Die Berliner Abgeordnetenhauswahl entwickelt sich zu einem Rennen ohne klaren Favoriten. Eine aktuelle Erhebung sieht die Linke zwar auf Platz eins, doch CDU, AfD und Grüne folgen mit vergleichsweise geringem Abstand. Für die Bildung einer Regierung könnte das bedeuten, dass nach dem 20. September drei Parteien miteinander verhandeln müssen.
In einer aktuellen Civey-Umfrage kommt die Linke auf 21 Prozent. Die CDU erreicht 19 Prozent, die AfD 18 Prozent und die Grünen 17 Prozent. Die SPD liegt bei 12 Prozent. FDP und BSW werden jeweils bei drei Prozent gesehen.
Umfragen sind keine Prognosen. Sie zeigen lediglich das Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Erhebung.
Schwarz-Rot ohne Mehrheit
Die bisherige Zusammenarbeit von CDU und SPD hätte nach diesen Werten keine parlamentarische Mehrheit.
Das verändert den Wahlkampf erheblich.
Statt einer einfachen Frage nach dem Wahlsieger rückt immer stärker in den Vordergrund, welche Parteien nach der Wahl überhaupt miteinander regieren könnten.
Zwei Dreierbündnisse rechnerisch denkbar
Auch der BerlinTrend des rbb hatte bereits gezeigt, dass eine Zweierkoalition schwierig werden könnte.
Da die etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen und die CDU bislang eine Koalition mit der Linken ablehnt, bleiben nach den bisherigen Umfragewerten nur wenige realistische Mehrheiten.
Der rbb nennt als Möglichkeiten unter anderem ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD sowie eine sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD.
SPD kämpft um ihre Rolle
Besonders schwierig ist die Lage für die SPD.
Die Partei stellte Berlin über viele Jahre hinweg den Regierenden Bürgermeister, liegt derzeit aber deutlich hinter mehreren Konkurrenten.
Für die Sozialdemokraten geht es deshalb nicht nur um Prozentpunkte, sondern auch darum, welche Rolle sie künftig im Berliner Parteiensystem spielen.
Trotz schwacher Umfragewerte könnte die SPD aufgrund der komplizierten Mehrheitsverhältnisse erneut zum wichtigen Koalitionspartner werden.
CDU setzt auf neuen Spitzenkandidaten
Auch die CDU hat ihren Wahlkampf neu ausgerichtet.
Nach dem Wechsel an der Spitze führt Stefan Evers die Partei in die Wahl.
Die Union versucht, konservative Stammwähler ebenso anzusprechen wie ein urbanes Publikum.
Das ist in Berlin traditionell ein schwieriger Spagat.
Hälfte der Wähler noch nicht festgelegt
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem BerlinTrend ist die hohe Unsicherheit.
Nur rund die Hälfte der Befragten gab Mitte Juli an, bereits sicher zu wissen, welche Partei sie wählen möchte.
Damit bleibt erhebliches Bewegungspotenzial.
Gerade die letzten Wochen des Wahlkampfs können deshalb entscheidend werden.
Wahl am 20. September
Gewählt wird am 20. September 2026.
Erstmals dürfen bei einer regulären Abgeordnetenhauswahl auch 16- und 17-Jährige abstimmen.
Neben dem Abgeordnetenhaus werden gleichzeitig die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt.
Bis dahin bleibt die Koalitionsfrage offen – und könnte am Ende wichtiger werden als die Frage, welche Partei knapp auf Platz eins landet.
Quellen
Civey/Tagesspiegel: Aktuelle Umfrage zur Berlin-Wahl, veröffentlicht Anfang August 2026
Bundeswahlleiterin: Wahltermin 20. September 2026