Zittau/Pistoia. Junge Menschen aus Deutschland und Italien haben gemeinsam an der Zukunft eines historischen Baudenkmals gearbeitet. Im Rahmen des internationalen Projekts „Jugendbauhütten“ entwickelten sie erste Nutzungsideen für die denkmalgeschützte Villa di Montesecco in Zittaus italienischer Partnerstadt Pistoia.
Das Vorhaben verbindet praktische Denkmalpflege mit europäischer Jugendbegegnung. Langfristig soll die historische Villa zu einem Ort für Begegnung, Bildung und kulturellen Austausch werden.
17 Freiwillige reisen nach Pistoia
Vom 11. bis 18. Juli 2026 nahmen insgesamt 17 Freiwillige der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an einer Seminarreise nach Pistoia teil. Geleitet wurde die Gruppe von Anne Lißner.
Gemeinsam mit Projektkoordinator Carsten Boelter sowie deutschen und italienischen Teilnehmern beschäftigten sich die Jugendlichen mit der Frage, wie das historische Ensemble künftig sinnvoll genutzt und dauerhaft erhalten werden könnte.
Das Projekt blieb dabei nicht auf theoretische Beratungen beschränkt. Zum Programm gehörten Arbeitseinsätze zur Beräumung des Geländes, Dokumentations- und Zeichenarbeiten sowie Fachvorträge zu Architektur und Denkmalpflege.
Italienische Schüler arbeiten am Projekt mit
Auch Schülerinnen und Schüler aus Italien beteiligten sich an den Arbeiten. Dadurch entstand eine gemeinsame deutsch-italienische Projektgruppe, in der praktische Aufgaben, historische Forschung und kultureller Austausch miteinander verbunden wurden.
Die Teilnehmer lernten nicht nur das Baudenkmal und seine Geschichte kennen. Sie erhielten zugleich Einblicke in die Arbeitsweisen, Sichtweisen und kulturellen Erfahrungen des jeweiligen Partnerlandes.
Gerade diese Verbindung macht den besonderen Charakter des Projekts aus: Denkmalschutz wird nicht ausschließlich als Aufgabe von Behörden und Fachleuten verstanden, sondern als gemeinsames europäisches Anliegen, an dem sich junge Menschen praktisch beteiligen.
Exkursionen nach Florenz und Lucca
Ergänzt wurde die Seminarwoche durch Exkursionen nach Florenz und Lucca. Dort beschäftigten sich die Jugendlichen mit Architektur, Kulturgeschichte und unterschiedlichen Formen der Denkmalpflege.
Eigene Fachvorträge und gemeinsame Diskussionen ermöglichten es den Teilnehmern, ihre Beobachtungen auszuwerten und auf die Villa di Montesecco zu übertragen. Dabei ging es auch um die Frage, wie historische Bausubstanz bewahrt und gleichzeitig einer zeitgemäßen Nutzung zugeführt werden kann.
Villa soll ein Ort für junge Menschen werden
Die langfristige Perspektive für die Villa di Montesecco ist bereits umrissen. Das historische Ensemble soll zu einem Ort werden, an dem sich junge Menschen treffen, lernen und gemeinsam kulturelle Projekte entwickeln können.
Bis daraus ein dauerhaft nutzbares Zentrum entsteht, sind jedoch weitere Planungen notwendig. Zustand, Sanierungsbedarf, Finanzierung und spätere Trägerschaft müssen ebenso geklärt werden wie ein tragfähiges Nutzungskonzept.
Die während der Seminarwoche entwickelten Ideen bilden dafür einen ersten Baustein. Sie zeigen, welche Funktionen das Gebäude künftig übernehmen könnte und wie Jugendliche selbst in diesen Prozess einbezogen werden können.
Empfang im Rathaus von Pistoia
Ein besonderer Höhepunkt der Reise war ein Empfang im Palazzo Comunale, dem Rathaus von Pistoia. Bürgermeister Giovanni Capecchi und Silvia Tognelli empfingen die Projektgruppe dort am 16. Juli.
Der Termin unterstrich die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Vorhabens für beide Partnerstädte. Das Projekt soll nicht nur ein einzelnes Denkmal sichern, sondern die seit Jahrzehnten bestehende Verbindung zwischen Zittau und Pistoia weiter vertiefen.
