Die Arbeitsplatzdynamik in den drei deutschen Braunkohlerevieren unterscheidet sich bislang weniger stark als erwartet. Das ifo Institut hat den Zeitraum von 1994 bis 2023 ausgewertet. Revierspezifische Besonderheiten treten nur in geringem Maß hervor, obwohl Lausitz, Mitteldeutsches und Rheinisches Revier sehr unterschiedlich sind.
Fast 30 Jahre Arbeitsmarkt unter der Lupe
Der Ökonom Daniel Meyer untersucht für ifo Dresden die Arbeitsplatzentwicklung im Lausitzer, Mitteldeutschen und Rheinischen Revier. Grundlage ist das Betriebs-Historik-Panel für die Jahre 1994 bis 2023.
Dabei betrachtet die Analyse nicht nur Arbeitslosenzahlen. Untersucht werden neu geschaffene und weggefallene Stellen in gegründeten, expandierenden, schrumpfenden und geschlossenen Betrieben.
Reviere folgen weitgehend größeren Trends
Das zentrale Ergebnis überrascht. Die Arbeitsplatzdynamik der Braunkohleregionen ordnet sich bislang weitgehend in die allgemeinen Entwicklungen Ost- beziehungsweise Westdeutschlands ein.
Spezifische Effekte einzelner Reviere treten nach der Untersuchung bisher nur begrenzt hervor. Damit lässt sich nicht jede Veränderung am regionalen Arbeitsmarkt unmittelbar auf Braunkohle oder Kohleausstieg zurückführen.
Lausitz und Mitteldeutsches Revier bleiben Sonderfälle
Für Ostdeutschland ist der Befund besonders relevant. Lausitz und Mitteldeutsches Revier durchliefen bereits nach 1990 massive wirtschaftliche Umbrüche und verloren einen erheblichen Teil ihrer traditionellen industriellen Beschäftigung.
Heute fließen erneut hohe Summen in Infrastruktur, Forschung, Industrieansiedlungen und öffentliche Einrichtungen. Die neue Analyse liefert deshalb einen wichtigen Ausgangspunkt für die Frage, ob die aktuellen Strukturhilfen tatsächlich zusätzliche Beschäftigungsdynamik schaffen.
Erfolg des Strukturwandels ist noch nicht entschieden
Die Daten reichen bis 2023. Viele große Projekte aus den Strukturstärkungsgesetzen befinden sich allerdings erst im Aufbau oder in der Umsetzung.
Das ifo Ergebnis ist deshalb keine abschließende Bewertung des Kohleausstiegs. Es zeigt vielmehr, dass regionale Arbeitsmärkte von deutlich mehr Faktoren geprägt werden als von einer einzelnen Industrie.
Gerade für die kommenden Jahre entsteht daraus eine entscheidende Frage: Entwickeln Lausitz und Mitteldeutsches Revier künftig eine eigene positive Dynamik oder folgen sie weiter hauptsächlich dem allgemeinen ostdeutschen Trend?
Quelle: ifo Institut Dresden