Das Ostseebad Boltenhagen sucht einen ehrenamtlichen Wirtschaftsförderer. Der neue Ansprechpartner soll als „Kümmerer“ die Verbindung zwischen örtlichen Unternehmen, Gemeindepolitik und Verwaltung verbessern.
Gerade in einem stark vom Tourismus geprägten Ort treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler, Vermieter und Freizeitanbieter sind auf funktionierende Verkehrswege, verlässliche Verwaltungsabläufe und eine attraktive touristische Infrastruktur angewiesen.
Unternehmen wünschen sich direkten Ansprechpartner
Nach den bislang veröffentlichten Informationen soll der ehrenamtliche Wirtschaftsförderer Anliegen aus der örtlichen Wirtschaft aufnehmen und an Politik beziehungsweise Verwaltung weitergeben. Hintergrund ist die Einschätzung, dass bislang eine ausreichend direkte Verbindung zwischen diesen Bereichen fehlt.
Damit könnte der neue Ansprechpartner beispielsweise Probleme bündeln, Gespräche vorbereiten und auf Themen aufmerksam machen, die mehrere Betriebe gleichzeitig betreffen.
Tourismus prägt nahezu die gesamte Wirtschaft
Die örtliche Wirtschaft hängt stark von Gästen und der saisonalen Auslastung ab. Entscheidungen über Veranstaltungen, Verkehrsführung, Parkplätze, Strandnutzung oder öffentliche Flächen wirken sich daher schnell auf viele Unternehmen aus.
Ein gemeinsamer Ansprechpartner könnte verhindern, dass einzelne Anliegen unabhängig voneinander an verschiedene Stellen herangetragen werden. Gleichzeitig müsste klar geregelt werden, welche Aufgaben tatsächlich übernommen werden und wo die Zuständigkeit der Gemeindeverwaltung beginnt.
Ehrenamt wirft Fragen nach Arbeitsumfang auf
Wirtschaftsförderung umfasst normalerweise anspruchsvolle Aufgaben: Unternehmensbetreuung, Standortmarketing, Fördermittelberatung, Gewerbeflächenentwicklung und die Vermittlung zwischen Betrieben und Behörden.
Ob diese Aufgaben vollständig oder nur teilweise ehrenamtlich bearbeitet werden sollen, geht aus den öffentlich auffindbaren Kurzangaben nicht hervor. Ebenso fehlen bislang belastbare Angaben zum zeitlichen Umfang, zur Amtsdauer und zu möglichen Entscheidungsrechten.
Unabhängigkeit muss gewährleistet bleiben
Da im Ostseebad unterschiedliche Branchen und zahlreiche wirtschaftliche Interessen vertreten sind, sollte der neue Ansprechpartner möglichst neutral arbeiten.
Wichtig wäre, dass nicht nur größere Tourismusbetriebe, sondern auch kleinere Geschäfte, Handwerker, Dienstleister und Selbstständige Gehör finden. Transparente Auswahlkriterien könnten dazu beitragen, Interessenkonflikte zu vermeiden.
Gemeinde muss Erwartungen eindeutig definieren
Ein ehrenamtlicher Wirtschaftsförderer kann Kontakte herstellen und Probleme sichtbar machen. Er kann jedoch keine Verwaltungsentscheidungen treffen oder professionelle Wirtschaftsförderung vollständig ersetzen.
Vor der Besetzung sollte deshalb geklärt werden:
- Welche Unternehmen darf der Beauftragte vertreten?
- Wie werden Anliegen dokumentiert?
- An wen berichtet er?
- Kann er an Ausschusssitzungen teilnehmen?
- Wie geht die Gemeinde mit seinen Vorschlägen um?
Chance für einen engeren Austausch
Richtig ausgestaltet könnte die neue Position den Dialog im Ort verbessern. Viele wirtschaftliche Fragen lassen sich schneller lösen, wenn Probleme frühzeitig erkannt und gemeinsam besprochen werden.
Entscheidend wird sein, ob der ehrenamtliche Ansprechpartner tatsächlich Zugang zu Politik und Verwaltung erhält und ob seine Tätigkeit mit klaren Zuständigkeiten verbunden wird.
Quellen
- Lübecker Nachrichten: Aktuelle Berichterstattung zur Suche nach einem ehrenamtlichen Wirtschaftsförderer in Boltenhagen.
- Lübecker Nachrichten: Themenübersicht zur geplanten Vermittlerfunktion zwischen Wirtschaft und Gemeindepolitik.