Die Kindertagesstätte „Rasselbande“ im Sondershäuser Ortsteil Oberspier hat am 31. August 2026 zum letzten Mal geöffnet. Dauerhaft niedrige Kinderzahlen und ein erheblicher Sanierungsbedarf führten zur Schließung, die der Stadtrat bereits im Mai beschlossen hatte. Für sämtliche Kinder und Beschäftigten wurden nach Angaben der Stadt neue Plätze gefunden.

Für Oberspier endet damit ein langjähriger Abschnitt der örtlichen Kinderbetreuung. Zuletzt besuchten noch zehn Kinder die Einrichtung. Gemeinsam mit ihren Eltern, den Erzieherinnen, Bürgermeister Steffen Grimm und Vertretern der Stadtverwaltung hatten sie bereits am Freitag vor der Schließung Abschied von ihrer Kita genommen. Am Montag wurden die letzten persönlichen Gegenstände aus dem Gebäude geräumt.

Nur zehn Kinder wären geblieben

Die „Rasselbande“ verfügte über 24 genehmigte Betreuungsplätze. Zuletzt waren davon lediglich 14 belegt. Vier Kinder wechselten mit dem Ende des Kindergartenjahres in die Schule, sodass ab September nur noch zehn Mädchen und Jungen in der Einrichtung geblieben wären. Weitere Anmeldungen lagen der Stadt nicht vor.

Neben der niedrigen Auslastung spielte der Zustand des Gebäudes eine wichtige Rolle. Nach Angaben der Stadtverwaltung bestand ein erheblicher Sanierungsbedarf. Eine Fortführung des Betriebs hätte damit Investitionen in eine Einrichtung erfordert, deren Platzangebot auf absehbare Zeit nicht annähernd ausgeschöpft worden wäre.

Der Sondershäuser Stadtrat beschloss deshalb am 7. Mai 2026, die Kita zum 31. August zu schließen. Vor der Entscheidung hatte die Stadt Gespräche mit den betroffenen Eltern und dem pädagogischen Personal geführt. Auch die zuständigen politischen Gremien wurden über die Situation und die erwartete Entwicklung informiert.

Kinder wechseln in andere Einrichtungen

Für alle zuletzt in Oberspier betreuten Kinder konnte nach Angaben der Stadt ein wohnortnaher Platz in einer anderen kommunalen Kindertagesstätte gefunden werden. Die Familien sollen dadurch Planungssicherheit erhalten. Zugleich können die Kinder ihre Betreuung ohne längere Unterbrechung fortsetzen.

Auch die Beschäftigten verlieren durch die Schließung nicht ihre Arbeit. Das gesamte pädagogische Personal wird in anderen kommunalen Kindertageseinrichtungen weiterbeschäftigt. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht erforderlich, teilte die Stadtverwaltung mit.

Bürgermeister Steffen Grimm bezeichnete die Schließung als Abschied von einem Stück vertrauten Alltags. Er dankte den Eltern und dem Kita-Team dafür, dass sie den Prozess trotz der schwierigen Entscheidung ruhig und verständnisvoll begleitet hätten. Dadurch sei ein würdiger und zugleich fröhlicher Abschluss möglich geworden.

Auch Mareen Biedermann, Fachbereichsleiterin für Kinder, Jugend und Sport, hob die konstruktive Zusammenarbeit hervor. Im Mittelpunkt habe die Frage gestanden, wie den Kindern ein möglichst guter Übergang in ihre neuen Einrichtungen ermöglicht werden könne.

Kinderzahlen sinken in Sondershausen

Die Schließung in Oberspier ist Teil einer größeren demografischen Entwicklung. Bereits eine im Jahr 2020 im Auftrag der Stadt erstellte Bedarfsprognose sagte bis 2030 einen langfristigen Rückgang der Kinderzahlen in Sondershausen voraus. Die tatsächliche Entwicklung bestätigt diese Erwartung nach Einschätzung der Verwaltung.

Die Stadt passt ihre Betreuungskapazitäten deshalb seit mehreren Jahren schrittweise an. Dabei gehe es nicht ausschließlich um die Zahl verfügbarer Plätze. Auch stabile Gruppen, verlässliche Arbeitsbedingungen und eine qualitativ hochwertige Betreuung müssten langfristig gesichert werden.

Der Rückgang der Kinderzahlen betrifft zahlreiche Kommunen in Thüringen. Besonders in kleineren Ortsteilen lässt sich eine Einrichtung bei dauerhaft geringer Auslastung nur schwer wirtschaftlich und pädagogisch tragfähig betreiben. Zugleich bedeutet jede Schließung einen Verlust an örtlicher Infrastruktur und vertrauten Begegnungsräumen für Familien.

Stadt investiert in andere Kitas

Die Stadtverwaltung betont, dass die Aufgabe der „Rasselbande“ keinen grundsätzlichen Rückzug aus der Kinderbetreuung bedeutet. In den vergangenen Jahren wurden die Kindertagesstätten „Schlossparkspatzen“ und „Käthe Kollwitz“ umfassend modernisiert.

Für die Kita „Anne Frank“ entsteht derzeit ein Ersatzneubau. Wegen der gesunkenen Kinderzahlen wird das neue Gebäude kleiner dimensioniert als ursprünglich denkbar. Dennoch plant die Stadt zusätzliche Platzreserven ein, um reagieren zu können, falls die Nachfrage künftig wieder steigt.

Mit der endgültigen Schließung endet nun die Geschichte der „Rasselbande“ als kommunale Kindertageseinrichtung. Die Stadt dankte den Beschäftigten, Eltern und Unterstützern, die das Haus über viele Jahre geprägt und begleitet haben.

Quelle: Stadtverwaltung Sondershausen, Pressemitteilung „Abschied von der Kita Rasselbande in Oberspier“