Aue-Bad Schlema. Der Eröffnungstermin steht: Vom 24. April bis zum 3. Oktober 2027 soll Aue-Bad Schlema Gastgeber der nächsten Sächsischen Landesgartenschau sein. Bis dahin muss aus den derzeitigen Baustellenbereichen ein zusammenhängendes Ausstellungsgelände mit Gärten, Veranstaltungsflächen und Angeboten für Familien werden. Erwartet werden rund 400.000 Besucher.
Wer durch den Kurpark und die angrenzenden Bereiche geht, kann den Wandel bereits erkennen. Neue Wege, vorbereitete Pflanzflächen und umgestaltete Freiräume zeigen, wie stark das Großprojekt den Ortsteil Bad Schlema verändert. Im Mai 2026 berichtete die örtliche Gästeinformation von einer deutlichen Entwicklung auf dem Gelände. Auch öffentliche Baustellenführungen sollen Einwohnern und Gästen Einblicke in den Fortschritt ermöglichen.
Genussweg wird Rückgrat des Geländes
Ein zentrales Projekt ist ein rund 1,7 Kilometer langer Genussweg durch den Kurpark. Er soll Besucher durch unterschiedliche Gartenbereiche führen und zugleich die Wege im Park dauerhaft verbessern.
Entlang der Strecke entstehen sogenannte Hügelgärten. Diese besondere Bauweise hängt mit der Geschichte des Geländes zusammen: Der Kurpark befindet sich auf Flächen, die nach dem früheren Uranbergbau aufwendig saniert wurden. Wegen einer Schutzschicht im Untergrund können Pflanzen nicht überall auf herkömmliche Weise tief in den Boden gesetzt werden. Die aufgeschütteten Hügel schaffen deshalb zusätzlichen Raum für Stauden und andere Bepflanzungen.
Das Konzept verbindet damit Gartengestaltung und Bergbaugeschichte. Aus einem jahrzehntelang belasteten Standort soll eine dauerhaft nutzbare Parklandschaft entstehen.
Alter Bahnhof soll zur Blumenhalle werden
Auch vorhandene Gebäude werden in die Landesgartenschau einbezogen. In einem ehemaligen Bahnhofsgebäude ist eine Blumenhalle vorgesehen. Dort sollen während der 163 Veranstaltungstage wechselnde Ausstellungen gezeigt werden.
Die Nachnutzung ist für die Stadt besonders wichtig. Statt lediglich provisorische Bauten für ein halbes Jahr zu errichten, sollen vorhandene Strukturen saniert und anschließend weiter genutzt werden. Das gilt auch für Wege, Brücken, Grünflächen und Aufenthaltsbereiche im Kurpark.
Neuer Spielplatz und markanter Eingangsbereich
Für Familien ist ein großer Erlebnisspielplatz geplant. Am zukünftigen Eingangsbereich soll zudem ein auffälliges, freitragendes Holzbauwerk entstehen. Es soll Orientierung bieten und als architektonisches Erkennungszeichen der Gartenschau dienen.
Nach den im Frühjahr veröffentlichten Planungen soll mit dem Holzbau im Herbst begonnen werden. Damit gehört dieser Bereich zu den Vorhaben, bei denen der verbleibende Zeitplan eng mit Baufortschritt, Materiallieferungen und Witterung verbunden ist.
Zehntausende Pflanzen müssen rechtzeitig wachsen
Die Landesgartenschau wirbt mit etwa 200.000 Frühjahrspflanzen und weiteren 50.000 Sommerblumen. Hinzu kommen Stauden, Gehölze und wechselnde Schauen. Die Bepflanzung lässt sich nicht beliebig beschleunigen: Viele Flächen benötigen nach der Anlage Zeit, damit sich die Pflanzen entwickeln und bis zur Eröffnung ein geschlossenes Bild entsteht.
Gerade deshalb wurde der ursprüngliche Termin verschoben. Die Gartenschau sollte zunächst 2026 stattfinden. Verzögerungen bei Haushalt und Auftragsvergabe führten jedoch dazu, dass die Stadt eine Verlegung auf 2027 beantragte. Im März 2025 bestätigte die sächsische Staatsregierung den neuen Termin.
Der zusätzliche Zeitraum verschaffte den Planern eine weitere Vegetationsperiode. Gleichzeitig darf es nun bei den entscheidenden Arbeiten möglichst keine größeren neuen Verzögerungen geben.
