Die Verbreitungsgebiete von Schmetterlingen verändern sich weltweit in einem bislang unterschätzten Ausmaß. Eine internationale Forschungsgruppe hat Daten zu 1.758 Arten ausgewertet. Bei 80 Prozent wuchs das bekannte Verbreitungsgebiet, während 79 Prozent der dokumentierten Verschiebungen mit Klimawandel und Extremwetter zusammenhängen.

1.758 Arten aus 105 Ländern untersucht

An der Studie waren die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und die Monash University beteiligt. Die Ergebnisse erschienen in „Nature Ecology & Evolution“.

Die Forscher werteten 6.182 dokumentierte Arealverschiebungen aus 105 Ländern aus. Insgesamt erfasst die Untersuchung rund zehn Prozent aller bekannten Schmetterlingsarten.

80 Prozent vergrößern ihr Verbreitungsgebiet

Bei vier von fünf untersuchten Arten wurde eine Ausweitung des Areals festgestellt. Gleichzeitig verkleinerte sich das Verbreitungsgebiet bei 27 Prozent der Arten. 22 Prozent zeigten Veränderungen in ihrer Höhenverbreitung.

Diese Werte überschneiden sich, da eine Art gleichzeitig in eine neue Region vordringen und an anderer Stelle Lebensraum verlieren kann.

Auch deutsche Arten verändern sich

Für Deutschland nennen die Forscher konkrete Beispiele. Wärmeliebende Arten wie der Karstweißling und der Segelfalter breiten sich aus. Längere warme Jahreszeiten ermöglichen manchen Arten zusätzliche Generationen innerhalb eines Jahres.

Andere Arten geraten unter Druck. Der Hochmoor-Perlmutterfalter leidet unter der Entwässerung von Mooren und intensiver Landnutzung.

Schmetterlinge zeigen Veränderungen ganzer Ökosysteme

Schmetterlinge reagieren vergleichsweise schnell auf Veränderungen von Temperatur und Lebensraum. Die Forscher betrachten sie deshalb als wichtige Frühindikatoren für ökologische Verschiebungen.

Die Studie macht zugleich große Wissenslücken sichtbar. In vielen Staaten sind Veränderungen bei weniger als zehn Prozent der dort vorkommenden Arten ausreichend dokumentiert. Besonders große Datenlücken bestehen in Teilen Afrikas, Südostasiens, Neuguineas und des Amazonasgebietes.

Der Befund aus Jena geht damit weit über einzelne Schmetterlingsarten hinaus. Wenn sich ihre Lebensräume weltweit verschieben, verändert sich auch das Gefüge aus Pflanzen, Bestäubern, Nahrungsketten und klimatischen Bedingungen.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena; Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung; Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung; Monash University