Früheres Engagement sorgt erneut für Diskussionen

Wenige Tage nach Bekanntwerden ihrer früheren Mitgliedschaft in der Roten Hilfe rücken weitere politische Stationen von Elif Eralp in den Mittelpunkt.

Die heutige Berliner Linken-Spitzenkandidatin gehörte 2019 zu den Erstunterzeichnerinnen des Gründungsmanifests von Links*Kanax. Auf ihrer eigenen Internetseite beschreibt Eralp, dass sie das Netzwerk gemeinsam mit Genossinnen und Freunden der Linken gegründet habe.

Links*Kanax verstand sich als bundesweites Netzwerk von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie weiteren Mitgliedern und Unterstützern der Linken.

Forderung nach „offenen Grenzen für alle Menschen“

Im Gründungsmanifest setzte sich das Netzwerk für eine offene Migrationspolitik, globale Bewegungsfreiheit und demokratischen Sozialismus ein.

Zu den konkreten Forderungen gehörten „offene Grenzen für alle Menschen“. Bundesländer mit linker Regierungsbeteiligung sollten nach dem damaligen Selbstverständnis zudem vorhandene Spielräume nutzen, um Abschiebungen zu verhindern und Bleiberechte durchzusetzen.

Das Netzwerk erklärte zugleich, Kapitalismus, Rassismus und postkoloniale Machtverhältnisse bekämpfen zu wollen.

Eralp hatte Positionen für offene Grenzen bereits zuvor öffentlich vertreten und darauf verwiesen, dass entsprechende Forderungen damals auch Bestandteil der Programmatik der Linken gewesen seien.

Weitere Erklärung aus dem Jahr 2020

Im Januar 2020 tauchte Eralps Name zudem unter einem politischen Strategietext auf, der sich mit einer „antirassistischen und migrantischen Klassenpartei“ beschäftigte.

Darin wurden unter anderem ein Bleiberecht für Migranten, ein erleichterter Zugang zur Einbürgerung und eine Legalisierung des Aufenthalts von Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus gefordert.

Der Text enthielt zugleich grundsätzliche Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem und formulierte das Ziel einer grundlegenden gesellschaftlichen Veränderung.

Solche Positionen gehörten damals zu Eralps politischer Arbeit innerhalb des linken Parteispektrums.

Rote Hilfe sorgt bereits für Kontroverse

Parallel wird weiterhin über Eralps frühere Mitgliedschaft in der Roten Hilfe diskutiert.

Nach Angaben der Berliner Linken trat sie während ihres Jurastudiums in den Verein ein und war anschließend über Jahre passives Mitglied. 2025 verließ sie die Organisation wegen politischer Differenzen.

Die Rote Hilfe versteht sich selbst als linke Solidaritätsorganisation, die Menschen bei strafrechtlicher Verfolgung im Zusammenhang mit politischem Engagement unterstützt.

Der Berliner Verfassungsschutz ordnet den Verein dagegen dem linksextremistischen Spektrum zu. Die Behörde weist zugleich darauf hin, dass allein aus einer Mitgliedschaft nicht automatisch auf persönliche verfassungsfeindliche Ziele geschlossen werden kann.

Politische Vergangenheit bekommt neues Gewicht

Die Debatte erhält zusätzliche Bedeutung durch die Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September.

Die Linke erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis 25,7 Prozent der Zweitstimmen und wurde damit stärkste Partei.

Damit stehen nicht nur aktuelle politische Forderungen Eralps im Fokus, sondern zunehmend auch Positionen und Netzwerke aus ihrer Zeit vor dem Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Entscheidend ist dabei die Frage, welche dieser früheren Forderungen sie heute noch vertritt und an welchen Punkten sich ihre politischen Positionen inzwischen verändert haben.