Für rund 324.400 Schüler beginnt in Brandenburg das Schuljahr 2026/27. Die Schulen müssen mit einer äußerst dünnen Personaldecke arbeiten, obwohl das Land zahlreiche Lehrkräfte neu eingestellt hat.

Schulstart in Brandenburg erreicht neue Schülerhöchstzahl

Brandenburgs Schulen verzeichnen die höchste Schülerzahl seit 20 Jahren. Gegenüber dem vergangenen Schuljahr steigt die Gesamtzahl um etwa 950 Kinder und Jugendliche. Im Land bestehen nun 958 Schulen. Davon befinden sich 756 in öffentlicher und 202 in freier Trägerschaft.

Bildungsminister Gordon Hoffmann bezeichnet die Lage als eines der schwierigsten Schuljahre der vergangenen Jahre. Die regulären Schulabschlüsse sollen trotzdem gesichert bleiben. Viele Schulen können die vorgesehene Stundentafel jedoch nur mit erheblichen Einschnitten an anderer Stelle erfüllen.

Die Gesamtzahl der Einschulungen sinkt bereits. Im Schuljahr 2023/24 kamen noch rund 25.850 Kinder neu in die Schulen. Jetzt liegt die Zahl bei weniger als 24.000. Das Ministerium erwartet ab dem Schuljahr 2028/29 auch einen Rückgang der gesamten Schülerzahl.

Lehrermangel lässt 313 Vollzeitstellen unbesetzt

Zum Schuljahresbeginn sind rund 313 Vollzeitstellen noch nicht besetzt. Im Vorjahr waren es 255 offene Stellen. Brandenburg startet mit insgesamt 22.311 Lehrkräften und sonstigen pädagogischen Beschäftigten in das neue Schuljahr. Ein Jahr zuvor waren es 22.347.

Die staatlichen Schulämter haben bislang 1.253 Lehrkräfte unbefristet eingestellt. Dazu gehören 704 Neueinstellungen und 549 Entfristungen bestehender Arbeitsverträge. Weitere 1.093 Personen erhielten zunächst befristete Stellen.

Unter den Einstellungen befinden sich 522 Seiteneinsteiger. Ihr Anteil an den unbefristeten Einstellungen liegt bei 43,5 Prozent. Im gesamten Schuldienst beträgt der Anteil der Seiteneinsteiger nun 20,2 Prozent. Damit besitzt inzwischen etwa jede fünfte Lehrkraft keine klassische grundständige Lehramtsausbildung.

Kernunterricht in Brandenburg erhält Vorrang

Schulen mit besonders großen Personalproblemen dürfen vorhandene Zusatzstunden vorübergehend für den Kernunterricht einsetzen. Davon können Arbeitsgemeinschaften, Förderunterricht, gemeinsames Lernen und Ganztagsangebote betroffen sein. In der Sekundarstufe I sind zudem begrenzte Abweichungen von der regulären Stundentafel möglich.

Das Ministerium stellt die für Abschlüsse wichtigen Fächer an die erste Stelle. Zusätzliche Bildungs- und Förderangebote geraten dadurch unter Druck. Bereits einzelne Krankheitsfälle können an Schulen mit geringer Personalreserve neue Lücken verursachen.

Mehr als 400 Lehrkräfte haben sich freiwillig zu einem vollständigen oder teilweisen Wechsel an Schulen mit besonders großem Personalbedarf bereit erklärt. Nur in wenigen Fällen musste das Land Lehrkräfte gegen deren Wunsch innerhalb eines Schulamtsbereichs umsetzen. Teilzeitbeschäftigte sollen ihre Stundenzahl nach Möglichkeit erhöhen.

Pflichtstunden und Seiteneinstieg sichern Unterricht

Frühere Haushaltsentscheidungen hatten Kürzungen im Umfang von insgesamt 445 Vollzeitstellen vorgesehen. Das Land erhöhte deshalb zum 1. Februar 2026 die Pflichtstundenzahl für rund 60 Prozent der Lehrkräfte. Diese zusätzliche Unterrichtsstunde kompensiert die Stellenkürzungen rechnerisch.

Für kurzfristige Ausfälle stehen den Schulen im Jahr 2026 rund 11,1 Millionen Euro aus dem Vertretungsbudget zur Verfügung. Etwa die Hälfte dieser Summe wurde bislang genutzt. Zusätzlich arbeiten rund 830 Lehramtsstudierende als Lernassistenten an 334 Schulen.

Das Freiwillige Soziale Jahr an Schulen wird mit 180 Plätzen fortgeführt. Dafür stellt das Land jährlich rund 1,4 Millionen Euro bereit. Die Freiwilligen unterstützen Lehrkräfte und begleiten Schüler im Schulalltag.

Digitale Kurse sollen Personallücken abfedern

Brandenburg führt neue digitale Kurse für die gymnasiale Oberstufe ein. Die Angebote betreffen Französisch, Latein, Geografie, Politische Bildung, Psychologie und Philosophie. Sie richten sich an Schulen ohne eigenes Unterrichtsangebot in diesen Fächern.

Die Onlinekurse finden am Nachmittag statt und sind zunächst auf jeweils 15 Teilnehmer begrenzt. Das Land will das digitale Angebot später auf weitere Fächer, Klassenstufen und Schulformen ausweiten. Digitaler Unterricht kann einzelne Fachlücken schließen. Er ersetzt jedoch keine ausreichende Personaldecke an den Schulen.

Für das Schuljahr 2027/28 kündigt das Ministerium 250 zusätzliche Vollzeitstellen an. Eine zusätzliche Lernstunde an den Grundschulen und ein verpflichtendes Leseband sollen ebenfalls folgen. Bis dahin müssen viele Schulen mit engen Reserven und reduzierten Zusatzangeboten arbeiten.

Quellen

Quelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg; Datenblatt zum Schuljahresbeginn 2026/27