Trotz Fortschritten bestehen in Brandenburg weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Das zeigt der neue Gleichstellungsdatenreport des Landes. Besonders sichtbar werden die Ungleichheiten bei Teilzeit, Elternzeit, Einkommen, politischer Teilhabe und der Verteilung von Sorgearbeit.

POTSDAM. Der Bericht wurde von der Sozialwissenschaftlerin Dr. Irene Savin Pimminger erstellt und untersucht die Gleichstellung in sieben Themenfeldern: Demografie, Bildung und Wissenschaft, Erwerbstätigkeit und soziale Lage, Sorgearbeit, politische Teilhabe, Gesundheit sowie geschlechtsbezogene Gewalt.

Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen in allen untersuchten Lebensbereichen fort.

Frauen übernehmen deutlich mehr Elternzeit

Besonders groß ist der Unterschied bei der Betreuung von Kindern. Männer in Brandenburg nehmen durchschnittlich lediglich 3,2 Monate Elternzeit. Frauen kommen dagegen auf knapp 13 Monate.

Der Bericht leitet daraus eine stärkere Belastung von Frauen durch unbezahlte Sorgearbeit ab. Zugleich arbeiten Frauen weiterhin deutlich häufiger in Teilzeit als Männer, auch wenn ihre Teilzeitstellen in Brandenburg im Durchschnitt mehr Wochenstunden umfassen als im Bundesvergleich.

Viele Einkommen reichen nicht langfristig aus

Der Report betrachtet nicht nur den vergleichsweise niedrigen Gender Pay Gap in Brandenburg, sondern auch die tatsächlichen Jahreseinkommen und die Frage der eigenständigen Existenzsicherung.

Bei rund der Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen reicht das monatliche Entgelt nach den ausgewerteten Maßstäben nicht für eine eigenständige und langfristige Absicherung. Bei Männern betrifft dies knapp zwei Fünftel.

Das höchste Armutsrisiko tragen laut Bericht Alleinerziehende.

Brandenburg hat besondere demografische Probleme

Die Ausgangslage unterscheidet sich teilweise vom Bundesdurchschnitt. Unter jungen Erwachsenen gibt es in Brandenburg einen deutlichen Männerüberschuss, der regional unterschiedlich stark ausgeprägt ist. In den älteren Altersgruppen überwiegen dagegen Frauen.

Als Flächenland steht Brandenburg zudem vor besonderen Herausforderungen:

  • große Entfernungen,
  • lange Pendelwege,
  • unterschiedliche Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land,
  • Bedarf an flächendeckender Betreuung und Infrastruktur.

Die Landesgleichstellungsbeauftragte Dr. Uta Kletzing sieht insbesondere die Abwanderung junger Frauen als Problem. Brandenburg müsse für Frauen in allen Lebensphasen attraktiver werden – etwa durch bessere Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mehr politische Mitgestaltung.

Hohe Betreuungsquote als Vorteil

In einigen Bereichen steht Brandenburg besser da als andere Bundesländer. So liegt die Ganztagsbetreuungsquote deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Auch arbeiten Frauen in Brandenburg häufiger in vollzeitnaher Teilzeit. Der Report macht allerdings deutlich, dass eine gute Betreuungsinfrastruktur allein die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit nicht aufhebt.

Geschlechterrollen schränken Wahlfreiheit ein

Nach Einschätzung der Landesgleichstellungsbeauftragten prägen traditionelle Rollenbilder weiterhin Berufswahl, Familienarbeit, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe.

„Ein zentraler gleichstellungspolitischer Handlungsbedarf liegt daher im Abbau von Geschlechterrollen.“

Die Landesregierung will die Erkenntnisse des Reports für die Fortschreibung ihres gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms nutzen. Gleichstellung soll dabei nicht als einzelnes Fachthema, sondern als Aufgabe aller Politikbereiche behandelt werden.

Bericht und Tabellen online verfügbar

Der Gleichstellungsdatenreport kann beim Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt als gedruckte Publikation bestellt werden. Zusätzlich stehen eine Online-Fassung und ein ausführlicher Tabellenband zur Verfügung.

Quelle

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt Brandenburg: Pressemitteilung Nr. 073/2026 „Gleichstellungsdatenreport veröffentlicht“ vom 27. Juli 2026.