Die sterblichen Überreste Ottos des Großen sind am Dienstag im Magdeburger Dom feierlich wiederbeigesetzt worden. An dem ökumenischen Gottesdienst und dem anschließenden Festakt nahmen Ministerpräsident Sven Schulze, Kulturminister Rainer Robra und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer teil. Damit enden die Arbeiten am Kaisergrab, die im Januar 2025 begonnen hatten.
Kaisergrab war erheblich beschädigt
Fachleute hatten bei einer Zustandskontrolle im Jahr 2024 besorgniserregende Schäden am Grabmal festgestellt. Gefährdet waren sowohl der aus einem Kalksteinblock gefertigte Sarkophag als auch der darin befindliche Holzsarg. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie leiteten daraufhin ein umfangreiches Sicherungs- und Forschungsprojekt ein.
Als eine Ursache der Schäden gelten eiserne Nägel und Klammern, die vermutlich bei einer früheren Instandsetzung im 19. Jahrhundert eingebaut worden waren. Durch Korrosion drohten die Metallteile den Kalkstein zu sprengen. Zusätzlich belasteten starke Schwankungen der Luftfeuchtigkeit sowie aus dem Untergrund aufsteigende Feuchtigkeit und Salze das Grabmal.
Für die Sanierung musste der Sarkophag von seinem Standort im Hohen Chor entfernt werden. Auch der Untergrund wurde ertüchtigt, um das Grab dauerhaft zu sichern. Sämtliche Arbeiten fanden innerhalb des Magdeburger Doms statt.
Gebeine wissenschaftlich untersucht
Vor Beginn der eigentlichen Konservierung dokumentierten die Fachleute das Grabmal mit nichtinvasiven Verfahren. Dabei entstanden hochauflösende Fotografien, Zeichnungen und dreidimensionale Modelle. Auch der Untergrund und der Sarkophag wurden mit Georadar untersucht.
Im März 2025 wurde die rund 300 Kilogramm schwere marmorne Deckplatte abgenommen. Anschließend öffneten die Wissenschaftler den stark beschädigten Holzsarg. Gebeine, Textilien, organische Reste und Sedimente wurden geborgen, dokumentiert und konserviert.
Anthropologische und genetische Untersuchungen bestätigten nach Angaben des Landesamtes, dass es sich bei den Gebeinen tatsächlich um die sterblichen Überreste Ottos I. handelt. Für die Wiederbeisetzung wurden sie in einen neu gestalteten Sarg gelegt, der aus einem Wettbewerb der Kunststiftung Sachsen-Anhalt hervorgegangen war.
Antike Marmorplatte stammt aus der Türkei
Die Untersuchungen brachten auch neue Erkenntnisse über die Deckplatte des Grabmals. Frühere Veröffentlichungen hatten angenommen, dass der Marmor aus Italien oder Griechenland stammen könnte. Analysen von Fachleuten aus Wien und Bochum widerlegten diese Vermutungen.
Demnach stammt das Material von der heutigen Marmara-Insel in der Türkei. Die antike Marmorplatte wurde später für das Grab Ottos wiederverwendet. Sie liegt auf einem Sarkophag, der aus einem an allen vier Seiten kassettierten Kalksteinblock gefertigt wurde.
Die letzte dokumentierte Öffnung des Grabmals hatte 1844 stattgefunden. Damals wurde der Sarkophag repariert und konstruktiv verstärkt. Eine noch heute sichtbare Gedenkinschrift aus Metall kam 1937 hinzu.
Otto prägte Magdeburg und Europa
Otto I. wurde 912 geboren und starb am 7. Mai 973 in Memleben. Er gilt als eine der bedeutendsten Herrscherfiguren des europäischen Mittelalters. Mit seiner Kaiserkrönung im Jahr 962 erneuerte er das weströmische Kaisertum und schuf eine wichtige Grundlage für das spätere Heilige Römische Reich.
Magdeburg nahm in seiner Politik eine zentrale Stellung ein. Otto förderte die Stadt und betrieb ihre Erhebung zum Erzbistum, die 968 vollzogen wurde. Bereits 937 hatte er in Magdeburg ein Benediktinerkloster zu Ehren des heiligen Mauritius gegründet.
Nach seinem Tod wurde der Kaiser im Magdeburger Dom an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen ersten Ehefrau Editha beigesetzt. Seit dem Neubau des Doms im 13. Jahrhundert befindet sich sein Grabmal an zentraler Stelle im Binnenchor.
Forschungen am Kaisergrab gehen weiter
Ministerpräsident Sven Schulze bezeichnete das ottonische Erbe als Geschenk und Verantwortung für Sachsen-Anhalt. Magdeburg, Memleben und der Harz erinnerten an eine Geschichte, die weit über die heutigen Landesgrenzen hinausreiche. Das Land wolle dieses Erbe bewahren und seine Bedeutung für Kultur und Tourismus stärker vermitteln.
Kulturminister Rainer Robra dankte dem Landesamt, der Kulturstiftung, der Domgemeinde und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland für ihre Zusammenarbeit. Das Grabmal sei nun langfristig gesichert. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer würdigte Otto als Herrscher, dessen Bemühen um Einheit und Bündnisse bis in die Gegenwart wirke.
Mit der Wiederbeisetzung sind die konservatorischen Arbeiten am Grab abgeschlossen. Die wissenschaftliche Auswertung der geborgenen Materialien wird jedoch fortgesetzt. Von ihr erwarten die beteiligten Institutionen weitere Erkenntnisse über Otto den Großen, seine Bestattung und die Geschichte des Magdeburger Kaisergrabes.
Quellen
Staatskanzlei und Ministerium für Kultur Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung Nr. 522/2026 vom 1. September 2026
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Informationen zur Sanierung des Grabmals Ottos des Großen vom 19. August 2026
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Untersuchungsergebnisse zur Grablege und zur Marmorplatte