Zuwanderung ist für Brandenburg längst mehr als ein gesellschaftliches Randthema. Ausländische Beschäftigte gleichen den Rückgang deutscher Arbeitskräfte weitgehend aus und sichern zunehmend Ausbildung, Hochschulen und wichtige Wirtschaftsbereiche.
Das Land Brandenburg hat erstmals eine umfassende datenbasierte Analyse zu Migration und Integration veröffentlicht. Der Zuwanderungs- und Integrationsbericht 2025 wurde im Auftrag des Landes von der Minor Wissenschaft GmbH erarbeitet.
Die Landesregierung will die Ergebnisse nun beraten. Sie sollen außerdem in die Diskussion über das geplante Landesintegrationsgesetz einfließen.
Ausländische Bevölkerung mehr als verdreifacht
Die Zahl ausländischer Einwohner hat sich in Brandenburg innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdreifacht.
Trotz dieses Wachstums lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2024 bei 7,2 Prozent. Damit blieb Brandenburg deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 14,8 Prozent.
Integrationsminister René Wilke bezeichnete Zuwanderung als strukturelles Fundament für Gesellschaft und Wirtschaft. Der Bericht zeige, wo Integration funktioniere und in welchen Bereichen weiterer Handlungsbedarf bestehe.
Polnische Beschäftigte besonders häufig in Arbeit
Der Bericht beschreibt die zugewanderte Bevölkerung als sehr vielfältig.
Polnische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erreichten demnach eine Beschäftigungsquote von 71,5 Prozent. Diese lag sogar über der Quote der deutschen Bevölkerung.
Auch die Zahl ukrainischer Beschäftigter ist deutlich gestiegen. Allein in der Metall- und Elektroindustrie erhöhte sie sich zwischen 2022 und 2024 um mehr als 400 Prozent.
Arbeitslosigkeit unter Geflüchteten deutlich gesunken
Nach Angaben des Landes entkräftet die Auswertung mehrere verbreitete Vorurteile.
Die Arbeitslosenquote von Menschen aus sogenannten Asylherkunftsländern sank von 75,6 Prozent im April 2016 auf 33,1 Prozent im Jahr 2021. Dieser Rückgang erfolgte trotz der Belastungen während der Corona-Pandemie.
Auch die Beschäftigungsquote ukrainischer Staatsangehöriger habe sich seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 mehr als verdoppelt.
Nachfrage nach Integrationskursen stark gewachsen
Die Zahl der Teilnehmer an Integrationskursen stieg in Brandenburg von 1.437 im Jahr 2021 auf 8.676 im Jahr 2023.
Zeitweise war die Nachfrage nach Deutschkursen größer als das vorhandene Angebot.
Der Bericht sieht darin einen Beleg dafür, dass viele Zugewanderte aktiv an ihrer sprachlichen und beruflichen Integration arbeiten.
Ausländische Arbeitskräfte gleichen Rückgang nahezu aus
Ausländische Beschäftigte stellen inzwischen 11,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg.
Ihr Anteil liegt damit deutlich über ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Der demografisch bedingte Rückgang deutscher Arbeitnehmer wird nach der Analyse nahezu vollständig durch den Zuwachs ausländischer Arbeitskräfte ausgeglichen.
In einzelnen Branchen ist ihre Bedeutung besonders hoch. In der Arbeitnehmerüberlassung besitzen bereits 66,2 Prozent der Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit.
In der Metall- und Elektroindustrie stieg die Zahl der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern zwischen 2022 und 2024 um 127,8 Prozent.
Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger
Der Bericht benennt zugleich erhebliche strukturelle Nachteile.
Ausländische Vollzeitbeschäftigte verdienen im Median rund 550 Euro weniger als der brandenburgische Durchschnitt.
Viele arbeiten zudem in Wirtschaftszweigen, die besonders anfällig für konjunkturelle Schwankungen sind. Dadurch besteht bei wirtschaftlichen Abschwüngen ein erhöhtes Risiko von Arbeitsplatzverlusten.
Brandenburg führt bei internationalen Studierenden
Besonders auffällig ist die Entwicklung an den Hochschulen.
Mit einem Anteil von 26,2 Prozent hat Brandenburg nach Angaben des Ministeriums den höchsten Anteil ausländischer Studierender unter allen deutschen Bundesländern.
Fast die Hälfte dieser Studierenden ist in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen eingeschrieben. Damit spielen sie eine wichtige Rolle für technische Forschung und den künftigen Fachkräftebedarf.
Zuwanderung stabilisiert auch die Ausbildung
Ohne die wachsende Zahl ausländischer Bewerber würden die Ausbildungszahlen in Brandenburg zurückgehen.
Zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene stabilisieren damit auch das duale Ausbildungssystem.
Gerade für Betriebe in Regionen mit sinkenden Schülerzahlen werden ausländische Auszubildende zunehmend wichtig.
Deutliche Unterschiede zwischen Schulformen
Im Schulbereich zeigt der Bericht jedoch eine klare Ungleichverteilung.
An Oberschulen liegt der Anteil zugewanderter Schüler bei 12,9 Prozent. An Gymnasien beträgt er dagegen nur 5,4 Prozent.
Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass Herkunft und Zuwanderungsgeschichte weiterhin Einfluss auf Bildungswege und Aufstiegschancen haben.
Land will Integrationspolitik stärker differenzieren
Der Bericht unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Zuwanderung. Dazu gehören die europäische Arbeitnehmerfreizügigkeit, Fluchtmigration und Bildungszuwanderung.
Damit wird deutlich, dass Zugewanderte keine einheitliche Gruppe bilden. Je nach Herkunft, Aufenthaltsstatus und Bildungsweg unterscheiden sich Voraussetzungen und Unterstützungsbedarf erheblich.
Die Landesregierung will diese Unterschiede bei der weiteren Integrationspolitik stärker berücksichtigen.
Quellen
Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt Brandenburg – Pressemitteilung Nr. 074/2026 „Erstes umfassendes Lagebild zu Zuwanderung und Integration in Brandenburg veröffentlicht“, veröffentlicht am 4. August 2026.