Seit Juni 2025 beteiligt sich eine wachsende Zahl von Geschäften und Einrichtungen in Wismar am Projekt „Sichere Orte“. Die gekennzeichneten Anlaufstellen sollen Menschen helfen, die sich verfolgt, bedroht, belästigt oder aus anderen Gründen unsicher fühlen. Nach dem ersten Jahr wird das Gemeinschaftsprojekt fortgeführt. Die Stadt wertet es als sichtbares Zeichen für Zivilcourage und gegenseitige Unterstützung.

Hilfe soll schnell und unkompliziert erreichbar sein

Wer sich in einer unangenehmen oder bedrohlichen Lage befindet, weiß häufig nicht, wohin er sich kurzfristig wenden kann.

Ein Geschäft, eine Gaststätte oder eine öffentliche Einrichtung kann dann einen geschützten Raum bieten. Mitarbeiter können die betroffene Person hereinbitten, bei Bedarf Angehörige verständigen oder Polizei und Rettungsdienst rufen.

Das Projekt ersetzt keine Sicherheitsbehörde. Es schafft aber zusätzliche Anlaufstellen im Alltag.

Sichtbare Kennzeichnung ist entscheidend

Teilnehmende Orte müssen von außen eindeutig erkennbar sein.

Nur dann können Betroffene auch in einer Stresssituation schnell entscheiden, wohin sie gehen. Die Kennzeichnung sollte deshalb einheitlich, gut sichtbar und leicht verständlich sein.

Gleichzeitig müssen Mitarbeiter wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Ein Aufkleber allein genügt nicht.

Beschäftigte brauchen klare Handlungsregeln

Menschen können aus sehr unterschiedlichen Gründen Schutz suchen.

Dazu gehören Belästigung, Bedrohung, häusliche Konflikte, Orientierungslosigkeit, gesundheitliche Probleme oder Angst vor einer verfolgenden Person.

Mitarbeiter sollten die Situation ernst nehmen, ohne sich selbst unnötig in Gefahr zu bringen. Sie benötigen klare Hinweise dazu, wann die Polizei gerufen, Erste Hilfe geleistet oder eine Vertrauensperson verständigt werden sollte.

Regelmäßige Informationen und kurze Schulungen erhöhen die Sicherheit für alle Beteiligten.

Projekt lebt von einem dichten Netz

Einzelne Anlaufstellen reichen in einer größeren Stadt nicht aus.

Je mehr Geschäfte, soziale Einrichtungen, Apotheken, Gaststätten und öffentliche Stellen teilnehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Hilfe in der Nähe gefunden wird.

Besonders wichtig sind Standorte in der Innenstadt, an Haltestellen, in Ausgehbereichen und auf häufig genutzten Schulwegen.

Die Stadt sollte deshalb weitere Partner gewinnen und eine aktuelle Übersicht der teilnehmenden Orte bereitstellen.

Zivilcourage braucht praktische Strukturen

Öffentliche Appelle zu Zusammenhalt und Zivilcourage bleiben wirkungslos, wenn Menschen nicht wissen, wie sie konkret helfen können.

„Sichere Orte“ übersetzt diesen Anspruch in eine einfache Struktur: Türen öffnen, zuhören, Schutz geben und bei Bedarf professionelle Hilfe verständigen.

Das Projekt kann nicht jede Straftat verhindern. Es kann aber dazu beitragen, dass Betroffene schneller Unterstützung erhalten und schwierige Situationen nicht weiter eskalieren.

Die Fortsetzung ist deshalb sinnvoll. Entscheidend bleibt, dass die teilnehmenden Einrichtungen regelmäßig betreut werden und das Angebot in der Bevölkerung bekannt ist.

Quellen

  1. Hansestadt Wismar: „Ein Jahr Sichere Orte in Wismar – Erfolgreiches Projekt wird fortgesetzt“, veröffentlicht am 27. Juli 2026.