Während an vielen Hochschulen die Bewerbungsfristen für das Wintersemester bereits abgelaufen sind, bleibt das Portal der Hochschule Zittau/Görlitz für zahlreiche Studiengänge noch geöffnet. Bis zum 30. September 2026 können sich Studieninteressierte für zulassungsfreie Angebote bewerben. Für Zittau ist das mehr als eine Fristmeldung: Studierende sind für den Hochschulstandort, den Wohnungsmarkt und die regionale Fachkräftesicherung von erheblicher Bedeutung.
Der allgemeine Bewerbungszeitraum für das Wintersemester 2026/27 begann am 2. Mai. Für Studiengänge mit Numerus clausus endete die Frist bereits am 15. Juli. Bei zulassungsfreien Studiengängen ist eine Bewerbung dagegen noch bis zum 30. September oder bis zum Erreichen der jeweiligen Kapazitätsgrenze möglich.
Das Lehrveranstaltungsangebot soll voraussichtlich am 5. Oktober beginnen. Zwischen Bewerbungsende und Studienstart liegen damit nur wenige Tage. Wer sich spät entscheidet, muss Einschreibung, Wohnungssuche und Umzug entsprechend kurzfristig organisieren.
Technische und wirtschaftliche Fächer prägen den Campus
Am Standort Zittau konzentriert sich ein großer Teil des technischen, naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Studienangebots der Hochschule. Zu den zulassungsfreien Bachelor- und Diplomangeboten gehören unter anderem:
- Betriebswirtschaft,
- Maschinenbau,
- Green Engineering,
- Energie- und Umwelttechnik,
- Elektrotechnik,
- Halbleiterprozesse und Materialchemie,
- nachhaltige Betriebswirtschaft,
- duale beziehungsweise kooperative Studienmodelle.
Die Hochschule bietet insgesamt 41 Bachelor-, Diplom- und Masterstudiengänge an beiden Hauptstandorten sowie weiteren Studienorten an. Der Campus Zittau besitzt dabei ein deutliches Profil in Maschinenwesen, Energie, Umwelt, Naturwissenschaften und Wirtschaft.
Der neue Bachelorstudiengang Green Engineering beginnt zum Wintersemester und verbindet technische Produktentwicklung mit Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Auch hier ist eine Bewerbung bis zum 30. September möglich. Gleiches gilt beispielsweise für Maschinenbau, duale Elektrotechnik und den neuen Studiengang Halbleiterprozesse und Materialchemie.
Späte Frist ist kein Beleg für Bewerbermangel
Die Formulierung, der Hochschulstandort „suche Studierende“, wäre journalistisch zugespitzt, durch die bisher veröffentlichten Informationen aber nicht vollständig belegt. Die Frist bis Ende September gehört zum regulären Bewerbungsverfahren für zulassungsfreie Studiengänge.
Aus der offenen Bewerbung lässt sich deshalb nicht automatisch schließen, dass Plätze unbesetzt geblieben sind oder die Hochschule unter einem Bewerbereinbruch leidet. Aktuelle Zahlen zu Bewerbungen, Zulassungen und erwarteten Erstsemestern für den Campus Zittau hat die Hochschule bislang nicht veröffentlicht.
„Für zulassungsfreie Studiengänge endet die Bewerbungsfrist am 30. September oder bei Erreichen der Kapazitätsgrenze.“
So beschreibt die Hochschule selbst das Verfahren. Ob einzelne Angebote stark nachgefragt sind oder noch viele Plätze zur Verfügung stehen, geht daraus nicht hervor.
Der Unterschied ist wichtig: Zulassungsfrei bedeutet nicht, dass ein Studiengang unattraktiv ist. Es bedeutet zunächst nur, dass bei erfüllten Zugangsvoraussetzungen kein Auswahlverfahren über Abiturnote oder Wartesemester vorgeschaltet wird.
Hochschule wirbt mit Beratung bis kurz vor Studienbeginn
Die Hochschule begleitet die späte Bewerbungsphase mit zusätzlichen Beratungsangeboten. Für den 18. August ist eine Online-Bewerbungssprechstunde angekündigt. Am 8. September folgt unter dem Titel „Last Minute“ ein weiterer digitaler Termin für Interessierte.
