Chemnitz. Wo zwischen DAStietz, Zschopauer Straße und Innenstadt seit Jahren Gestrüpp aus einer ungenutzten Baugrube wächst, sollen ab Herbst wieder Baumaschinen arbeiten. Der Projektentwickler kündigt 143 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten an. Doch weil frühere Starttermine verstrichen, wird sich erst auf der Baustelle zeigen, ob das sogenannte Tietz-Loch diesmal tatsächlich verschwindet.

143 Wohnungen und sieben Gewerbeeinheiten geplant

Das neue Quartier trägt den Namen „Moritz am Park“. Nach Angaben des Projektträgers BPD Immobilienentwicklung soll zunächst ein Teil der großen Brachfläche bebaut werden. Vorgesehen sind Ein- bis Vierraumwohnungen sowie eine Tiefgarage.

Die bislang bekannten Projektdaten:

  • 143 Eigentumswohnungen
  • mehr als 10.000 Quadratmeter Wohnfläche
  • Wohnungen mit einem bis vier Zimmern
  • sieben Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss
  • eine Tiefgarage
  • Baubeginn voraussichtlich im Herbst 2026
  • Fertigstellung im Sommer 2029

Die Wohnungen sollen Größen von etwa 32 bis mehr als 120 Quadratmetern erhalten. Das Projekt ist Teil der geplanten Neuen Johannisvorstadt, mit der mehrere Wohn- und Geschäftshäuser die Lücke zwischen Innenstadt und angrenzenden Quartieren schließen sollen.

„Der Baustart wird nach aktuellem Stand im Herbst 2026 beginnen“, erklärte der Projektentwickler gegenüber regionalen Medien.

Für die Chemnitzer Innenstadt wäre der Neubau ein sichtbarer Einschnitt. Die Fläche liegt unmittelbar neben dem Kulturkaufhaus DAStietz und damit an einem Standort, den täglich Besucher, Anwohner und Verkehrsteilnehmer passieren.

Frühere Baustarts verstrichen ohne Ergebnis

Vorsicht ist dennoch angebracht. Der Projektstart wurde in den vergangenen Jahren mehrfach angekündigt. Ursprünglich war vom Frühjahr 2022 die Rede. Später folgten Termine im Herbst 2023 und im Frühjahr 2024. Nach früheren Planungen sollte das Vorhaben Ende 2025 bereits abgeschlossen sein.

Zwischenzeitlich begannen zwar erste Arbeiten auf dem Gelände. Die Stadt teilte jedoch mit, dass die Baumaßnahmen anschließend wieder unterbrochen wurden. Auf dem Grundstück wucherte erneut Vegetation, während alte Werbetafeln weiterhin einen längst vergangenen Baustart ankündigten.

Damit ist das Vorhaben zu einem Symbol für stockende Innenstadtprojekte geworden. Der Begriff „Tietz-Loch“ beschreibt nicht nur die sichtbare Baugrube, sondern auch die wachsende Skepsis gegenüber wiederholten Ankündigungen.

Entscheidend wird deshalb nicht ein weiterer Termin sein, sondern ob im Herbst tatsächlich dauerhaft gebaut wird. Für die rund zweieinhalbjährige Bauzeit benötigt der Investor stabile Finanzierung, ausführende Unternehmen und genügend Käufer für die geplanten Eigentumswohnungen.

Innenstadt gewinnt Wohnungen – aber kein günstiges Angebot

Grundsätzlich kann das Projekt die Chemnitzer Innenstadt beleben. Zusätzliche Bewohner bringen Nachfrage für Geschäfte, Gastronomie und Dienstleistungen. Die Gewerberäume im Erdgeschoss könnten zudem die Verbindung zwischen DAStietz und Zschopauer Straße stärken.

Offen bleibt allerdings, für wen die Wohnungen bezahlbar sein werden. Geplant sind Eigentumswohnungen, kein kommunaler oder ausdrücklich preisgebundener Mietwohnungsbau. Das Projekt schafft damit zwar neuen Wohnraum, richtet sich aber vor allem an Käufer und Kapitalanleger.

Auch für die übrigen Flächen der Neuen Johannisvorstadt ist die Entwicklung noch nicht vollständig abgeschlossen. Zum ursprünglichen städtebaulichen Konzept gehören weitere Wohn- und Geschäftshäuser sowie ein Hotelgebäude. Ob und wann diese Teile tatsächlich verwirklicht werden, bleibt abzuwarten.

Für Chemnitz geht es deshalb um mehr als das Zuschütten einer alten Baugrube. Die Stadt muss an dieser Stelle zeigen, ob eine jahrelange Brache zu einem funktionierenden Innenstadtquartier werden kann.

Sollte der angekündigte Baustart diesmal halten, wäre das „Tietz-Loch“ voraussichtlich im Sommer 2029 Geschichte. Bis dahin bleibt der Ort ein Prüfstein dafür, wie belastbar große Immobilienversprechen in der Chemnitzer Innenstadt tatsächlich sind.

Quellen und Datenbasis

  • Projektseite „Neue Johannisvorstadt“ der Hansa Real Estate: Wohnungsgrößen, Gesamtprojekt und vorgesehene Nutzungen.