ROSTOCK. Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den auffälligsten heimischen Insekten. Sie kann bis zu 7,5 Zentimeter lang werden und ist leicht an ihrem dreieckigen Kopf sowie den bedornten Fangbeinen zu erkennen.

Obwohl die Art häufig mit Südeuropa oder tropischen Regionen verbunden wird, gehört sie inzwischen auch zur heimischen Tierwelt. Sie ist die einzige in Deutschland natürlich vorkommende Vertreterin der Fangschrecken.

Ausbreitung nach Norden

Lange Zeit war die Gottesanbeterin in Deutschland weitgehend auf wenige Regionen im Süden beschränkt. Seit Mitte der 1990er Jahre breitet sie sich jedoch zunehmend nach Norden aus. Als ein möglicher Grund gilt die Erwärmung des Klimas.

In Brandenburg wurde die Art erstmals 2007 nachgewiesen. In den folgenden Jahren entstanden dort mehrere lokale Bestände.

Der erste bekannte Fund in Mecklenburg-Vorpommern stammt aus dem Jahr 2011. Damals wurde ein Weibchen bei Silz entdeckt. Erst 2022 folgten weitere Beobachtungen bei Malchin und Neustrelitz.

Inzwischen hat sich die Entwicklung deutlich beschleunigt: Innerhalb der vergangenen drei Jahre stieg die Zahl der Nachweise im Land auf mehr als 50.

Funde auch in Rostock und in einer Regionalbahn

Die Fundorte verteilen sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Rostock wurden bereits Tiere entdeckt, unter anderem in Evershagen und im Überseehafen.

Ein ungewöhnlicher Fund gelang sogar in einer Regionalbahn zwischen Greifswald und Stralsund.

Bislang handelte es sich allerdings fast immer um einzelne Tiere. Viele saßen an auffälligen Orten wie Gebäudewänden, Fußwegen oder Parkplätzen – und damit nicht in ihrem bevorzugten Lebensraum.

Unklar ist deshalb, ob sich an einzelnen Stellen bereits dauerhaft fortpflanzende Bestände gebildet haben.

Tiere können auch unbemerkt transportiert werden

Ausgewachsene Gottesanbeterinnen sind zwar flugfähig, legen aber meist nur kurze Strecken zurück. Dadurch ist dennoch eine schrittweise Ausbreitung möglich.

Daneben kommen weitere Wege infrage:

  • Verdriftung durch starken Wind,
  • Transport von Tieren mit Fahrzeugen,
  • Verschleppung von Eipaketen durch Waren oder Pflanzen,
  • unbeabsichtigte Mitnahme in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Die Gottesanbeterin gilt deshalb als vergleichsweise „verschleppungsfreundliche“ Art.

Perfekt getarnt in Gras und Sträuchern

Bevorzugt lebt die Fangschrecke auf sonnigen und trocken-warmen Grasflächen mit Sträuchern und Stauden. Auch Gärten und innerstädtische Brachflächen können geeignete Lebensräume bieten.

Trotz ihrer Größe ist die Gottesanbeterin dort nur schwer zu entdecken. Ihre grüne oder braune Färbung passt sich der Vegetation an. Häufig verharren die Tiere lange regungslos und sind dadurch nahezu unsichtbar.

Für Menschen sind sie ungefährlich. Sie ernähren sich räuberisch von anderen Insekten und Spinnen.

Meldungen aus der Bevölkerung sollen helfen

Weil die Tiere markant aussehen und leicht erkannt werden können, eignen sie sich besonders für die Bürgerforschung. Beobachtungen bei Spaziergängen, Gartenarbeiten oder Radtouren können wichtige Hinweise auf die aktuelle Verbreitung liefern.

Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow hat deshalb ein Meldeportal eingerichtet.

Für eine Meldung werden möglichst folgende Angaben benötigt:

  • genauer Fundort, möglichst mit Koordinaten,
  • Datum der Beobachtung,
  • nähere Fundumstände,
  • ein Foto des Tieres.

Fotos helfen dabei, Verwechslungen auszuschließen und Geschlecht, Entwicklungsstadium sowie Färbung genauer zu bestimmen.

Tiere nicht fangen

Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den besonders geschützten Arten. Gefundene Tiere dürfen deshalb nicht gefangen oder mitgenommen werden.

Am besten wird das Tier aus etwas Abstand fotografiert und anschließend ungestört gelassen.

Bei ausgewachsenen Weibchen können Fachleute anhand kleiner Öffnungen in den Flügeldecken teilweise sogar erkennen, ob bereits eine Paarung stattgefunden hat.

Eier überstehen den Winter

Im Spätsommer und Herbst legen Weibchen ein bis drei Eipakete ab. Diese sogenannten Ootheken werden meist an feste Untergründe geklebt.

Sie erinnern äußerlich an eine kleine bräunliche Masse aus Bauschaum und können zwischen 80 und 250 Eikammern enthalten.

Nach den ersten Frösten sterben die ausgewachsenen Tiere. Nur die geschützten Eier überdauern den Winter. Zwischen Mai und Juni schlüpfen daraus die Nymphen der nächsten Generation.

Wer eine Gottesanbeterin oder ein mögliches Eipaket entdeckt, kann damit helfen, die weitere Ausbreitung der Art in Mecklenburg-Vorpommern genauer zu dokumentieren.

Quelle

Information von Dr. Wolfgang Wranik, Universität Rostock, zur Erfassung der Europäischen Gottesanbeterin in Mecklenburg-Vorpommern.