Rund 16 Millionen Euro werden investiert
Für die Vorbereitung der Landesgartenschau werden nach den bislang veröffentlichten Angaben rund 16 Millionen Euro investiert. Das Geld fließt nicht ausschließlich in Blumenbeete und Veranstaltungen, sondern auch in Wege, Freiflächen, Gebäude und dauerhaft nutzbare Anlagen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb, welchen Nutzen die Einwohner nach Oktober 2027 von den Investitionen haben. Die Stadt setzt darauf, den Kurpark langfristig aufzuwerten, zusätzliche touristische Anziehungspunkte zu schaffen und die Verbindung zwischen den Ortsteilen zu verbessern.
Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch bezeichnete die Erweiterung und Aufwertung des vorhandenen Kurparks als nachhaltigen Ansatz. Die entstehenden Anlagen sollen der Region auch nach dem Ende der Gartenschau erhalten bleiben.
Verkehr wird zur Bewährungsprobe
Mit den erwarteten Besucherzahlen wächst auch der organisatorische Druck. An Spitzentagen müssen Anreise, Parkmöglichkeiten, öffentlicher Nahverkehr und Wege zum Gelände funktionieren. Schon während der Bauphase führen Arbeiten im Stadtgebiet zeitweise zu Sperrungen und veränderten Verkehrsführungen.
Im Juli 2026 galt beispielsweise auf einem Abschnitt der Markus-Semmler-Straße wegen Arbeiten am Gehweg eine Einbahnstraßenregelung. Fußläufige Verbindungen sollten dabei erhalten bleiben. Solche Eingriffe zeigen, wie eng Bauarbeiten, Alltag der Einwohner und Vorbereitung der Gartenschau miteinander verbunden sind.
Für die Veranstaltung selbst braucht es ein Verkehrskonzept, das große Besucherzahlen bewältigt, ohne den Kurort vollständig mit Autos zu überlasten.
Mehr als 1.000 Veranstaltungen geplant
Die Landesgartenschau soll nicht nur aus Gartenanlagen bestehen. Die Veranstalter kündigen mehr als 1.000 Veranstaltungen an. Dazu gehören Musik, Gartenthemen sowie Bildungs- und Beratungsangebote zu Natur und Gesundheit.
Damit entstehen weitere Aufgaben: Bühnen und Veranstaltungsorte müssen vorbereitet, Betreiber gefunden, Sicherheitskonzepte abgestimmt und Personal gewonnen werden. Neben den sichtbaren Bauarbeiten läuft deshalb ein großer Teil der Vorbereitung hinter den Kulissen.
Wechsel im Rathaus fällt in entscheidende Phase
Zusätzliche politische Unsicherheit entsteht durch die verzögerte Amtsübergabe im Rathaus. Der gewählte Oberbürgermeister Marcus Hoffmann kann sein Amt wegen des Einspruchs gegen das Wahlergebnis bislang nicht antreten. Der bisherige Oberbürgermeister Heinrich Kohl führt die Geschäfte vorerst weiter.
Für das Gartenschauprojekt bedeutet dies nicht automatisch einen Stillstand. Die Verwaltung und die verantwortliche Gesellschaft arbeiten weiter. Dennoch fällt die ungeklärte Führungssituation in eine Phase, in der wichtige Bau-, Finanz- und Organisationsentscheidungen getroffen werden müssen.
Landesgartenschau als langfristige Chance
Aue-Bad Schlema verbindet mit der Landesgartenschau mehr als ein touristisches Großereignis. Das Motto „Vom Wismutschacht zur Blütenpracht“ greift den Wandel des früher vom Uranbergbau geprägten Ortes auf. Die Gartenschau soll zeigen, wie aus sanierten Bergbauflächen neue Grünräume und Freizeitangebote entstehen können.
Ob dieses Versprechen eingelöst wird, entscheidet sich nicht allein an den Besucherzahlen. Maßgeblich wird sein, ob die neuen Wege, Gartenanlagen, Gebäude und Freizeitangebote auch nach 2027 gepflegt, finanziert und von den Einwohnern genutzt werden.
Die Vorbereitungen in Aue-Bad Schlema sind deutlich sichtbar, doch bis zur Eröffnung am 24. April 2027 bleibt eine umfangreiche Aufgabenliste. Genussweg und Hügelgärten nehmen Gestalt an, gleichzeitig müssen die Blumenhalle, der Spielplatz, der Eingangsbereich und zahlreiche Pflanzungen rechtzeitig fertig werden.
Die Landesgartenschau kann den Kurpark und den Tourismus im Erzgebirge dauerhaft stärken. Dafür muss die Stadt nicht nur den engen Zeitplan einhalten, sondern bereits heute klären, wie die neuen Anlagen nach dem letzten Ausstellungstag erhalten und finanziert werden.