Die Europäische Gottesanbeterin breitet sich in Brandenburg und Berlin weiter aus. In Potsdam wurden über das bundesweite Meldeportal bereits 1.291 Beobachtungen erfasst. Seit dem Start der Plattform im Jahr 2023 gingen deutschlandweit mehr als 28.500 Meldungen ein, davon fast 23.000 aus Berlin und Brandenburg. Das Naturkundemuseum Potsdam und die Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg rufen Bürger dazu auf, neue und auch ältere Funde mit Foto und Standortangabe einzureichen.

In Brandenburg erstmals 2007 nachgewiesen

Die Europäische Gottesanbeterin kam ursprünglich nicht in Brandenburg vor. Der erste Nachweis im Land gelang nach Angaben des Naturkundemuseums im Jahr 2007.

Seitdem hat sich die Art Schritt für Schritt nach Norden ausgebreitet. Inzwischen ist sie in großen Teilen Brandenburgs etabliert und wurde aus allen Berliner Bezirken gemeldet.

Besonders häufig wird sie in warmen, trockenen Gebieten gefunden. Dazu gehören Trockenrasen, Brachen, sonnige Gärten und strukturreiche Grünflächen.

Potsdam liegt auf Platz fünf in Brandenburg

Mit 1.291 erfassten Tieren liegt Potsdam in der Brandenburger Rangliste auf dem fünften Platz.

Die meisten Meldungen stammen aus Teltow-Fläming mit mehr als 3.600 Beobachtungen. Dahinter folgen Potsdam-Mittelmark mit über 3.200 und Dahme-Spreewald mit 2.307 Funden. Im Landkreis Oder-Spree wurden 1.906 Beobachtungen registriert.

Die Zahlen zeigen nicht automatisch, wie viele Gottesanbeterinnen tatsächlich in einer Region leben. Gebiete mit besonders aktiven Beobachtern können mehr Meldungen aufweisen als Regionen mit ähnlich großen Beständen, aber geringerer Beteiligung.

Fast 14.000 Meldungen innerhalb eines Jahres

Im vergangenen Jahr wurden über das Portal 13.943 Beobachtungen erfasst. Das war nach Angaben des Naturkundemuseums ein neuer Höchststand.

Seit 2023 kamen insgesamt mehr als 28.500 Datensätze zusammen. Die große Zahl ermöglicht es Forschern, die Ausbreitung der Art genauer nachzuvollziehen.

Bürgerforschung ersetzt keine systematische wissenschaftliche Untersuchung. Sie kann jedoch eine räumliche Abdeckung erreichen, die einzelne Forschungsgruppen allein kaum leisten könnten.

Warum die Tiere jetzt leichter zu entdecken sind

Gottesanbeterinnen schlüpfen überwiegend zwischen Mai und Juni. Im Hochsommer sind die Jungtiere bereits deutlich größer.

Neben flügellosen Nymphen können jetzt auch die ersten ausgewachsenen, geflügelten Tiere beobachtet werden. In den kommenden Wochen erreicht ein großer Teil der Population seine volle Größe.

Die Tiere verharren häufig nahezu regungslos auf Pflanzen. Ihre grüne oder bräunliche Färbung sorgt für eine gute Tarnung. Trotzdem sind sie wegen ihrer Größe und ihrer auffälligen Fangbeine vergleichsweise gut zu erkennen.

Fangbeine dienen der Jagd

Die vorderen Beine der Gottesanbeterin sind zu kräftigen Fangarmen entwickelt. Damit ergreift das Tier andere Insekten.

Trotz ihres Namens hat die charakteristische Haltung nichts mit einer religiösen Handlung zu tun. Die angewinkelten Fangbeine erinnern lediglich an zum Gebet erhobene Hände.

Für Menschen ist die Art grundsätzlich ungefährlich. Sie besitzt weder einen für Menschen gefährlichen Stachel noch ein Gift, das bei einer gewöhnlichen Begegnung eine Rolle spielen würde.

Ausbreitung liefert Hinweise auf Umweltveränderungen

Die Gottesanbeterin ist wärmeliebend. Ihre zunehmende Verbreitung nach Norden steht deshalb im Zusammenhang mit veränderten klimatischen und ökologischen Bedingungen.

Mildere Winter und längere warme Perioden können dazu beitragen, dass Eier und Jungtiere in Regionen überleben, die früher zu kalt waren. Gleichzeitig spielen geeignete Lebensräume, Verkehrswege und zufällige Verschleppungen eine Rolle.

Ein einzelner Fund beweist keine bestimmte Ursache. Die langfristige Veränderung der Verbreitung liefert Forschern jedoch Hinweise darauf, wie Arten auf wärmere Bedingungen reagieren.

Meldung erfolgt mit Foto und Fundort

Wer eine Gottesanbeterin entdeckt, kann ein Foto über die Meldeplattform hochladen. Zusätzlich wird der Fundort auf einer Karte ausgewählt und durch weitere Angaben ergänzt.

Das Projektteam prüft die Meldung anschließend. Nach der Bestätigung erscheint der Fund auf der öffentlichen Verbreitungskarte.

Auch ältere Beobachtungen können nachgetragen werden, sofern Ort und Zeitpunkt noch nachvollziehbar sind. Dadurch lassen sich frühere Ausbreitungsphasen besser rekonstruieren.

Tiere sollten nicht eingefangen werden

Für eine Meldung reicht ein Foto aus. Die Tiere müssen nicht gefangen, umgesetzt oder getötet werden.

Wer eine Gottesanbeterin im Garten entdeckt, sollte sie möglichst an ihrem Standort belassen. Auch der Einsatz von Insektiziden kann nicht nur die Gottesanbeterin, sondern zahlreiche andere Insekten schädigen.

Sinnvoll sind strukturreiche Gärten mit unterschiedlichen Pflanzen, sonnigen Bereichen und einem möglichst geringen Pestizideinsatz. Dadurch entstehen Lebensräume für viele Arten, nicht nur für die auffällige Fangschrecke.

Erfolg des Projekts hängt von geprüften Daten ab

Die hohe Zahl der Meldungen ist für die Forschung wertvoll. Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der Daten.

Unscharfe Fotos, ungenaue Fundorte oder Doppelmeldungen können die Auswertung erschweren. Die Prüfung durch Fachleute ist deshalb unverzichtbar.

Das Projekt zeigt zugleich, wie Museen über ihre Ausstellungen hinaus wissenschaftlich arbeiten können. Das Naturkundemuseum Potsdam sammelt nicht nur historische Präparate, sondern beteiligt Bürger an der Beobachtung aktueller Veränderungen in der Tierwelt.

Quellen

  1. Landeshauptstadt Potsdam und Naturkundemuseum Potsdam: „Wer entdeckt die nächste Gottesanbeterin?“, veröffentlicht am 29. Juli 2026.
  2. Naturkundemuseum Potsdam: Angaben zur Ausbreitung der Europäischen Gottesanbeterin in Brandenburg und Berlin.
  3. Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg: Daten des bundesweiten Meldeportals seit 2023.
  4. Naturkundemuseum Potsdam: Statistik der gemeldeten Beobachtungen nach Landkreisen und kreisfreien Städten, Stand Juli 2026.