Co-Spitzenkandidatin Claudia Wittig erklärte, dass das BSW bei einem unübersichtlichen Wahlergebnis einen Kandidaten vorschlagen wolle, der nicht als Vertreter eines der großen politischen Lager auftrete. Damit solle eine weitere gesellschaftliche Polarisierung verhindert werden.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September 2026 statt. Für das BSW geht es dabei auch um die eigene parlamentarische Zukunft. In aktuellen Erhebungen liegt die Partei lediglich bei etwa vier bis fünf Prozent und muss deshalb um den Einzug in den Landtag bangen.

BSW will weder Schulze noch Siegmund wählen

Nach den Aussagen Wittigs will das BSW weder den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze noch den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Regierungschef wählen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass die Wahl des Ministerpräsidenten geheim erfolgt.

Schulze steht seit Januar 2026 an der Spitze der Landesregierung. Er hatte das Amt von Reiner Haseloff übernommen und führt die CDU auch als Spitzenkandidat in die Landtagswahl.

Die AfD geht mit Ulrich Siegmund als Spitzenkandidaten in die Abstimmung. Neben Schulze und Siegmund treten unter anderem Eva von Angern für die Linke, Armin Willingmann für die SPD sowie Claudia Wittig und Thomas Schulze für das BSW an.

Wechselnde Mehrheiten statt fester Koalition

Das BSW wirbt für ein politisches Modell, bei dem Mehrheiten für einzelne Vorhaben jeweils neu gesucht werden. Eine klassische Koalition mit einem festen gemeinsamen Regierungsprogramm wäre dabei nicht zwingend notwendig.

Die Partei will ein Sechs-Punkte-Papier als Grundlage für die parlamentarische Zusammenarbeit vorlegen. Die Vorschläge betreffen Bildung, Pflege, Energie, innere Sicherheit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Meinungsfreiheit.

Zu den Forderungen gehören der Erhalt kleiner Grundschulen, zusätzliche Lehrerstellen, ein Landespflegegeld und höhere Investitionen in Pflegeeinrichtungen. Außerdem soll die Zahl der Polizisten bis 2028 auf 7.000 erhöht werden.

Keine Partei soll grundsätzlich ausgeschlossen werden

Nach dem Konzept des BSW sollen die politischen Vorschläge allen Parteien im Landtag vorgelegt werden. Das schließt ausdrücklich auch die AfD ein. Die Partei lehnt die bisherige Abgrenzungspolitik ab und spricht sich gegen eine sogenannte Brandmauer aus.

Eine feste Regierungsbeteiligung hatte der BSW-Landesverband in früheren Debatten noch zurückhaltend beurteilt. Im Jahr 2025 wurde zunächst eine Oppositionsrolle nach der Landtagswahl bevorzugt. Die aktuellen Vorschläge zeigen nun, dass sich die Partei auch mit alternativen Regierungsmodellen beschäftigt.

Schwierige Mehrheitsbildung zeichnet sich ab

Der Vorschlag für einen überparteilichen Ministerpräsidenten steht vor dem Hintergrund außergewöhnlicher Umfragewerte. Die AfD wurde zuletzt deutlich vor der CDU gesehen. Gleichzeitig könnten mehrere kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Dadurch könnte die Bildung einer klassischen Mehrheitsregierung erheblich schwieriger werden. Das BSW versucht, sich in dieser Lage als Vermittler zwischen den politischen Lagern zu positionieren.

Ob ein parteiloser oder überparteilicher Kandidat im neuen Landtag tatsächlich eine Mehrheit erhalten könnte, bleibt jedoch offen. Dafür wären Stimmen aus mehreren Fraktionen notwendig, deren politische Ziele teilweise weit auseinanderliegen.

BSW kämpft um politische Zukunft

Für das Bündnis ist die Wahl in Sachsen-Anhalt von bundesweiter Bedeutung. Nach den Erfolgen bei ostdeutschen Landtagswahlen im Jahr 2024 steht die Partei nun unter deutlich größerem Druck.

Sollte sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, wäre sie im neuen Landtag nicht vertreten. Claudia Wittig betonte dennoch, dass das politische Projekt in Sachsen-Anhalt auch bei einem Misserfolg fortgesetzt werden solle.

Ein Einzug des BSW könnte dagegen entscheidenden Einfluss darauf haben, welche Mehrheiten nach dem 6. September möglich sind. Bereits wenige Mandate könnten bei einer stark zersplitterten Sitzverteilung ausschlaggebend sein.

Ungewöhnlicher Vorschlag mit offenem Ausgang

Die Idee eines überparteilichen Ministerpräsidenten ist nicht neu. Sahra Wagenknecht hatte bereits im Juni für eine solche Lösung geworben und zugleich gefordert, die AfD nicht grundsätzlich von parlamentarischen Entscheidungen auszuschließen.

Das BSW verbindet den Personalvorschlag nun mit konkreten Sachthemen und dem Modell wechselnder Mehrheiten. Damit versucht die Partei, sich von CDU, AfD und den bisherigen Regierungsparteien abzugrenzen.

Ob das Konzept die Wähler überzeugt, entscheidet sich am 6. September. Bis dahin bleibt vor allem eine Frage offen: Wer könnte als überparteilicher Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten überhaupt infrage kommen? Einen konkreten Namen hat das BSW bislang nicht öffentlich genannt.

Quellen

– Deutsche Presse-Agentur: Ungewisse Mehrheiten? Wie das BSW damit umgehen will, veröffentlicht am 6. August 2026
– Deutsche Presse-Agentur: Projekte statt Brandmauer – BSW schlägt sechs Themen vor, veröffentlicht am 6. August 2026
– MDR Sachsen-Anhalt: Informationen zur Landtagswahl und zu den Spitzenkandidaten 2026