Die Volksbühne beginnt ihre neue Ära nicht mit einem klassischen Theaterabend, sondern mit einem Schwimmbad mitten auf dem Rosa-Luxemburg-Platz. Unter der neuen Intendanz von Matthias Lilienthal ist vor dem traditionsreichen Haus ein temporäres 25-Meter-Becken entstanden. Das sogenannte „Volksbad“ soll acht Wochen lang genutzt werden können und versteht sich zugleich als Kulturprojekt, Treffpunkt und Kommentar zur Berliner Stadtentwicklung.

Die reguläre Spielzeit unter Lilienthal beginnt erst am 1. Oktober. Im Theater selbst laufen noch Arbeiten an der Obermaschinerie. Statt das Haus während dieser Phase lediglich geschlossen wirken zu lassen, verlagert die Volksbühne einen Teil ihres Programms vor die Tür.

Kostenlos schwimmen mit Zeitfenster

Für das Schwimmbecken sollen kostenlose Zeitfenster angeboten werden. Besucher können sich dafür online anmelden.

Neben normalem Schwimmen sind auch Kurse vorgesehen. Genannt werden unter anderem Kraulkurs und eine Einführung in das Synchronschwimmen.

Damit soll das Becken nicht nur Kulisse eines Kunstprojekts bleiben, sondern tatsächlich genutzt werden.

Rund 300.000 Euro für das Projekt

Das „Volksbad“ kostet nach veröffentlichten Angaben rund 300.000 Euro. Finanziert wird es aus dem Theaterhaushalt.

Genau daran entzündet sich bereits Kritik. Berlin spart in verschiedenen Kulturbereichen, gleichzeitig investiert eines der bekanntesten Theater der Stadt einen sechsstelligen Betrag in ein temporäres Freibad.

Lilienthal sieht das Projekt dagegen ausdrücklich als Teil einer gesellschaftlichen Debatte.

Schwimmbad als Kommentar zur Berliner Infrastruktur

Berlin kämpft seit Jahren mit sanierungsbedürftigen Schwimmhallen, geschlossenen Becken und langen Wartelisten für Schwimmkurse.

Das „Volksbad“ greift diese Situation bewusst auf. Theater soll nach dem Verständnis der neuen Intendanz nicht nur auf der Bühne stattfinden, sondern sich unmittelbar mit der Stadt auseinandersetzen.

Das Schwimmbecken wird dadurch selbst zur Inszenierung: Während Berlin über fehlende oder sanierungsbedürftige Bäder diskutiert, steht plötzlich ein neues Becken vor einem Theater.

Bis zu 20.000 Besucher möglich

Für die Laufzeit werden insgesamt bis zu etwa 20.000 Besucher erwartet. Das Projekt soll bis in den Herbst bestehen bleiben.

Damit dürfte der Rosa-Luxemburg-Platz in den kommenden Wochen deutlich stärker belebt werden.

Für die Volksbühne ist das „Volksbad“ zugleich eine Ansage des neuen Intendanten: Das Haus will wieder stärker in die Stadt hineinwirken und nicht ausschließlich ein Ort für klassisches Bühnenpublikum sein.

Quellen

Volksbühne Berlin: Projekt „Volksbad“, August 2026

Deutsche Presse-Agentur: Volksbühne startet mit temporärem Schwimmbad, 7. August 2026