Von der seelischen Gesundheit junger Menschen bis zu neuen medizinischen Materialien reicht das Spektrum aktueller Arbeiten an der Universität Leipzig. Drei Meldungen zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in Schulen, Laboren und der späteren Patientenversorgung praktisch genutzt werden könnten.
Neben einem neuen Fachbuch für Schulen stellt die Universität Forschung zur Übertragbarkeit von Wirkstofftests sowie ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt zu biologisch abbaubaren Implantatmaterialien vor.
Neues Buch verbindet psychische Gesundheit und Bildungsauftrag
Das Buch „Wohlbefinden und psychische Gesundheit in Schule und Unterricht“ ist im Springer-Verlag erschienen. Herausgegeben wurde es von Wissenschaftlern aus der Klinischen Psychologie und den Bildungswissenschaften der Universität Leipzig sowie aus den Kommunikationswissenschaften der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.
Zu den Herausgebern gehören Prof. Dr. Julian Schmitz, Prof. Dr. Henrik Saalbach und Dr. Franziska Greiner-Döchert von der Universität Leipzig sowie Prof. Dr. Eva Baumann aus Hannover.
Das Werk richtet sich vor allem an Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen und Beschäftigte in der Lehrkräftebildung, Schulentwicklung und Bildungsverwaltung.
Die Autoren wollen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse mit konkreten Handlungsmöglichkeiten für den Schulalltag verbinden. Das Buch soll Orientierung geben und zeigen, wie Wohlbefinden und psychische Gesundheit stärker im Unterricht und in der Schulentwicklung berücksichtigt werden können.
Kinder lernen besser, wenn sie sich sicher fühlen
Nach Einschätzung von Julian Schmitz sind Wohlbefinden und psychische Gesundheit keine zusätzlichen Themen neben dem eigentlichen Bildungsauftrag.
Kinder und Jugendliche könnten besser lernen, wenn sie sich sicher, unterstützt, zugehörig und selbstwirksam erleben. Das neue Buch verbindet deshalb psychologische Erkenntnisse mit Fragen der Unterrichtsgestaltung und des schulischen Zusammenlebens.
Die Veröffentlichung soll Fachkräften dabei helfen, psychische Belastungen frühzeitig wahrzunehmen und ein unterstützendes Lernumfeld zu schaffen. Welche einzelnen Handlungsempfehlungen das Buch enthält, wird in der Kurzmitteilung nicht näher erläutert.
Rinderzellen könnten Wirkstofftests verbessern
Ein weiteres Forschungsthema betrifft den programmierten Zelltod, der in der Wissenschaft als Apoptose bezeichnet wird. Dieser natürliche Vorgang gehört zum Stoffwechsel jeder Zelle.
Forschende untersuchen, wie sich die Apoptose beeinflussen lässt, um mögliche Wirkstoffe gegen Krebs und andere schwere Erkrankungen zu entwickeln. Für entsprechende Versuche werden bislang häufig Zellen von Mäusen verwendet.
Veterinärmediziner der Universität Leipzig haben nun festgestellt, dass Rinderzellen menschlichen Zellen in bestimmten Bereichen stärker ähneln als Mauszellen.
Ergänzendes Testsystem für neue Wirkstoffe
Die Leipziger Forschenden sehen in den Rinderzellen ein mögliches ergänzendes Testsystem. Es könnte dazu beitragen, die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen neuer Substanzen zuverlässiger auf den Menschen zu übertragen.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Rinderzellen alle bisherigen Versuchsmodelle ersetzen können. Nach Darstellung der Universität könnten sie bestehende Untersuchungen jedoch sinnvoll ergänzen.
Eine bessere Übertragbarkeit von Laborergebnissen könnte helfen, Wirkstoffkandidaten präziser zu bewerten. Ob daraus unmittelbar neue Medikamente entstehen, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.
Forschung an biologisch abbaubaren Implantaten
Die dritte Meldung widmet sich neuen Materialien für medizinische Implantate. Die ukrainische Wissenschaftlerin Dr. Yuliya Khrunyk forscht seit Kurzem am Institut für Biochemie der Universität Leipzig.
Ihre Stelle wird über das Walter-Benjamin-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert. Bis Ende Juli 2028 untersucht sie unter der Leitung von Prof. Dr. Annette Beck-Sickinger biologisch abbaubare Implantatmaterialien.
Dabei arbeitet Khrunyk mit kurzen Aminosäureketten, sogenannten zelladhäsiven Peptiden. Diese sollen beeinflussen, wie Zellen mit dem jeweiligen Implantatmaterial in Kontakt treten und daran haften.
Materialien sollen nach der Heilung verschwinden
Herkömmliche Implantate bestehen häufig aus Metallen wie Titan und verbleiben dauerhaft im Körper. Für zahlreiche medizinische Anwendungen werden jedoch Materialien benötigt, die den Körper nur für eine bestimmte Zeit unterstützen.
Nach Abschluss der Heilung sollen sich solche Implantate vollständig abbauen. Dadurch könnte bei geeigneten Anwendungen ein weiterer Eingriff zur Entfernung vermieden werden.
Als Beispiel nennt Khrunyk biologisch abbaubare Gefäßstützen. Solche Stents könnten insbesondere für Kinder interessant sein, weil sie nach der Heilung nicht in einer zusätzlichen Operation entfernt werden müssten.
Die Forschungsarbeit befindet sich noch in einem wissenschaftlichen Stadium. Die Pressemitteilung enthält keine Angaben dazu, wann daraus ein einsatzfähiges medizinisches Produkt entstehen könnte.
Quellen
• Universität Leipzig: Kurzmeldungen 2026/064 „Buch über Wohlbefinden und psychische Gesundheit in der Schule – Rinderzellen könnten Wirkstoffforschung voranbringen – Forschung zu biologisch abbaubaren Implantaten“, veröffentlicht am 6. August 2026.