufgabe als breit zugängliche Kulturinstitution dadurch eingeschränkt werden könnte.
Die genannten Folgen sind bislang Szenarien der betroffenen Einrichtung. Ein entsprechender Stellenabbau oder eine Halbierung des Spielplans ist noch nicht endgültig beschlossen.
Ensemble protestiert direkt vor dem Publikum
Um auf die möglichen Auswirkungen aufmerksam zu machen, haben Beschäftigte der Staatsoperette mit öffentlichen Protesten begonnen.
Nach Aufführungen wenden sich Mitglieder des Ensembles direkt an die Zuschauer.
Sie informieren über die Sparpläne und erläutern, welche Konsequenzen diese für den künstlerischen Betrieb haben könnten.
Bei einer Aufführung von „Ich, Eurydike“ trat Sängerin Sybille Lambrich vor das Publikum und machte auf die drohenden Einschnitte aufmerksam.
Sie erklärte, dass die geplanten Kürzungen sämtliche Arbeitsbereiche innerhalb des Hauses betreffen könnten.
Die Beschäftigten wollen damit erreichen, dass die Diskussion nicht ausschließlich innerhalb der Verwaltung und des Stadtrats geführt wird.
Auch das Publikum soll erfahren, welche Veränderungen auf die Dresdner Kulturlandschaft zukommen könnten.
Intendantin kritisiert den geplanten Zukunftspakt
Staatsoperetten-Intendantin Kathrin Kondaurow hat sich deutlich gegen die bisherigen Vorstellungen der Stadtverwaltung ausgesprochen.
Den von Oberbürgermeister Dirk Hilbert angekündigten „Zukunftspakt“ bewertet sie kritisch.
Nach ihrer Auffassung drohen unter diesem Begriff erhebliche Einschränkungen der künstlerischen Arbeit, statt die Zukunft der Einrichtungen dauerhaft zu sichern.
Die Theaterleitung fordert deshalb nachvollziehbare Berechnungen und eine kulturpolitische Strategie, die den Fortbestand des bisherigen Angebots berücksichtigt.
Dabei geht es nicht allein um die organisatorische Zusammenlegung mehrerer Häuser.
Entscheidend ist aus Sicht der Beschäftigten, ob die geplanten Strukturen tatsächlich Einsparungen ermöglichen, ohne Arbeitsplätze und Produktionen in größerem Umfang zu gefährden.
Stadt verweist auf notwendige Haushaltskonsolidierung
Die Dresdner Stadtverwaltung steht zugleich vor der Aufgabe, den kommunalen Haushalt langfristig zu stabilisieren.
Steigende Personal- und Betriebskosten sowie zahlreiche weitere finanzielle Verpflichtungen begrenzen den Handlungsspielraum.
Aus Sicht der Stadtspitze müssen deshalb auch bestehende Strukturen überprüft werden.
Die Zusammenführung mehrerer Theater in einem gemeinsamen Eigenbetrieb soll dazu beitragen, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und wirtschaftliche Möglichkeiten besser zu nutzen.
Ob die vorgesehenen finanziellen Einsparungen tatsächlich durch organisatorische Veränderungen erreicht werden können, ohne das künstlerische Angebot erheblich zu reduzieren, ist jedoch umstritten.
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hat angekündigt, die weiteren Fragen gemeinsam mit den Theatern und dem Stadtrat zu beraten.
Dresdens Kulturangebot steht vor einer Richtungsentscheidung
Dresden besitzt eine vielfältige Theater- und Musiklandschaft, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Besucher anzieht.
Die Staatsoperette gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Einrichtungen des städtischen Kulturlebens.
Mit ihrem Programm aus Operette, Musical und weiteren Musiktheaterproduktionen spricht sie unterschiedliche Generationen an.
Auch das Theater junge Generation und das Europäische Zentrum der Künste Hellerau übernehmen eigenständige Aufgaben innerhalb des kulturellen Angebots.
Eine grundlegende Veränderung dieser Einrichtungen hätte daher nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten, sondern auch auf die kulturelle Vielfalt der Landeshauptstadt.
Stadtrat muss über die Zukunft entscheiden
Die endgültige Entscheidung über das Haushaltsstrukturkonzept und die organisatorische Neuordnung liegt beim Dresdner Stadtrat.
Bis dahin wollen die Theater ihre Bedenken öffentlich machen und mögliche Alternativen diskutieren.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die kommunalen Sparziele mit dem Erhalt eines umfangreichen öffentlichen Kulturangebots vereinbar sind.
Für die Beschäftigten der Staatsoperette geht es dabei um ihre berufliche Zukunft. Für das Publikum steht zur Debatte, welche Vorstellungen und Produktionen Dresden künftig noch anbieten kann.
Die kommenden Beratungen dürften deshalb zu einer grundlegenden kulturpolitischen Auseinandersetzung über die Zukunft der städtischen Bühnen werden.