Berlin lebt international von seinem Ruf als Kulturmetropole – gleichzeitig stehen Theater, Museen, freie Künstler und Clubs unter erheblichem finanziellem Druck. Vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September wird deshalb auch die Kulturpolitik zu einem wichtigen Streitfeld.

Die CDU stellt den Erhalt der bestehenden kulturellen Infrastruktur in den Mittelpunkt. Sie will bedeutende Kulturstandorte sichern und Investitionen fortsetzen. Ein Schwerpunkt soll die Sanierung der Berliner Philharmonie sein, für die auch Mittel aus der Hauptstadtfinanzierung eingesetzt werden könnten.

CDU will bestehende Standorte sichern

Neben großen Häusern sollen nach dem CDU-Programm auch Privattheater, freie Szene und Kulturangebote im öffentlichen Raum unterstützt werden.

Beim Arbeitsraumprogramm für Künstler liegt der Schwerpunkt auf dem Erhalt vorhandener Räume.

Für die Zentral- und Landesbibliothek sieht die CDU weiterhin einen neuen Standort vor. Als Möglichkeit wird das ehemalige Warenhaus am Alexanderplatz genannt.

Kulturförderung trifft auf Haushaltsdruck

Hinter den Wahlprogrammen steht eine schwierige finanzielle Realität.

Berlin muss gleichzeitig Schulen sanieren, Verkehrsinfrastruktur erneuern, Wohnungen schaffen und Sozialausgaben finanzieren. Kulturförderung konkurriert damit unmittelbar mit anderen großen Haushaltsposten.

Gerade die freie Szene ist besonders verletzlich. Viele Projekte verfügen über keine großen Rücklagen und sind auf jährlich bewilligte Förderungen angewiesen.

Schon kleinere Kürzungen können deshalb dazu führen, dass Veranstaltungen ausfallen oder Personalstellen gestrichen werden.

Clubs gehören inzwischen zur Kulturpolitik

Längst betrifft die Debatte nicht mehr nur Opernhäuser, Museen oder Theater.

Auch Berlins Clubs, Musikspielstätten und freie Veranstaltungsorte gelten als wichtiger Teil der kulturellen Identität der Hauptstadt.

Steigende Gewerbemieten, Lärmschutzkonflikte und Neubauprojekte bedrohen einzelne Standorte.

Deshalb geht es im Wahlkampf auch um die Frage, ob Clubs stärker baurechtlich und finanziell geschützt werden sollen.

Kultur ist auch Wirtschaftsfaktor

Die Bedeutung reicht weit über den Kulturbetrieb selbst hinaus.

Konzerte, Museen, Festivals und Clubs ziehen jährlich Millionen Besucher nach Berlin. Davon profitieren Hotels, Gastronomie, Einzelhandel und Verkehrsbetriebe.

Kulturpolitik ist deshalb zugleich Standort- und Wirtschaftspolitik.

Für die künftige Landesregierung dürfte eine der schwierigsten Aufgaben darin bestehen, das große kulturelle Angebot trotz knapper öffentlicher Kassen zu erhalten.

Quellen

Rundfunk Berlin-Brandenburg: Wahlthemen-Check „Das planen die Berliner Parteien in der Kulturpolitik“, August 2026

Wahlprogramme der zur Abgeordnetenhauswahl 2026 antretenden Parteien