Dabei geht es nicht nur um Formulare. Kurzentschlossene müssen mehrere Fragen gleichzeitig klären:
- Erfülle ich die Zugangsvoraussetzungen?
- Welche Unterlagen müssen noch eingereicht werden?
- Passt der Studiengang zu meinen beruflichen Zielen?
- Gibt es noch Wohnraum in Zittau?
- Welche Kosten entstehen durch Semesterbeitrag und Lebenshaltung?
- Ist ein dualer Praxispartner erforderlich?
Der Semesterbeitrag liegt nach Angaben des Studierendenrates derzeit bei 332,13 Euro. Den größten Anteil bildet das Deutschlandsemesterticket. Allgemeine Studiengebühren erhebt die Hochschule nicht.
Studierende sind ein Standortfaktor für Zittau
Für Zittau besitzt jeder neue Studienjahrgang auch kommunale Bedeutung. Studierende mieten Wohnungen, kaufen im Einzelhandel ein, nutzen Gastronomie und Nahverkehr und bringen junge Einwohner in eine Stadt, die seit Jahren mit demografischen Veränderungen umgehen muss.
Zugleich bilden die technischen und wirtschaftlichen Studiengänge Fachkräfte aus, die von Betrieben in der Oberlausitz dringend gesucht werden. Der Nutzen für die Region entsteht allerdings nur dann dauerhaft, wenn Absolventen nach dem Studium Arbeitsplätze finden und in Zittau oder im Landkreis bleiben.
Genau darin liegt der größere Konflikt hinter der Bewerbungsphase: Eine Hochschule kann junge Menschen in die Region holen. Sie kann aber nicht allein sicherstellen, dass diese dort langfristig eine berufliche und private Perspektive sehen.
Dafür braucht es:
- attraktive Praktikums- und Arbeitsplätze,
- bezahlbaren und modernen Wohnraum,
- gute Verkehrsverbindungen,
- ein lebendiges Kultur- und Freizeitangebot,
- Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen,
- sichtbare Karrierewege in der Oberlausitz.
Die Hochschule wirbt unter anderem mit niedrigen Lebenshaltungskosten, persönlicher Betreuung und praxisnahen Studienmodellen. Nach eigenen Angaben schließen 90 Prozent der Studierenden ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit ab.
Neue Orientierung für Unentschlossene
Erstmals startet zum Wintersemester 2026/27 zudem ein Orientierungsstudium im Bereich Management. Es richtet sich an junge Menschen, die sich grundsätzlich für Wirtschaft interessieren, sich aber noch nicht auf einen konkreten Studiengang festlegen wollen. Auch dafür läuft die Bewerbung bis zum 30. September.
Solche Angebote reagieren auf ein verbreitetes Problem: Viele Schulabgänger wissen nach dem Abschluss noch nicht, welches Studium tatsächlich zu ihnen passt. Ein vorschnell gewähltes Fach kann zu Studienabbrüchen und verlorenen Semestern führen.
Die verlängerte Bewerbungsphase gibt Kurzentschlossenen deshalb eine reale Chance. Sie sollte aber nicht mit einem Notruf der Hochschule verwechselt werden. Ob Zittau ausreichend neue Studierende gewinnt, lässt sich erst beurteilen, wenn die Hochschule die Immatrikulationszahlen für das Wintersemester veröffentlicht.
Bis dahin bleibt die belastbare Nachricht: Wer noch einen Studienplatz sucht, kann sich für zahlreiche zulassungsfreie Studiengänge am Campus Zittau bis zum 30. September 2026 bewerben.
Quellen und Datenbasis
- Hochschule Zittau/Görlitz: Bewerbungszeiträume und Zulassungsverfahren für das Wintersemester 2026/27.
- Hochschule Zittau/Görlitz: Übersicht der Bachelor-, Diplom- und Masterstudiengänge am Campus Zittau.
- Hochschule Zittau/Görlitz: Studienjahresablaufplan und Beratungsangebote für Studieninteressierte.