Potsdam bereitet die nächste Runde seiner Ideen-Budgets vor. Für 2027 und 2028 stellt die Landeshauptstadt insgesamt 120.000 Euro zur Verfügung. Gesucht werden sechs lokale Kooperationspartner, die Bürgerideen sammeln, Auswahlverfahren organisieren und anschließend konkrete Projekte umsetzen. Bewerbungen sind bis zum 16. September möglich.
Sechs Partner erhalten jeweils bis zu 20.000 Euro
Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Die Stadt stellt Geld bereit, die Entscheidungen über konkrete Projekte sollen möglichst nah an den jeweiligen Quartieren und ihren Bewohnern getroffen werden.
Dafür sucht Potsdam sechs Einrichtungen oder Zusammenschlüsse, die jeweils ein eigenes Budget von bis zu 20.000 Euro verwalten.
Bewerben können sich unter anderem Träger von Begegnungshäusern, Stadtteilräte, Ortsbeiräte, Vereine, lokale Netzwerke und andere gemeinwohlorientierte Einrichtungen.
Die Partner übernehmen anschließend eine wichtige Rolle. Sie sammeln Vorschläge aus ihrem Umfeld, organisieren Abstimmungen oder Juryverfahren und begleiten die ausgewählten Ideen bis zur Umsetzung.
Bürger sollen direkt über Projekte vor ihrer Haustür entscheiden
Die Ideen-Budgets sind Teil des Potsdamer Bürgerhaushalts. Anders als bei großen stadtweiten Haushaltsdebatten geht es dabei häufig um überschaubare Vorhaben mit unmittelbarer Wirkung im Wohnumfeld.
Seit 2021 wurden solche Budgets bereits in unterschiedlichen Teilen der Stadt eingesetzt.
Erfahrungen gibt es unter anderem aus der Waldstadt und der Innenstadt sowie aus mehreren Ortsteilen. Zuletzt waren Fahrland und Uetz-Paaren beteiligt.
Auch spezielle Bevölkerungsgruppen wurden bereits angesprochen. Dazu zählen Kinder und Jugendliche, Senioren sowie Menschen mit Behinderung.
Von Kultur bis Wohnumfeld reichen die bisherigen Projekte
Die bisherigen Ideen zeigen, wie breit ein solches Budget eingesetzt werden kann.
Finanziert wurden nach Angaben der Stadt kulturelle, sportliche und soziale Angebote. Hinzu kamen Projekte zur Gestaltung des Wohnumfeldes und Maßnahmen, die das nachbarschaftliche Zusammenleben verbessern sollten.
Damit unterscheiden sich die Ideen-Budgets von großen kommunalen Investitionsprogrammen. Es geht nicht um Millionenprojekte wie Schulneubauten oder Straßenbahnen, sondern um kleinere Vorhaben, deren Wirkung unmittelbar vor Ort sichtbar werden kann.
Gerade diese niedrigere Schwelle soll es Bürgern ermöglichen, eigene Vorstellungen einzubringen.
Stadt sucht zunächst nur die Organisatoren
Wichtig ist: Die jetzt gestartete Bewerbungsphase richtet sich noch nicht an Einwohner mit einzelnen Projektideen.
Zunächst werden ausschließlich die sechs Kooperationspartner ausgewählt.
Die eigentliche Sammlung der Bürgerideen beginnt später. Die Stadt will den Start dieses Beteiligungsverfahrens gesondert bekannt geben.
Für die Bewerber bedeutet dies, dass sie zunächst erläutern müssen, wie sie das Ideen-Budget in ihrem Bereich organisieren wollen.
Gefragt ist eine kurze Beschreibung des geplanten Vorgehens.
Bewerbung läuft bis 16. September
Interessierte Organisationen können ihre Unterlagen bis einschließlich 16. September 2026 einreichen.
Danach entscheidet die Stadt, welche sechs Partner die nächste Runde der Ideen-Budgets begleiten.
Bürgermeister Burkhard Exner setzt dabei bewusst auf Einrichtungen, die in ihren Stadtteilen bereits vernetzt sind. Sie kennen nach Einschätzung der Stadtverwaltung die örtlichen Bedürfnisse häufig genauer als eine zentrale Verwaltungsstelle.
Das Modell verlagert damit einen Teil der Entscheidung über kommunale Mittel direkt in Stadtteile und Ortsteile.
120.000 Euro sind zugleich ein Beteiligungsexperiment
Finanziell bleibt das Gesamtprogramm mit 120.000 Euro überschaubar. Politisch ist das Instrument dennoch interessant.
Denn die Stadt überträgt nicht nur Geld, sondern auch Verantwortung für Auswahl und Umsetzung.
Ob ein kulturelles Projekt, ein Sportangebot oder eine Verbesserung im Wohnumfeld realisiert wird, soll nicht ausschließlich im Rathaus entschieden werden.
Die Einwohner erhalten dadurch die Möglichkeit, auf einen begrenzten Teil kommunaler Mittel sehr direkt Einfluss zu nehmen.
Für Potsdam beginnt nun zunächst die Suche nach den sechs Organisationen, die diesen Prozess in den kommenden beiden Jahren vor Ort tragen sollen.
Quellen
Landeshauptstadt Potsdam – Pressemitteilung Nr. 349 vom 7. August 2026 „Kooperationspartner für neue Ideen-Budgets 2027/28 gesucht“