Städtepartnerschaft besteht seit 1971
Die Partnerschaft zwischen Zittau und Pistoia besteht bereits seit 1971. Über mehr als fünf Jahrzehnte wurde sie durch Besuche, Begegnungen und gemeinsame Vorhaben weiterentwickelt.
Das Jugendbauhütten-Projekt führt diese Tradition fort und gibt ihr zugleich eine neue, praktische Ausrichtung. Im Mittelpunkt stehen nicht allein offizielle Empfänge, sondern die gemeinsame Arbeit junger Menschen an einem konkreten historischen Ort.
Damit erhält die Städtepartnerschaft einen sichtbaren Inhalt: Deutsche und italienische Jugendliche übernehmen gemeinsam Verantwortung für ein Denkmal und entwickeln Perspektiven für dessen Zukunft.
Projekt erhielt hochrangige Anerkennung
Das deutsch-italienische Engagement wurde bereits im vergangenen Jahr auf höchster staatlicher Ebene gewürdigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella zeichneten das Projekt aus.
Die Urkunde wurde am 15. November 2025 in Berlin persönlich an Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker überreicht. Die Ehrung sollte die Bedeutung des Vorhabens für Denkmalschutz und europäischen Austausch hervorheben.
Ausstellung im Herbst in Zittau und Pistoia
Die Ergebnisse der Seminarwoche sollen nicht in Projektunterlagen verschwinden. Für den Herbst 2026 sind Ausstellungen in Pistoia und in den Städtischen Museen Zittau geplant.
Unter der Leitung von Museumsdirektor Dr. Peter Knüvener sollen dort Nutzungsideen, Dokumentationen, Zeichnungen und weitere Projektergebnisse vorgestellt werden. Die Öffentlichkeit kann dadurch nachvollziehen, wie sich die Jugendlichen mit dem Denkmal beschäftigt haben und welche Vorschläge für die Zukunft entstanden sind.
Die Ausstellung soll zugleich die lange Geschichte der Städtepartnerschaft sichtbar machen und neue Interessenten für das Projekt gewinnen.
Junge Menschen lernen traditionelle Fähigkeiten
Jugendbauhütten sollen junge Erwachsene an Denkmalschutz, Restaurierung und traditionelle Handwerkstechniken heranführen. Die Freiwilligen sammeln praktische Erfahrungen und erhalten zugleich Einblicke in mögliche Ausbildungs- und Berufswege.
Gerade im Denkmalschutz werden Fachkräfte benötigt, die historische Baustoffe und Arbeitsweisen beherrschen. Projekte wie das in Pistoia können daher nicht nur kulturelles Erbe sichern, sondern auch Interesse an handwerklichen und restauratorischen Berufen wecken.
Denkmalschutz schafft konkrete Verbindung
Städtepartnerschaften werden häufig mit offiziellen Besuchen und kulturellen Veranstaltungen verbunden. Das Projekt an der Villa di Montesecco geht darüber hinaus.
Hier entsteht eine Zusammenarbeit, deren Ergebnisse langfristig sichtbar bleiben können. Die Jugendlichen arbeiten an einem realen Gebäude, dokumentieren seinen Zustand und entwickeln gemeinsam Ideen für seine weitere Nutzung.
Damit verbindet das Projekt Geschichte und Zukunft: Ein altes Gebäude wird bewahrt, während junge Menschen neue Formen der Begegnung und Zusammenarbeit entwickeln.
Das Jugendbauhütten-Projekt gibt der Partnerschaft zwischen Zittau und Pistoia einen konkreten und zukunftsorientierten Inhalt. 17 Freiwillige arbeiteten gemeinsam mit italienischen Jugendlichen an ersten Nutzungskonzepten für die Villa di Montesecco.
Die Ergebnisse sollen im Herbst in Zittau und Pistoia öffentlich präsentiert werden. Entscheidend wird anschließend sein, ob aus den Ideen ein tragfähiges Sanierungs- und Nutzungskonzept entsteht. Das Projekt zeigt jedoch bereits jetzt, wie Denkmalschutz, handwerkliche Bildung und europäische Verständigung sinnvoll miteinander verbunden werden können.