Eine akute Asbestbelastung hat in der High-Deck-Siedlung in Berlin-Neukölln zur kurzfristigen Räumung von rund 100 Wohnungen geführt. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge brachte die betroffenen Bewohner vorübergehend in Hotels und Apartments unter. Wann sie in ihre Wohnungen zurückkehren können, steht bislang nicht fest.

Asbest bei Sanierungsarbeiten festgestellt

Entdeckt wurde die Belastung nach Angaben der Howoge während laufender Sanierungsarbeiten in den Gebäuden Michael-Bohnen-Ring 12, 14 und 16. Betroffen waren zunächst Bereiche in einem Hausflur. Das Unternehmen veranlasste anschließend weitere Schadstoffmessungen in Wohnungen und gemeinschaftlich genutzten Flächen.

Die Räumung erfolgte kurzfristig. Bewohner berichteten, dass sie am Abend aufgefordert worden seien, die Gebäude zu verlassen und persönliche Gegenstände zusammenzupacken. Kleinbusse brachten einen Teil der Betroffenen zu verschiedenen Unterkünften.

Die Howoge erklärte, für die Bewohner seien Hotelzimmer und Apartments organisiert worden. Die Unterkünfte befinden sich jedoch teilweise weit entfernt von der High-Deck-Siedlung. Dadurch verlängern sich für einzelne Mieter die Wege zur Arbeit, zur Schule oder zu sozialen Einrichtungen.

Drei Gebäude umfassen insgesamt 241 Wohnungen

Die drei miteinander verbundenen Häuser verfügen nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaft über insgesamt 241 Wohnungen. Ein Teil davon war wegen der laufenden Modernisierung bereits nicht mehr bewohnt oder den Mietern waren zuvor Ersatzwohnungen angeboten worden.

Von der aktuellen Räumung betroffen sind nach bisherigen Angaben rund 100 bewohnte Wohnungen. Die Howoge will zunächst die Ergebnisse der zusätzlichen Untersuchungen abwarten. Erst danach kann entschieden werden, welche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen notwendig sind.

Asbest wurde über viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Baustoffen verwendet. Gefährlich wird das Material insbesondere dann, wenn bei Arbeiten Fasern freigesetzt werden. Bei Sanierungen gelten deshalb strenge Schutz-, Prüf- und Entsorgungsvorschriften.

Mieterinitiative kritisiert Zustand der Häuser

Die Räumung erfolgte nur einen Tag, nachdem eine Mieterinitiative der Howoge einen Brandbrief übergeben hatte. Das Schreiben soll von mehr als 1.000 Mietern unterzeichnet worden sein. Darin werden unter anderem Schimmel, defekte Fenster und Probleme mit Heizungen beklagt.

Vertreter der Initiative kritisieren außerdem die Organisation der Räumung. Nach ihrer Darstellung sei die mögliche Asbestbelastung bereits seit längerer Zeit bekannt gewesen. Sie werfen den Verantwortlichen vor, nicht ausreichend und zu spät über die Risiken informiert zu haben.

Die Howoge weist darauf hin, dass sie die High-Deck-Siedlung erst 2022 übernommen habe. Die Gebäude hätten sich damals in einem Zustand mit erheblichem Instandhaltungs- und Sanierungsbedarf befunden. Seit der Übernahme werde schrittweise an der Modernisierung gearbeitet.

Rückkehrtermin bleibt offen

Für die Bewohner bedeutet die Situation zunächst große Unsicherheit. Neben der gesundheitlichen Sorge müssen viele Betroffene ihren Alltag aus provisorischen Unterkünften organisieren. Besonders schwierig ist dies für Familien, ältere Menschen und Mieter, die auf Hilfe in ihrem gewohnten Wohnumfeld angewiesen sind.

Ein Termin für die Rückkehr wurde bislang nicht genannt. Entscheidend sind die Ergebnisse der Schadstoffmessungen und die Frage, welche Gebäudebereiche gesichert oder fachgerecht saniert werden müssen.

Die High-Deck-Siedlung gehört zu den bekanntesten großen Wohnanlagen Berlins. Die aktuellen Probleme dürften deshalb auch die Diskussion über den Sanierungszustand landeseigener Wohnungen verstärken. Neben einer schnellen Unterbringung der Betroffenen wird es nun vor allem auf eine nachvollziehbare Aufklärung und einen verlässlichen Zeitplan ankommen.

Quellen

Howoge Wohnungsbaugesellschaft, Stellungnahme zur High-Deck-Siedlung; Bericht zur Räumung wegen Asbestbelastung, 10. September 2026