Wer Pulsnitz nicht nur besuchen, sondern seine Geschichte entdecken möchte, kann inzwischen an 25 Stationen auf Spurensuche gehen. Der Pulsnitzer Heimatverein hat historische Orte im Stadtgebiet mit Wegesteinen und Gedenktafeln versehen und daraus einen Rundweg entwickelt. Die dritte überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Auflage des dazugehörigen Flyers stammt aus dem Jahr 2025.
Der Rundweg verbindet bekannte Sehenswürdigkeiten mit Orten, deren Geschichte im heutigen Stadtbild nicht immer sofort erkennbar ist. Dabei geht es um frühere Handwerksbetriebe, historische Gebäude, die Entwicklung einzelner Stadtbereiche und Persönlichkeiten, die mit Pulsnitz verbunden sind.
Heimatverein arbeitet seit 2011 an den historischen Stationen
Der Pulsnitzer Heimatverein wurde 2009 gegründet. Zu seinen erklärten Zielen gehört es, Werte und Traditionen der Vergangenheit zu achten und zu bewahren. Zwei Jahre nach der Vereinsgründung begann die Arbeit an den historischen Wegesteinen und Gedenktafeln.
Inzwischen umfasst der Rundweg 25 Stationen.
Künftig sollen vorhandene Tafeln bei Bedarf aktualisiert oder erneuert werden. Außerdem ist vorgesehen, sie schrittweise mit QR-Codes auszustatten, die zum Rundweg führen.
Vom Ratskeller bis zum Markt
Die Liste der Stationen beginnt am Ratskeller am Markt und führt durch weite Teile der Stadt.
Zu den 25 Punkten gehören unter anderem der Ratskeller, das Barockportal, das frühere Waisenhaus, die Blaudruckwerkstatt, der Polzenberg, die Pfefferküchlerei Tobias Thomas, Schloss Pulsnitz, das ehemalige Stadtkrankenhaus, das frühere Postamt, der Stadtpark und der Markt.
Die Karte auf der ersten Seite des Flyers zeigt, dass sich ein großer Teil der Stationen im historischen Stadtgebiet konzentriert. Zugleich führen einzelne Punkte weiter hinaus und machen den Rundweg zu einer Verbindung verschiedener Bereiche Pulsnitz'.
Ratskeller reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück
Gleich die erste Station führt weit in die Geschichte zurück.
Der heutige Ratskeller wurde nach Angaben des Heimatvereins 1498 errichtet und gilt vermutlich als ältestes Gebäude am Markt. Sein Renaissance-Giebel entstand 1555.
Auch andere Stationen erzählen von Bauwerken, deren Geschichte mehrere Jahrhunderte zurückreicht.
Das Barockportal des früheren Tuchhandelshauses Kind entstand um 1779. Es besteht aus Sandstein und besitzt Torflügel aus Eichenholz. Bis 1993 befand es sich an einem später abgerissenen Gebäude in der heutigen Robert-Koch-Straße.
Einzigartige Wehranlage aus dem Jahr 1420
Zu den besonderen Stationen gehört der sogenannte „Perfert“.
Die Wehranlage wurde nach den Angaben im Flyer 1420 errichtet und wird vom Heimatverein als einziges noch erhaltenes Baudenkmal dieser Art in Deutschland bezeichnet. Gemeinsam mit dem denkmalgeschützten Weitzmannschen Dreiseithof bildet sie die fünfte Station des Rundwegs.
Nur wenige Schritte entfernt erinnert eine in einer Hauswand steckende Kanonenkugel an die Zeit um 1813. Sie soll von der Belagerung der Stadt durch französische Truppen aus Richtung Eierberg zeugen.
Blaudruck und Pfefferkuchen erzählen von Pulsnitzer Handwerk
Der Rundweg widmet sich ausführlich den traditionellen Gewerken der Stadt.
Das Blaudruckhandwerk ist in Pulsnitz seit 1739 nachgewiesen. Die heutige Blaudruckwerkstatt bildet deshalb eine eigene Station.
Auch die Pfefferkuchen-Tradition findet ihren Platz.
Nach Angaben des Heimatvereins werden in Pulsnitz seit 1558 Pfefferkuchen hergestellt. Am heutigen Julius-Kühn-Platz befand sich bis 1972 die Pfefferküchlerei „G. Tobias Thomas“, die 1743 gegründet worden war.
