Potsdam – Wer in Potsdam einen Kaffee im Einwegbecher oder Essen in einer Einwegschale kauft, muss seit dem 1. Oktober 2026 mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Die Landeshauptstadt erhebt erstmals eine kommunale Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke, die zum sofortigen Verzehr verkauft werden.

Betroffen sind unter anderem Cafés, Bäckereien, Imbisse, Fast-Food-Restaurants, Tankstellen und andere Verkaufsstellen mit To-go-Angeboten.

50 Cent pro Becher oder Box

Die Steuer beträgt 50 Cent pro Einwegbecher, Einwegdose, Einwegflasche oder sonstiger Einweg-Getränkeverpackung.

Auch für Einweggeschirr und andere Lebensmittelverpackungen werden jeweils 50 Cent fällig.

Für Einwegbesteck oder ein Besteck-Set verlangt die Stadt zusätzlich 20 Cent.

Damit kann beispielsweise ein To-go-Gericht mit Einwegbox und Besteck mit 70 Cent Steuer belastet werden.

Unternehmen können Kosten weitergeben

Steuerschuldner sind grundsätzlich die Betriebe.

Sie können jedoch selbst entscheiden, ob sie die zusätzlichen Kosten übernehmen oder ganz beziehungsweise teilweise an ihre Kunden weitergeben.

Damit ist zu erwarten, dass viele To-go-Angebote teurer werden.

Wer Mehrwegverpackungen nutzt, muss die neue Abgabe dagegen nicht zahlen.

Supermarkteinkauf bleibt ausgenommen

Nicht jede Verpackung fällt unter die Steuer.

Klassisch verpackte Lebensmittel aus dem Supermarkt sind nicht betroffen, wenn sie nicht zum unmittelbaren Verzehr bestimmt sind.

Auch Verpackungen, die bereits einer gesetzlichen Pfandpflicht unterliegen, sind ausgenommen.

Für Märkte, Feste und andere zeitlich begrenzte Veranstaltungen gelten ebenfalls Sonderregeln.

Stadt will weniger Müll im öffentlichen Raum

Potsdam begründet die Steuer mit dem großen Aufwand für die Beseitigung von Einwegmüll.

Coffee-to-go-Becher, Essensboxen und Besteck landen häufig in öffentlichen Abfallbehältern oder auf Straßen und Plätzen.

Die Stadt gibt für Aufstellung, Unterhaltung und Leerung öffentlicher Abfallbehälter jährlich rund 950.000 Euro aus.

Mit der Steuer soll der Umstieg auf Mehrweg attraktiver werden.

Mehrweg wird gleichzeitig gefördert

Die Stadt setzt nicht nur auf die Steuer.

Gastronomiebetriebe und Vereine können Unterstützung beim Umstieg auf Mehrweg erhalten.

Gefördert werden unter anderem Beiträge für Mehrweg-Poolsysteme und die Anschaffung von Mehrweggeschirr mit bis zu 500 Euro je Betriebsstätte.

Für Spülmaschinen sind Zuschüsse von bis zu 2.000 Euro möglich.

Wirtschaft kritisiert zusätzliche Bürokratie

Die neue Steuer ist allerdings umstritten.

Wirtschaftsverbände und Unternehmen kritisieren den zusätzlichen Verwaltungsaufwand.

Betriebe müssen dokumentieren, welche steuerpflichtigen Verpackungen verkauft werden, und regelmäßig Steuererklärungen abgeben.

Kritiker befürchten zudem Wettbewerbsnachteile gegenüber Unternehmen außerhalb Potsdams.

Einführung war bereits verschoben worden

Eigentlich sollte die Verpackungssteuer schon im Juli starten.

Die Stadtverordneten verschoben den Beginn jedoch auf den 1. Oktober, damit Unternehmen mehr Zeit für die Umstellung bekommen.

Ein weiterer Versuch, die Einführung kurzfristig noch zu stoppen, fand keine Mehrheit.

Damit ist Potsdam nun die erste Stadt in Brandenburg mit einer solchen kommunalen Verpackungssteuer.

Entscheidend wird das Verhalten der Kunden

Ob die Steuer tatsächlich zu weniger Einwegmüll führt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Viel hängt davon ab, ob Kunden Mehrwegangebote akzeptieren und Betriebe ihre Abläufe entsprechend umstellen.

Für Verbraucher ist die Veränderung jedenfalls unmittelbar sichtbar:

Wer weiterhin Einweg nutzt, muss damit rechnen, dafür zusätzlich zu bezahlen.