Verfallene Gebäude, alte Versorgungsleitungen und zunehmend gefährliche Ruinen: Das frühere Militärgelände im Süden Zittaus bleibt eines der größten städtebaulichen Probleme der Stadt. In einer Sondersitzung soll der Technische und Vergabeausschuss am heutigen Donnerstag den Abriss des Gebäudes Pistoiaer Weg 5 auf den Weg bringen. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei 2,015 Millionen Euro.

Abriss soll 2027 abgeschlossen werden

Das ehemalige Militärgelände besteht nach Angaben der Stadt aus zahlreichen Gebäuden, Straßen, Plätzen und technischen Versorgungsanlagen. Nach dem Ende der militärischen Nutzung blieb ein weitläufiges Areal zurück, das die Verwaltung in der Beschlussvorlage als eine beinahe eigenständige „Stadt in der Stadt“ beschreibt. Viele Gebäude gelten inzwischen als baulicher Missstand oder mögliche Gefahrenquelle.

Bereits abgebrochen wurden die Gebäude Villingenring 2 und 4 sowie Pistoiaer Weg 2. Weitere Schritte sind vorbereitet:

  • Der Abriss am Villingenring 5 soll im August 2026 beginnen.
  • Das Gebäude soll möglichst bis Ende 2026 verschwunden sein.
  • Für den Villingenring 6 laufen noch Genehmigungsverfahren.
  • Der Abriss des Pistoiaer Weges 5 soll bis 2027 abgeschlossen werden.

Für das Gebäude Pistoiaer Weg 5 rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von 2.015.000 Euro. Davon sollen 90 Prozent über das Landesprogramm zur Brachflächenrevitalisierung und Brachenberäumung finanziert werden. Der rechnerische kommunale Anteil läge damit bei rund 201.500 Euro, sofern die Förderung vollständig abgerufen werden kann.

„Das Areal stellt heute als nahezu kleine Stadt in der Stadt für sich ein herausforderndes Erbe für Zittau dar.“

Mit dieser Formulierung begründet die Verwaltung den schrittweisen Rückbau. Ziel sei eine spätere Nutzung oder Renaturierung der frei werdenden Flächen. Eine konkrete Folgenutzung für das gesamte Gelände benennt die Vorlage allerdings noch nicht.

Villingenring 5 wird deutlich günstiger als berechnet

Parallel soll der Ausschuss den Auftrag für den Abriss des Gebäudes Villingenring 5 vergeben. Fünf Firmen hatten zunächst Interesse an der Ausschreibung gezeigt, zwei Unternehmen reichten schließlich ein Angebot ein.

Die Preisunterschiede fallen erheblich aus:

  • günstigstes Angebot: 184.723,70 Euro
  • zweites Angebot: 463.888,06 Euro
  • ursprüngliche Kostenberechnung: 324.752,50 Euro

Den Zuschlag soll nach dem Vorschlag der Verwaltung die Zittauer URB GmbH erhalten. Die Arbeiten sind für den Zeitraum vom 17. August 2026 bis zum 29. Januar 2027 vorgesehen. Auch dieses Projekt wird zu 90 Prozent aus dem Landesprogramm zur Brachflächenrevitalisierung gefördert.

Der ungewöhnlich große Abstand zwischen den beiden Angeboten wirft dennoch Fragen auf. Zwar erklärt die Verwaltung das günstigste Angebot nach Prüfung für fachlich und wirtschaftlich geeignet. Bei einem Preisunterschied von mehr als 279.000 Euro bleibt aber von öffentlichem Interesse, wie unterschiedlich die Unternehmen Leistungsumfang, Entsorgung und mögliche Risiken kalkuliert haben.

Besonders bei älteren Militärgebäuden können Schadstoffe, Leitungen oder unerwartete bauliche Probleme zusätzliche Kosten verursachen. Ob die Auftragssumme bis zum Abschluss stabil bleibt, wird sich daher erst während der Arbeiten zeigen.

