Jiddische Kultur gehört zu den bedeutenden, aber vielfach vergessenen Teilen europäischer Geschichte. Am Sonntag widmet sich ein Vortrag in der Kleinen Synagoge Erfurt einem besonderen Aspekt: der Rolle von Frauen in der Geschichte des jiddischen Buches.

Die Veranstaltung beginnt am 9. August um 20 Uhr. Referentin ist Dr. Diana Matut. Der Vortrag gehört zum Programm des Yiddish Summer Weimar 2026.

Jiddisch war Alltagssprache von Millionen Menschen

Über Jahrhunderte war Jiddisch für jüdische Gemeinden in Mittel- und Osteuropa eine zentrale Alltagssprache.

Sie verbindet überwiegend deutsche sprachliche Grundlagen mit hebräischen, slawischen und weiteren Einflüssen.

Neben mündlicher Kultur entstand eine umfangreiche Literatur.

Frauen spielten besondere Rolle

Jiddische Bücher waren teilweise ausdrücklich an Leserinnen gerichtet.

Während religiöse Gelehrtensprache häufig Hebräisch blieb, bot jiddische Literatur vielen Frauen einen leichteren Zugang zu religiösen und weltlichen Texten.

Genau diese Verbindung von Sprache, Bildung und Geschlechterrollen steht im Mittelpunkt des Erfurter Vortrags.

Yiddish Summer reicht über Weimar hinaus

Obwohl das Festival Weimar im Namen trägt, finden einzelne Veranstaltungen auch außerhalb der Stadt statt.

Erfurt ist aufgrund seiner bedeutenden jüdischen Geschichte ein naheliegender Veranstaltungsort.

Die Stadt besitzt mit Alter Synagoge, Mikwe, Kleiner Synagoge und weiteren Zeugnissen ein außergewöhnliches jüdisches Kulturerbe.

Kleine Synagoge verbindet Geschichte und Gegenwart

Die Kleine Synagoge wurde im 19. Jahrhundert errichtet und wird heute kulturell genutzt.

Damit ist sie nicht nur historisches Denkmal, sondern auch ein Ort für aktuelle Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur.

Vorträge, Konzerte und Bildungsangebote bringen Themen zurück an einen Ort, an dem jüdisches Gemeindeleben tatsächlich stattgefunden hat.

Vortrag ergänzt UNESCO-Geschichte der Stadt

Erfurts mittelalterliches jüdisches Erbe besitzt inzwischen internationale Aufmerksamkeit.

Veranstaltungen zur jiddischen Sprache erweitern diesen Blick zeitlich erheblich.

Sie zeigen, dass jüdische Geschichte nicht mit dem Mittelalter endet, sondern über Jahrhunderte unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen entwickelt hat.

Quellen

Erfurt Tourismus: „Frauen und das jiddische Buch“, Veranstaltung am 9. August 2026

Yiddish Summer Weimar: Veranstaltungsprogramm 2026