Im Wasserwerk Einsiedel entsteht eine neue Filteranlage. Der Freistaat finanziert das Gesamtprojekt zur Hälfte, weil zunehmende Huminstoffe die Aufbereitung anspruchsvoller machen.
400.000 Menschen hängen am Wasserwerk Einsiedel
Das Wasserwerk Einsiedel gehört zu den zentralen Anlagen der Trinkwasserversorgung im Raum Chemnitz, in Mittelsachsen und im Erzgebirgskreis. Rund 400.000 Menschen werden über die Anlage mit Trinkwasser versorgt. Der Zweckverband Fernwasser Südsachsen bereitet dafür Rohwasser aus Trinkwassertalsperren auf und verteilt es über sein Fernwassersystem.
Nach Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft soll die neue Filteranlage die Versorgung widerstandsfähiger gegen veränderte Rohwasserbedingungen machen. Die Arbeiten in Einsiedel begannen bereits 2025 mit dem Aushub für die neue Filterhalle. Der Grundstein für die Anlage wurde am 11. Juni 2026 gelegt. Die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen.
Klimawandel verändert die Wasseraufbereitung
Auslöser für das Großprojekt sind zunehmende Einträge sogenannter Huminstoffe in die Zuflüsse der Trinkwassertalsperren. Starkregen und langanhaltend hohe Temperaturen können diese Entwicklung verstärken. Die Stoffeinträge lassen sich in den Einzugsgebieten nur begrenzt beeinflussen, weshalb die Wasserwerke ihre Aufbereitungstechnik anpassen müssen.
Damit werden Folgen des Klimawandels unmittelbar zu einer Aufgabe der öffentlichen Infrastruktur. Für Verbraucher bedeutet das zunächst keine Einschränkung. Die Trinkwasserversorgung soll während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten bleiben.
Neue Filteranlage erhöht die Kapazität
Das Wasser wird in Einsiedel künftig in zwei aufeinanderfolgenden Stufen aufbereitet. Damit soll die Anlage flexibler auf wechselnde Rohwasserqualitäten reagieren. Gleichzeitig steigt die Aufbereitungskapazität um rund 20.000 Kubikmeter pro Tag.
Nach der Fertigstellung in Einsiedel folgt das Wasserwerk Burkersdorf. Dort ist zwischen 2028 und 2030 der Neubau einer Grobaufbereitung geplant. Beide Maßnahmen gehören zum gemeinsamen Projekt zur huminstoffbedingten Ertüchtigung des Wasserwerksverbundes Burkersdorf/Einsiedel.
Sachsen trägt Hälfte der 60 Millionen Euro
Die Gesamtinvestition beträgt rund 60 Millionen Euro netto. Für die Erweiterung der Filteranlage in Einsiedel sind 46,3 Millionen Euro vorgesehen. Weitere rund 14 Millionen Euro fließen in das Wasserwerk Burkersdorf. Der Freistaat Sachsen übernimmt die Hälfte der Gesamtkosten.
Der Standort Einsiedel besitzt für die sächsische Wasserversorgung eine lange Geschichte. Bereits 1894 gingen dort die erste sächsische Trinkwassertalsperre und das zugehörige Wasserwerk in Betrieb. Heute bilden die Talsperren Neunzehnhain I und II, Einsiedel und Saidenbach das Talsperrensystem Mittleres Erzgebirge. Das Trinkwasser der Stadt Chemnitz stammt weiterhin vollständig aus Talsperren.
Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft