Die Alte Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel erweitert ihre aktuelle Sonderausstellung über Paul Cassirer um eine dreiteilige Veranstaltungsreihe. Unter dem Titel „Das Universum Cassirer“ beginnen am Mittwoch, dem 12. August 2026, kostenfreie Vorträge und Podiumsgespräche über den Kunsthändler, seine Künstler, die Forschung zu seinem Kunstsalon und bislang weniger beachtete Frauen der Moderne. Auch der Besuch der Sonderausstellung ist an den Veranstaltungstagen zwischen 18 und 19 Uhr kostenfrei möglich.
Paul Cassirer spielte Schlüsselrolle für die Moderne
Die Sonderausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ ist noch bis zum 27. September 2026 in der Alten Nationalgalerie zu sehen.
Im Mittelpunkt steht Paul Cassirer, der von 1871 bis 1926 lebte und als Kunsthändler, Verleger und Vermittler der Moderne erheblichen Einfluss auf das deutsche Kunstleben seiner Zeit hatte.
Die Ausstellung stützt sich auf umfangreiche Forschungen zur Geschichte des Kunstsalons Cassirer. Dieser entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einer wichtigen Adresse für moderne europäische Kunst und trug zur Bekanntheit neuer künstlerischer Strömungen in Deutschland bei.
Das begleitende Veranstaltungsprogramm soll einzelne Aspekte dieser Geschichte vertiefen und zugleich Einblicke in aktuelle Forschungsfragen geben.
Auftakt widmet sich aktueller Cassirer-Forschung
Die erste Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 12. August, um 19 Uhr statt.
Unter der Überschrift „Hinter den Kulissen der Forschung – Paul Cassirer als Unterstützer der Avantgarden“ diskutieren Bernhard Echte, Anette Hüsch und Josephine Klinger miteinander.
Bernhard Echte veröffentlichte gemeinsam mit Walter Feilchenfeldt die Geschichte der Ausstellungen des Kunstsalons Cassirer von 1898 bis 1914 in sechs Bänden. Dieses Werk bildet eine wichtige Grundlage für die Erforschung der Galerie und ihrer Rolle innerhalb der europäischen Moderne.
Aktuell arbeitet Echte an einer Fortführung dieser Forschungen bis zum Jahr 1933.
Neue Quellen können weitere Erkenntnisse liefern
Im Gespräch mit Anette Hüsch, Direktorin der Alten Nationalgalerie, und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Ausstellungskuratorin Josephine Klinger soll es unter anderem darum gehen, wie bislang unbekannte oder wenig genutzte Quellen erschlossen werden.
Diskutiert werden soll auch, welche neuen Erkenntnisse daraus entstehen und wie aktuelle Forschungsergebnisse bereits in die laufende Ausstellung eingeflossen sind.
Darüber hinaus richtet sich der Blick auf die Entwicklung des Kunstbetriebs nach dem Ersten Weltkrieg.
Damit geht die Veranstaltung bewusst über den Zeitraum hinaus, der im Zentrum vieler bisheriger Forschungen zum Kunstsalon Cassirer stand.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.
Tilla Durieux und Paul Cassirer auf Reisen
Der zweite Abend ist für Mittwoch, den 2. September, um 19 Uhr vorgesehen.
Daniela Gregori spricht dann unter dem Titel „Wir stiegen wie immer im Hotel Mirabeau ab… – Unterwegs mit Tilla Durieux und Paul Cassirer“.
Im Mittelpunkt stehen die Reisen des Ehepaares. Während Berlin von beruflichem Alltag und gesellschaftlichen Verpflichtungen geprägt war, verbrachten Cassirer und die Schauspielerin Tilla Durieux regelmäßig Zeit außerhalb der Hauptstadt.
Besonders die jährlichen Sommeraufenthalte in Holland spielten dabei eine Rolle.
Mehrere dieser Reisen stehen zugleich im Zusammenhang mit Porträts von Durieux, die zu den besonders häufig dargestellten Frauen ihrer Zeit gehörte.
Neue Biografie über Tilla Durieux erscheint 2027
Daniela Gregori beschäftigt sich seit längerem intensiv mit der Schauspielerin.
Sie studierte Kunstgeschichte in Wien und Hamburg und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Kuratorin. Im Jahr 2022 kuratierte sie für das Leopold Museum in Wien die Ausstellung „Tilla Durieux. Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen“.
2023 wurde diese Schau in Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum auch in Berlin gezeigt.
Gregori arbeitet zudem an einer Biografie über Tilla Durieux, die im ersten Halbjahr 2027 erscheinen soll.
Auch dieser Vortrag ist kostenfrei zugänglich und erfordert keine Anmeldung.
Künstlerinnen im Kunstsalon Cassirer
Der dritte Termin am Mittwoch, dem 16. September, widmet sich einem anderen Aspekt des Kunstbetriebs.
Franziska Lietzmann spricht ab 19 Uhr über Künstlerinnen im Kunstsalon Cassirer.
Frauen waren im Ausstellungsprogramm der Kunst- und Verlagsanstalt im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen deutlich unterrepräsentiert.
Einige der damals vertretenen Künstlerinnen gehören heute fest zum kunsthistorischen Kanon. Dazu zählen Berthe Morisot, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker und Gabriele Münter.
Andere Künstlerinnen sind heute dagegen kaum noch bekannt oder weitgehend vergessen.
Vortrag fragt nach Sichtbarkeit von Frauen im Kunstbetrieb
Lietzmann will untersuchen, wie Künstlerinnen im Kunstsalon Cassirer wahrgenommen wurden, welche Möglichkeiten zur Präsentation ihrer Arbeiten bestanden und wie sich ihre Karrieren anschließend entwickelten.
Die Referentin studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistische Literaturwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Seit 2009 arbeitet sie für unterschiedliche Museen und Kunstinstitutionen. Zu ihren bisherigen Stationen gehören die Fotografische Sammlung Schloss Kummerow, der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und die Alte Nationalgalerie.
Lietzmann ist zudem Co-Kuratorin der laufenden Cassirer-Ausstellung.
Ausstellung vor den Veranstaltungen kostenlos besuchen
Alle drei Veranstaltungen beginnen jeweils um 19 Uhr und finden in deutscher Sprache statt.
Für die Teilnahme werden weder Eintritt noch vorherige Anmeldung verlangt.
Zusätzlich ermöglicht die Alte Nationalgalerie an den jeweiligen Veranstaltungstagen zwischen 18 und 19 Uhr einen kostenfreien Besuch der Sonderausstellung.
Damit können Besucher zunächst die ausgestellten Werke und Dokumente betrachten und anschließend einzelne Themen im Vortrag oder Gespräch vertiefen.
Die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel ist regulär von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ läuft noch bis zum 27. September.
Quellen
Staatliche Museen zu Berlin – Alte Nationalgalerie – Pressemitteilung „Das Universum Cassirer – Veranstaltungsprogramm startet am 12. August 2026“
Staatliche Museen zu Berlin – Sonderausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“