Langsamstes Musikstück der Welt in Halberstadt

Neuer Klang nach zweieinhalb Jahren: John-Cage-Orgelprojekt verändert sich

In der Halberstädter Burchardikirche hat sich der Klang des weltberühmten Orgelprojekts „ORGAN²/ASLSP“ verändert. Die Aufführung läuft seit 2001 und soll erst im Jahr 2640 enden.

Von Michael Kohlmann 2 Min. Lesezeit

Teilen

In der Burchardikirche läuft seit September 2001 eine Aufführung des Werks „ORGAN²/ASLSP“ des US-amerikanischen Komponisten John Cage. Die Abkürzung steht für „As Slow as Possible“ – so langsam wie möglich.

Am 6. August wurde eine weitere Orgelpfeife aktiviert beziehungsweise die bisherige Klangkombination verändert. Der MDR berichtete am Donnerstagmorgen über das Ereignis.

Aufführung soll insgesamt 639 Jahre dauern

Das Projekt ist auf eine Dauer von 639 Jahren ausgelegt. Wenn der Zeitplan eingehalten wird, endet die Aufführung im Jahr 2640.

Die Zahl geht auf die Geschichte der Orgel in Halberstadt zurück. Im Jahr 1361 soll dort eine der frühesten Großorgeln mit einer für die weitere Musikgeschichte bedeutenden Tastatur gebaut worden sein. Vom Beginn der Cage-Aufführung im Jahr 2001 bis 2640 ergibt sich erneut eine Spanne von 639 Jahren.

Das Werk begann zunächst mit einer längeren Stille. Erst später erklangen die ersten dauerhaft gehaltenen Orgeltöne.

Gewichte halten die Tasten dauerhaft gedrückt

Da kein Organist jahrzehntelang an einem Instrument sitzen kann, werden einzelne Tasten mit Gewichten fixiert. Ein Blasebalg versorgt die Pfeifen kontinuierlich mit Luft.

Bei einem Klangwechsel werden Pfeifen hinzugefügt oder entfernt. Dadurch entsteht eine neue Tonkombination, die anschließend häufig über Monate oder Jahre unverändert bleibt.

Die Veränderung wird bei vielen Terminen von Besuchern aus dem In- und Ausland verfolgt. Aus einem experimentellen Musikprojekt ist damit zugleich eine touristische und kulturelle Besonderheit Halberstadts geworden.

Werk stellt vertrautes Zeitempfinden infrage

John Cage beschäftigte sich intensiv mit Stille, Zufall und der Frage, was überhaupt als Musik wahrgenommen wird.

Die Halberstädter Interpretation überträgt den Titel „so langsam wie möglich“ auf einen Zeitraum, der weit über ein menschliches Leben hinausgeht. Kein heute lebender Besucher wird das Ende des Werkes erleben.

Dadurch wird jede Klangveränderung zu einem seltenen Ereignis. Zugleich hängt das Fortbestehen des Projekts davon ab, dass kommende Generationen Verantwortung für Instrument, Gebäude und Organisation übernehmen.

Halberstadt erhält weltweite Aufmerksamkeit

Das Orgelprojekt zieht Musiker, Kunstinteressierte und Neugierige aus zahlreichen Ländern an. Klangwechsel werden teilweise Jahre im Voraus angekündigt.

Für Halberstadt verbindet sich damit ein ungewöhnlicher kultureller Standortvorteil. Die Stadt wird nicht nur mit ihrem Dom und ihrer historischen Altstadt, sondern auch mit einem der radikalsten Musikexperimente der Gegenwart verbunden.

Quellen

– Mitteldeutscher Rundfunk: „Im langsamsten Orgelstück der Welt erklingt der nächste Ton“, veröffentlicht am 6. August 2026
– John-Cage-Orgel-Stiftung Halberstadt: Informationen zur Aufführung „ORGAN²/ASLSP“ in der Burchardikirche

Themen: KulturHalberstadtMusikJohn CageBurchardi-KircheKlangwechselOrgelprojekt

Teilen

Lesen Sie als Nächstes

140 Pflegeplätze und 24 barrierefreie Wohnungen entstehen Neue Seniorenresidenz in Halberstadt schafft 110 Arbeitsplätze Die neue Seniorenresidenz in Halberstadt soll im April 2027 eröffnen. Rund 110 Arbeitsplätze entstehen in der Pflegeeinrichtung. Bei einem Baustellen-Event und einem Karrieretag informierten sich zahlreiche Interessierte über das nahezu fertiggestellte Haus und die Beschäftigungsmöglichkeiten.

Ihre Meinung

Schreiben Sie uns einen Leserbrief an leserbriefe@ostdeutsche-zeitung.de. Bitte mit vollständigem Namen und Anschrift; veröffentlicht werden nur Name und Wohnort.

Meistgelesen