Berlin reagiert mit erheblichem Ermittlungsaufwand auf die gestiegene Schusswaffenkriminalität. Mehr als 50 Verdächtige befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Insgesamt wurden 68 Haftbefehle erlassen, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft spezialisierte Einheiten für die Bekämpfung der Gewalt aufgebaut hatten.
Ferrum hat mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet
Die beim Berliner Landeskriminalamt eingerichtete Besondere Aufbauorganisation Ferrum hat rund neun Monate nach ihrer Gründung mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Angaben der Polizei wurden im Rahmen der Maßnahmen mehr als 3.800 Fahrzeuge sowie 866 Lokale und Geschäfte kontrolliert; rund 280 Menschen wurden vorübergehend festgenommen. Stand der Angaben zu den Haftbefehlen ist der 13. August.
Ferrum wurde geschaffen, um insbesondere bewaffnete Kriminalität und dahinterstehende Strukturen konsequenter zu verfolgen. Die Ermittler arbeiten dabei eng mit der Staatsanwaltschaft Berlin zusammen.
Staatsanwaltschaft bearbeitet 197 Verfahren mit EG Telum
Auf Seiten der Staatsanwaltschaft wurde dafür die Ermittlungsgruppe Telum eingerichtet. Bis zum 4. August waren dort 197 Verfahren eingegangen; in elf Fällen wurde bereits Anklage erhoben.
Ziel der Ermittlungen ist nicht allein die Aufklärung einzelner Schusswaffentaten. Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen zugleich, Verbindungen zwischen Beschuldigten aufzudecken und tiefer in Strukturen der Organisierten Kriminalität vorzudringen.
Durchsuchungen führen zu scharfen Waffen und Munition
Wie umfangreich die Ermittlungen inzwischen sind, zeigte ein länderübergreifender Einsatz Ende Juli. Rund 240 Einsatzkräfte vollstreckten im Auftrag der EG Telum Durchsuchungsbeschlüsse an zwölf Objekten. Die Verfahren richteten sich gegen sechs Beschuldigte und betrafen unter anderem den Verdacht des Waffenhandels.
Dabei wurden neben zwei legal besessenen Waffen sieben weitere scharfe Schusswaffen, große Mengen Munition, Bargeld im sechsstelligen Bereich und weitere Beweismittel sichergestellt. Allein in einer Laube fanden Einsatzkräfte rund 850 scharfe Patronen.
Bereits Mitte Juli hatte die BAO Ferrum sechs Durchsuchungsbeschlüsse in Berlin vollstreckt. In diesem Verfahren wird mehreren Beschuldigten unter anderem versuchte schwere räuberische Erpressung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen; zwei Männer sollen einen Geschädigten unter Einsatz von Schusswaffen zur Zahlung von Geld gezwungen haben wollen. Für sämtliche Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung.
Schusswaffengebrauch stieg 2025 deutlich
Die Sondereinheiten entstanden vor dem Hintergrund einer erheblichen Zunahme registrierter Schusswaffenvorfälle. Für 2025 verzeichnete die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, wobei diese Statistik auch Drohungen mit Waffen ohne tatsächliche Schussabgabe umfasst. Gegenüber 2024 entspricht das nach Behördenangaben einem Anstieg um 68 Prozent.
Bis zum 5. August 2026 waren außerdem bereits 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen registriert worden. Die mehr als 50 Untersuchungshäftlinge und 68 Haftbefehle zeigen damit, welchen Stellenwert Polizei und Justiz der Bekämpfung dieser Entwicklung inzwischen geben.
Quelle: Polizei Berlin; Staatsanwaltschaft Berlin; Generalstaatsanwaltschaft Berlin