Die Verbindung von Stadtgeschichte und Handwerk zieht sich damit durch mehrere Stationen des Rundwegs.
Färberhenke erinnert an ein besonderes Gewerbegebäude
Eine weitere Besonderheit ist die Färberhenke am Polzenberg.
Die 1787 entstandene Konstruktion ermöglichte es Bunt- und Schwarzfärbern, schwere gefärbte Stoffbahnen über mehrere Geschosse hinweg im Innenraum aufzuhängen. Gleichzeitig sorgte die Bauweise für Luftzirkulation und schützte die Textilien vor Schlagregen.
Heute befindet sich dort am Polzenberg 10 zugleich der Sitz des Heimatvereins.
Die denkmalgerechte Sanierung dieses Vereinssitzes bezeichnet der Verein als einen aktuellen Schwerpunkt seiner Arbeit.
Polzenberg gilt als ältester Stadtteil
Auch die Geschichte des Polzenbergs selbst wird auf einer Tafel erklärt.
Der Heimatverein bezeichnet ihn als ältesten Stadtteil von Pulsnitz. Dort soll sich vermutlich bereits lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes eine sorbische Siedlung befunden haben. Einige der heutigen Gebäude haben ihren Ursprung im 17. und 18. Jahrhundert.
Damit führt der Rundweg auch zu den frühen Wurzeln der Stadtentwicklung.
Schloss Pulsnitz vereint Renaissance und Barock
Station 14 führt zum Schloss Pulsnitz.
Das Renaissance- beziehungsweise Alte Schloss, auch „Eustachii-Haus“ genannt, wurde ab 1580 fertiggestellt. Das Barock- beziehungsweise Neue Schloss folgte 1718. Beide Gebäude gehören heute zur Klinik Schloss Pulsnitz.
Nur eine Station später erinnert eine weitere Tafel an das ehemalige Stadtkrankenhaus, dessen Betrieb im Februar 1913 aufgenommen wurde.
Fluss Pulsnitz war einst politische Grenze
Nicht nur Gebäude erzählen Geschichte.
Eine Station widmet sich ausdrücklich dem Fluss Pulsnitz. Dieser bildete einst eine Grenze zwischen dem Markgraftum Oberlausitz, das zur Böhmischen Krone gehörte, und der Mark Meißen.
Der Rundweg zeigt damit auch, wie politische Grenzen und historische Herrschaftsräume das heutige Stadtgebiet geprägt haben.
Ernst Rietschel und Julius Kühn bleiben im Stadtbild präsent
Neben Gebäuden und Handwerk erinnert der Flyer an bekannte Persönlichkeiten aus Pulsnitz.
Dazu gehören der Landwirtschaftswissenschaftler Julius Kühn, der Bildhauer Ernst Rietschel, der Missionar Bartholomäus Ziegenbalg und der Dichter Max Schreyer. An mehreren Orten im Stadtgebiet erinnern Tafeln, Denkmale oder Grabstätten an sie.
Auf dem Markt steht das Bronzedenkmal für Ernst Rietschel, der von 1804 bis 1861 lebte und in Pulsnitz geboren wurde.
Heimatverein restauriert auch historische Anlagen
Der Rundweg ist nur ein Teil der Arbeit des Vereins.
2015 wurde auf Initiative des Heimatvereins der Brunnen auf dem Polzenberg saniert. Bereits 2013 konnte das Barockportal restauriert werden, 2017 folgte der Brunnenaufsatz am Julius-Kühn-Platz.
Weitere Projekte reichen nach Vereinsangaben vom historischen Kalender bis zum traditionellen Maibaumstellen.
Flyer wurde aus Eigen- und Spendenmitteln finanziert
Der Rundweg-Flyer liegt inzwischen in seiner dritten überarbeiteten und erweiterten Auflage vor.
Finanziert wurde er nach Angaben des Heimatvereins aus Eigen- und Spendenmitteln. Er wird kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Damit entsteht aus 25 einzelnen Tafeln mehr als eine Sammlung historischer Hinweise: Gemeinsam ergeben sie einen Rundgang durch mehrere Jahrhunderte Pulsnitzer Stadt-, Handwerks- und Alltagsgeschichte.
Quellen
Pulsnitzer Heimatverein e. V. – Flyer „Rundweg Gedenksteine und -tafeln“, 3. überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Auflage 2025