Thüringen will seine Abhängigkeit von internationalen Rohstofflieferungen verringern und gleichzeitig heimische Ressourcen nachhaltiger nutzen. Dafür arbeitet der Freistaat an einer eigenen Rohstoffstrategie, die wirtschaftliche Interessen, Versorgungssicherheit und Umweltschutz miteinander verbinden soll.

Geopolitische Spannungen, unterbrochene Lieferketten und die steigende Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen stellen Unternehmen zunehmend vor Herausforderungen. Besonders Industrieunternehmen sind darauf angewiesen, dass mineralische Rohstoffe dauerhaft und zu wettbewerbsfähigen Bedingungen verfügbar bleiben.

Die Landesregierung will deshalb gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Umweltschutz konkrete Handlungsfelder für Thüringen entwickeln. Ziel ist ein nachhaltiges, widerstandsfähiges und transparentes Rohstoffsystem.

Heimische Rohstoffe stärker berücksichtigen

Ein Schwerpunkt soll auf den in Thüringen vorhandenen Rohstoffvorkommen liegen. Diese werden unter anderem für die Bauwirtschaft, die Glas- und Keramikindustrie sowie weitere produzierende Branchen benötigt.

Die Nutzung heimischer Lagerstätten kann Transportwege verkürzen und die Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Ausland reduzieren. Gleichzeitig müssen Eingriffe in Natur und Landschaft, der Schutz des Grundwassers und die Interessen der betroffenen Kommunen berücksichtigt werden.

Die Strategie soll deshalb nicht allein auf eine stärkere Förderung von Rohstoffen ausgerichtet sein. Vielmehr geht es um einen ausgewogenen Umgang mit wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Interessen.

Recycling soll wichtiger werden

Neben der Gewinnung heimischer Rohstoffe spielt die Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle. Wertstoffe aus Gebäuden, Industrieanlagen und ausgedienten Produkten sollen nach Möglichkeit wiederverwendet oder aufbereitet werden.

Der stärkere Einsatz sogenannter Sekundärrohstoffe kann den Bedarf an neu gewonnenem Material reduzieren. Zugleich entstehen wirtschaftliche Chancen für Recyclingunternehmen, Forschungseinrichtungen und Betriebe, die neue Verfahren zur Wiederverwertung entwickeln.

Auch die Rohstoffstrategie des Bundes stützt sich auf die drei Säulen heimische Rohstoffe, Importe und Recycling. Thüringen will diese Ansätze auf die besonderen wirtschaftlichen und geologischen Bedingungen des Freistaats übertragen.

Industrie braucht verlässliche Lieferketten

Für viele Unternehmen ist die sichere Verfügbarkeit von Rohstoffen inzwischen eine zentrale Standortfrage. Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern können Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze gefährden.

Die Thüringer Strategie soll deshalb auch untersuchen, wie Lieferketten breiter aufgestellt und Risiken frühzeitig erkannt werden können. Forschung, Digitalisierung und bessere Daten über vorhandene Rohstoffvorkommen könnten dabei helfen.

Besonders wichtig ist das Thema für energieintensive Unternehmen, Baustoffhersteller und Industriebetriebe. Auch Zukunftstechnologien benötigen teilweise Rohstoffe, die bislang überwiegend aus wenigen Ländern importiert werden.

Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft

Die Landesregierung will die Rohstoffstrategie nicht allein innerhalb der Ministerien ausarbeiten. Unternehmen, Verbände, Forschungseinrichtungen, Kommunen und Umweltorganisationen sollen ihre Erfahrungen und Anforderungen einbringen.

Damit sollen mögliche Konflikte frühzeitig erkannt und tragfähige Lösungen entwickelt werden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie wirtschaftliche Versorgungssicherheit mit hohen Umweltstandards verbunden werden kann.

Die fertige Strategie soll dem Freistaat langfristige Leitlinien für Rohstoffgewinnung, Recycling, Forschung und Genehmigungsverfahren geben.

Quellen

Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten: „Thüringen entwickelt Rohstoffstrategie – gemeinsam für Versorgungssicherheit, Wirtschaftskraft und Umweltschutz“, veröffentlicht am 13. Juli 2026.

Thüringer Staatskanzlei: Veranstaltungsbericht „Rohstoffstrategie für Thüringen: gemeinsam für Versorgung, Wirtschaft und Umwelt“, veröffentlicht am 14. Juli 2026.

Thüringer Landesregierung: „Thüringenplan 2026“, Abschnitt zur Entwicklung eines nachhaltigen, widerstandsfähigen und transparenten Rohstoffsystems.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Rohstoffstrategie der Bundesregierung zur Sicherung einer nachhaltigen Versorgung mit nichtenergetischen mineralischen Rohstoffen.