Die frühere „Erlebniswelt Tier und Natur“ im Volkspark Jungfernheide bekommt einen neuen Träger. Der Landschaftspflegeverband Spandau übernimmt künftig die Liegenschaft am Heckerdamm 274. Bezirksstadtrat Simon Hertel und Verbandsgeschäftsführer Thomas Hartl unterzeichneten den Nutzungsvertrag am 30. Juli 2026 im Rathaus Charlottenburg. Nach notwendigen Sanierungsarbeiten soll dort ein pädagogisches Natur- und Umweltbildungsangebot für Kinder und Jugendliche entstehen. Einen konkreten Eröffnungstermin oder Angaben zu den Kosten nannte das Bezirksamt bislang nicht.
Vertrag mit neuem Träger ist unterzeichnet
Der Vertragsabschluss beendet zunächst die Unsicherheit über die weitere Nutzung des Standorts. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte im Frühjahr nach einem geeigneten Träger gesucht. Interessierte Organisationen konnten Konzepte für die künftige Arbeit auf dem Gelände einreichen.
Gefordert war ein pädagogisches Angebot, das Umwelt- und Naturkunde verständlich vermittelt und sich besonders an Kinder und Jugendliche richtet. Der künftige Betreiber sollte nicht lediglich vorhandene Flächen verwalten, sondern ein tragfähiges Konzept für Bildung, Begegnung und Naturerfahrung vorlegen.
Mit dem Landschaftspflegeverband Spandau erhält das Gelände nun einen Träger, der bereits in der Landschaftspflege und Umweltbildung tätig ist. Welche anderen Bewerber es gab und nach welchen Kriterien die Auswahl im Einzelnen getroffen wurde, legte das Bezirksamt in seiner Mitteilung nicht dar.
Interaktive Begegnungen mit Tieren und Natur vorgesehen
Nach den bisherigen Angaben sollen auf dem Gelände Naturverbundenheit, ökologisches Wissen und Gemeinschaftssinn gefördert werden. Vorgesehen sind interaktive Begegnungen mit Tieren und Natur.
Damit deutet sich eine Weiterentwicklung des früheren Angebots an. Entscheidend wird sein, ob die neue Einrichtung dauerhaft pädagogisch betreut wird und ob Schulen, Kitas, Jugendfreizeiteinrichtungen und Familien die Angebote regelmäßig nutzen können.
Noch offen ist, welche Tierarten künftig gehalten werden und wie groß die Tierhaltung ausfallen soll. Auch zu Eintrittspreisen, Öffnungszeiten, Personalbedarf und konkreten Bildungsprogrammen liegen bislang keine öffentlichen Angaben vor.
Sanierung muss vor der Öffnung erfolgen
Bevor das neue Angebot beginnen kann, sind Sanierungsarbeiten auf der Liegenschaft notwendig. Das Bezirksamt teilte jedoch weder mit, welche Gebäude oder Anlagen betroffen sind, noch wie umfangreich die Arbeiten ausfallen.
Unklar sind deshalb auch die Kosten. Ebenso wurde nicht veröffentlicht, ob der Bezirk, der neue Träger, Förderprogramme oder private Spender die Sanierung finanzieren sollen.
Für die weitere Planung ist diese Frage wesentlich. Tiergehege, pädagogische Räume, Sanitäranlagen, Zäune und technische Einrichtungen müssen nicht nur funktionsfähig, sondern auch sicher und möglichst barrierefrei sein. Werden dort regelmäßig Kindergruppen betreut, sind außerdem klare Anforderungen an Brandschutz, Hygiene und Aufsicht zu erfüllen.
Der Standort liegt in einem bedeutenden Volkspark
Der Volkspark Jungfernheide gehört zu den großen historischen Parkanlagen im Berliner Westen. Er verbindet Grünflächen, Sport-, Freizeit- und Erholungsangebote.
Die Grundidee solcher Volksparks bestand darin, Natur, Bewegung und Bildung auch Menschen zugänglich zu machen, die keinen eigenen Garten oder regelmäßigen Zugang zu ländlichen Räumen hatten. Ein pädagogisches Naturangebot passt deshalb grundsätzlich zur Geschichte und Funktion des Parks.
Für Familien aus Charlottenburg-Nord und den angrenzenden Ortsteilen könnte die Einrichtung ein wohnortnahes Freizeit- und Bildungsangebot schaffen. Auch die Nähe zu Wohngebieten, Schulen und weiteren Parkangeboten spricht für den Standort.
Umweltbildung gewinnt in der Großstadt an Bedeutung
Viele Kinder erleben Natur heute vor allem in Parks, Schulgärten oder organisierten Projekten. Eine Einrichtung mit Tieren, Pflanzen und praktischen Lernangeboten kann ökologische Zusammenhänge unmittelbarer vermitteln als ein Unterricht ausschließlich im Klassenraum.
Dazu gehören Fragen wie artgerechte Tierhaltung, heimische Pflanzen, Insekten- und Vogelschutz, Bodenpflege, Wasserhaushalt und der Umgang mit Abfällen. Ebenso wichtig ist, dass Kinder lernen, welche Verantwortung Menschen für Tiere und gemeinsam genutzte Grünflächen tragen.
Das Angebot sollte dabei nicht bei einzelnen Aktionstagen stehen bleiben. Sinnvoll wären feste Kooperationen mit Schulen, Kitas und Jugendgruppen sowie wiederkehrende Kurse, Ferienprogramme und offene Familientage.
Transparenz über Kosten und Zeitplan bleibt notwendig
Die Entscheidung für einen neuen Betreiber ist ein wichtiger Schritt. Für Bürger bleiben jedoch zentrale Fragen unbeantwortet.
Der Bezirk sollte zeitnah mitteilen, welche Sanierungsarbeiten konkret geplant sind, wie hoch die Kosten voraussichtlich ausfallen und wann mit einer Öffnung gerechnet werden kann. Auch die Laufzeit des Nutzungsvertrages und die Aufgabenverteilung zwischen Bezirk und Verband wären für eine nachvollziehbare Bewertung wichtig.
Gerade bei öffentlichen Liegenschaften muss erkennbar bleiben, welche Leistungen der Betreiber erbringt und welche Ausgaben der öffentliche Haushalt übernimmt.
Chance für einen dauerhaften Lern- und Begegnungsort
Gelingt die Sanierung, kann aus dem bislang ungenutzten oder eingeschränkt nutzbaren Gelände wieder ein lebendiger Ort entstehen.
Dafür braucht es ein Angebot, das Tierwohl, pädagogische Qualität und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbindet. Ein kurzfristiges Projekt ohne gesicherte Finanzierung würde dem Standort nicht helfen.
Der neue Vertrag schafft nun die Grundlage. Ob daraus ein dauerhaft attraktiver Lernort für den Berliner Westen wird, hängt von der konkreten Umsetzung und einer verlässlichen Finanzierung ab.
Quellen
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: „Neuer Träger für ehemalige ‚Erlebniswelt Tier und Natur‘ im Volkspark Jungfernheide gefunden“, veröffentlicht am 31. Juli 2026.
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Ausschreibung eines Trägers für die ehemalige „Erlebniswelt Tier und Natur“, veröffentlicht im Frühjahr 2026.
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Informationen zur Geschichte und heutigen Nutzung des Volksparks Jungfernheide, abgerufen am 1. August 2026.