Berlin. Hannah Arendts zentrales Werk „The Origins of Totalitarianism“ beziehungsweise „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ liegt erstmals in einer wissenschaftlich gesicherten kritischen Ausgabe vor. Der fünfte Band der Gesamtausgabe umfasst drei Teilbände mit mehr als 3.000 Seiten.
Die Veröffentlichung gehört zum Editionsvorhaben „Hannah Arendt. Kritische Gesamtausgabe“, das an der Freien Universität Berlin angesiedelt ist und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.
Das internationale Langzeitprojekt erschließt das Werk der politischen Theoretikerin, die 1975 in New York starb.
Frühere Fassungen und Nachlassmaterial berücksichtigt
Die neue Ausgabe enthält Arendts letzte autorisierte Buchfassungen von „The Origins of Totalitarianism“ und „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.
Ergänzt werden sie durch frühere Fassungen sowie:
- Aufsätze und Rezensionen,
- Vortragstexte und Exposés,
- Manuskripte und Typoskripte aus dem Nachlass.
Damit lässt sich erstmals detailliert nachvollziehen, wie Arendts Analyse von Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus entstand und sich über mehrere Jahrzehnte entwickelte.
Prof. Dr. Barbara Hahn von der Freien Universität Berlin erklärt:
„Mit der kritischen Neuauflage lässt sich erstmals nachvollziehen, wie Arendts Analyse von Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus entstand, sich über mehrere Jahrzehnte entwickelte und im Zusammenhang mit ihren Schriften aus den 1930er bis 1950er Jahren gelesen werden kann.“
Internationales Herausgeberteam
An der Herausgabe des Bandes waren Wissenschaftler mehrerer Hochschulen beteiligt.
Neben Barbara Hahn und Elena Stingl von der Freien Universität Berlin gehören dazu Prof. Dr. Annette Vowinckel vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Hanno Berger von der University of Texas at Dallas sowie Prof. Dr. Christian Pischel von der Hochschule für Musik und Theater Leipzig.
Das Editionsprojekt wird insgesamt von neun international tätigen Arendt-Forschenden betreut.
Gedruckte und digitale Ausgabe
Die Bände erscheinen zunächst in gedruckter Form im Wallstein Verlag. Rund ein Jahr später sollen sie auch digital und kostenfrei im Open Access veröffentlicht werden.
Die Verbindung beider Formate ermöglicht es, unterschiedliche Werkfassungen direkt miteinander zu vergleichen und Veränderungen in Arendts Texten nachzuvollziehen.
Prof. Dr. Anne Eusterschulte von der Freien Universität Berlin sagt:
„Die Kritische Gesamtausgabe eröffnet neue Perspektiven auf Hannah Arendts Denk- und Schreibprozesse.“
Rund 21.000 Seiten werden erschlossen
Das Projekt ist nach Angaben der Freien Universität bis voraussichtlich 2032 angelegt.
Ein internationales Team aus Arendt-Forschenden, Editionswissenschaftlern und Fachleuten aus den Digital Humanities bearbeitet sämtliche zu Lebzeiten veröffentlichten Werke sowie zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente aus dem Nachlass.
Insgesamt umfasst das Material rund 21.000 Buch-, Aufsatz-, Manuskript- und Typoskriptseiten in den jeweiligen Originalsprachen.
Die Gesamtausgabe zählt damit zu den bedeutenden internationalen Langzeitprojekten der geisteswissenschaftlichen Editionsforschung.
Quelle
Freie Universität Berlin, Pressemitteilung Nr. 101/2026 vom 30. Juli 2026.