Hochwaldstraße soll für 144.017 Euro saniert werden

Neben den Abrissprojekten steht die Hochwaldstraße auf der Tagesordnung. Der Abschnitt zwischen der Bundesstraße 96 und dem Külzufer gilt wegen der starken Nutzung als deutlich abgenutzt. Die Stadt will die Asphaltdeckschicht erneuern.

Drei Angebote gingen ein:

  • 144.017,00 Euro
  • 152.273,42 Euro
  • 180.774,70 Euro

Die Kostenberechnung lag zuvor bei 179.098,19 Euro. Das günstigste Angebot liegt damit rund 24 Prozent unter der ursprünglichen Kalkulation. Den Auftrag soll die STL Bau GmbH & Co. KG aus Löbau erhalten. Die Finanzierung erfolgt nach Angaben der Stadt über den Straßenlastenausgleich.

Die Verwaltung führte wegen des niedrigen Preises ein Aufklärungsgespräch mit dem Unternehmen. Dabei habe der Bieter bestätigt, dass die angebotenen Einheitspreise auskömmlich kalkuliert seien. Fachliche oder wirtschaftliche Bedenken bestünden laut Vorlage nicht.

Kleine Förderung für ein Zittauer Unternehmen

Ein vierter Tagesordnungspunkt betrifft eine Förderung für das Dentallabor Antje Belger in der Mittelstraße. Das Unternehmen plant eine Photovoltaikanlage auf einem Carport, einen Batteriespeicher und eine Ladestation für betriebseigene Fahrzeuge.

Die Investitionssumme beträgt 14.801,92 Euro. Die Stadt soll davon über das EFRE-Programm bis zu 5.920,77 Euro übernehmen. Das entspricht dem maximal möglichen Fördersatz von 40 Prozent.

Mit der Investition sollen künftig elektrische Botenfahrzeuge geladen sowie Energieverbrauch und laufende Kosten gesenkt werden. Nach Angaben der Verwaltung sind die Mittel verfügbar; die abschließenden Stellungnahmen von Stadtplanung, Bauaufsicht und Stadtentwicklungsgesellschaft sollten bis zur Sitzung vorliegen.

Millionen für Abriss – Folgenutzung bleibt entscheidend

Die vier Beschlüsse zeigen, wie unterschiedlich die Aufgaben des Ausschusses sind: Eine Straße muss erneuert, ein kleiner Betrieb unterstützt und ein ehemaliges Militärgelände Stück für Stück zurückgebaut werden.

Allein die bisher bezifferten Vorhaben der Sondersitzung erreichen ein Volumen von deutlich mehr als zwei Millionen Euro. Der größte Teil stammt aus Förderprogrammen. Dennoch entstehen für die Stadt eigene Kosten und langfristige Verantwortung für die geräumten Flächen.

Der Abriss beseitigt Gefahren und schafft Platz. Er beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage: Was soll auf dem weitläufigen ehemaligen Militärgelände dauerhaft entstehen?

Ohne ein tragfähiges Nutzungskonzept droht aus einer bebauten Brache lediglich eine freie Brache zu werden. Die Stadt spricht von Folgenutzung und Renaturierung. Welche Bereiche künftig bebaut, begrünt, verkauft oder wirtschaftlich genutzt werden sollen, muss jedoch noch konkretisiert werden.

Die Sondersitzung beginnt am 30. Juli 2026 um 17 Uhr im Ratssaal des Zittauer Rathauses. Sämtliche vier Sachentscheidungen stehen im öffentlichen Teil der Tagesordnung.

Quellen und Datenbasis

  • Stadt Zittau, Bürgerinformationsportal: Tagesordnung der Sondersitzung des Technischen und Vergabeausschusses vom 30. Juli 2026.
  • Stadt Zittau, Beschlussvorlage 365/2026: Abriss Pistoiaer Weg 5 und Revitalisierung des ehemaligen Militärgeländes.
  • Stadt Zittau, Beschlussvorlagen 364/2026 und 360/2026: Abriss Villingenring 5 und Deckensanierung der Hochwaldstraße.