Grevesmühlen. Nach jahrzehntelanger Vorbereitung beginnt in Grevesmühlen die Entwicklung eines neuen Wohnstandorts. Mit dem Spatenstich am Börzower Weg hat die Erschließung eines rund sieben Hektar großen Areals begonnen, auf dem künftig zwischen 300 und 400 Wohnungen sowie weitere Wohnangebote entstehen sollen.
Zentraler Bestandteil ist eine neue, etwa einen Kilometer lange Erschließungsstraße. Sie soll von der Bundesstraße auf Höhe des Umspannwerks bis zum Börzower Weg führen und künftig den Namen „Zur Malzfabrik“ tragen.
Die neue Verbindung erschließt nicht nur das künftige Wohngebiet, sondern schafft zugleich eine zusätzliche Verbindung zum Sitz der Kreisverwaltung.
Platz für bis zu viergeschossige Wohnhäuser
Entlang der neuen Straße sollen Bauflächen für bis zu viergeschossige Wohngebäude entstehen.
Vorgesehen sind Miet- und Eigentumswohnungen sowie besondere Wohnformen. Dazu können Seniorenpflegeheime, Tagespflegeeinrichtungen oder andere gemeinschaftliche Wohnangebote gehören.
Die Stadt geht davon aus, dass sich dort schrittweise ein neuer Stadtteil entwickeln wird.
Erschließung bis Mitte 2027
Die Erschließungsarbeiten sollen voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein.
Neben der Hauptstraße entstehen zwei Stichstraßen und neue Fußwege. Gleichzeitig werden Leitungen für Schmutz-, Trink- und Regenwasser verlegt.
Auch das Fernwärmenetz wird erweitert.
Nach den Planungen sollen sämtliche Gebäude im neuen Wohngebiet an die Fernwärme angeschlossen werden. Diese wird unter anderem aus Klärgas der örtlichen Kläranlage sowie aus Abwärme der Pyrolyseanlage im Gewerbepark Nordwest gespeist.
WOBAG plant erste 48 Wohnungen
Ein erster großer Investor steht bereits fest.
Die WOBAG will auf einer Fläche von gut einem Hektar neue Mietwohnungen errichten. Vorgesehen sind Gebäude in serieller Holzrahmenbauweise.
Der Baubeginn für die ersten beiden Häuser ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Beide Gebäude sollen jeweils 24 Wohnungen umfassen.
Allein für diesen ersten Bauabschnitt sind Kosten von rund 11 Millionen Euro veranschlagt.
Diakonie investiert rund 15 Millionen Euro
Auch die Diakonie NordNordOst plant ein umfangreiches Projekt auf dem Areal.
Sie will weitgehend alle Wohneinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem Landkreis an diesem Standort zusammenführen.
Dafür sind Investitionen von rund 15 Millionen Euro vorgesehen.
Mit weiteren Investoren führt die Stadt nach eigenen Angaben derzeit Kaufverhandlungen.
Grundstückspreis bei 130 Euro pro Quadratmeter
Die Stadtvertretung hat den Grundstückspreis für das Gebiet auf 130 Euro pro Quadratmeter festgelegt.
Ziel ist es, unterschiedliche Wohnformen zu ermöglichen und sowohl klassischen Mietwohnungsbau als auch besondere Wohnangebote anzusiedeln.
Damit soll das Areal nicht als reine Einfamilienhaussiedlung entstehen, sondern als gemischtes Quartier mit unterschiedlichen Zielgruppen.
Jahrzehntelange Planung
Die Entwicklung des Standorts reicht weit zurück.
Bereits seit den 1990er-Jahren ist das Areal im Flächennutzungsplan als künftiges Wohngebiet vorgesehen.
Die Umsetzung verzögerte sich jedoch über viele Jahre. Zunächst waren Verhandlungen mit den jeweiligen Betreibern des ehemaligen Getreidestandorts notwendig.
Später mussten unter anderem die alten Silos und ein Heizhaus aus DDR-Zeiten abgerissen werden.
Erst danach konnte die eigentliche Erschließung vorbereitet werden.
Rund sieben Millionen Euro aus der Stadtkasse
Nach Angaben der Stadt werden insgesamt etwa sieben Millionen Euro kommunale Mittel in das Projekt geflossen sein.
Bürgermeister Lars Prahler sieht den Beginn der Erschließung dennoch als wichtigen Schritt.
Er verweist auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Die Leerstandsquote in Grevesmühlen liege inzwischen bei unter zwei Prozent. Viele Anfragen nach Wohnraum könnten bereits heute nicht mehr bedient werden.
Zusätzlichen Bedarf erwartet die Stadt durch neue Unternehmensansiedlungen in Grevesmühlen, Upahl und Wismar.
Hohe Baukosten erschwerten Umsetzung
Die Entwicklung des Projekts war nach Angaben der Stadt lange wirtschaftlich schwierig.
Vor allem die stark gestiegenen Baukosten der vergangenen Jahre hätten die Umsetzung erheblich erschwert.
Bürgermeister Prahler verweist darauf, dass höhere Baukosten zwangsläufig auch höhere Mieten nach sich ziehen.
Geholfen hätten unter anderem die serielle Bauweise, der Fernwärmeanschluss und vergleichsweise günstige Ausschreibungsergebnisse.
Dadurch sei inzwischen absehbar, dass tatsächlich neuer Wohnraum entstehen könne.
Neuer Stadtteil nimmt Gestalt an
Mit dem Spatenstich beginnt damit die entscheidende Phase eines Projekts, das die Stadt über Jahrzehnte vorbereitet hat.
Aus einem früher industriell genutzten Areal soll in den kommenden Jahren ein neuer Wohnstandort mit mehreren hundert Wohnungen entstehen.
Für Grevesmühlen ist das Projekt zugleich eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach Wohnraum und auf die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.
Bild & Einordnung
Titelbild
Foto vom Spatenstich am Börzower Weg.
Alt-Text
Spatenstich für das neue Wohngebiet am Börzower Weg in Grevesmühlen, wo bis zu 400 Wohnungen entstehen sollen.
Bildbeschreibung
In Grevesmühlen beginnt die Erschließung eines neuen Wohngebiets am Börzower Weg. Auf rund sieben Hektar sollen bis zu 400 Wohnungen und weitere Wohnangebote entstehen.
Fotonachweis
Stadt Grevesmühlen