Fast sieben Monate des Haushaltsjahres sind vergangen, bevor Stralsund seinen Etat vollständig umsetzen kann. Mit der Veröffentlichung der Haushaltssatzung ist der Weg für Bauvorhaben an Schulen, Sportstätten und Kultureinrichtungen frei. Doch die Genehmigung ist keine finanzielle Entwarnung: Die Stadt plant mit einem hohen Fehlbetrag und muss einen Teil ihrer Investitionen über neue Kredite finanzieren.

STRALSUND. Seit dem 24. Juli 2026 ist der städtische Haushalt rechtswirksam. Grundlage sind der Beschluss der Bürgerschaft vom 29. Januar, ein Ergänzungsbeschluss vom 23. April und die anschließende Entscheidung der Rechtsaufsicht. Erst mit der öffentlichen Bekanntmachung können die vorgesehenen Mittel regulär bewirtschaftet und neue Aufträge ausgelöst werden.

Die Stadt selbst nennt den Bau des Funktionsgebäudes am Stadion Kupfermühle als eines der Projekte, die nun umgesetzt werden können.

„Damit ist der Haushalt für dieses Jahr genehmigt.“

Hinter dieser knappen Mitteilung steht ein Investitionsprogramm von erheblicher Größe – aber auch ein Etat, dessen laufende Einnahmen die geplanten Ausgaben nicht decken.

Knapp 48,6 Millionen Euro für Investitionen

Der Finanzhaushalt sieht 2026 insgesamt rund 48,57 Millionen Euro an Investitionsauszahlungen vor. Dem stehen etwa 32,8 Millionen Euro an Investitionseinnahmen gegenüber, etwa aus Fördermitteln, Beiträgen oder Zuschüssen. Die verbleibende Lücke von rund 15,77 Millionen Euro soll vollständig durch neue Investitionskredite gedeckt werden.

Zu den größeren Vorhaben gehören:

  • 4,5 Millionen Euro für den Ersatzneubau der Sporthalle an der Grundschule Hermann Burmeister,
  • 3,08 Millionen Euro für den Neubau der Förderschule Astrid Lindgren,
  • 2,7 Millionen Euro für das Funktionsgebäude am Stadion Kupfermühle,
  • 2 Millionen Euro für ein neues Hortgebäude an der Grundschule Hermann Burmeister,
  • 765.000 Euro für die Inspizientenanlage des Theaters,
  • 502.000 Euro als zusätzlicher städtischer Eigenanteil an der Sanierung des Stralsund Museums,
  • 500.000 Euro für Fachkabinette an der Integrierten Gesamtschule Grünthal.

Die Beträge sind die für 2026 vorgesehenen Auszahlungen und nicht immer die Gesamtkosten eines Projekts. Das Funktionsgebäude Kupfermühle ist beispielsweise mit einem Gesamtbedarf von 4,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Fertigstellung ist laut Haushaltsplan für 2027 vorgesehen. Für den Neubau der Astrid-Lindgren-Schule werden insgesamt rund 9,73 Millionen Euro angesetzt.

Damit liegt ein klarer Schwerpunkt auf der Erneuerung bestehender öffentlicher Infrastruktur. Die Stadt erklärt im Haushaltsplan ausdrücklich, vorrangig in Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen, Verwaltungsgebäude sowie Straßen und Radwege zu investieren.

Der Haushalt startet mit einem Millionenminus

Die Investitionen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ergebnishaushalt unausgeglichen ist. Stralsund plant 2026 mit:

  • 156,94 Millionen Euro Erträgen,
  • 180,65 Millionen Euro Aufwendungen,
  • einem Jahresfehlbetrag von zunächst rund 23,72 Millionen Euro,
  • beziehungsweise 15,69 Millionen Euro nach Einbeziehung der Rücklagen.

Auch bei den laufenden Ein- und Auszahlungen klafft eine deutliche Lücke. Den geplanten laufenden Einzahlungen von etwa 144,47 Millionen Euro stehen Auszahlungen von rund 169,75 Millionen Euro gegenüber. Der jahresbezogene Saldo liegt damit bei minus 25,28 Millionen Euro.

Der Höchstbetrag möglicher Kassenkredite wurde auf 20 Millionen Euro festgesetzt. Solche Kredite dienen der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit und sind nicht mit langfristigen Investitionsdarlehen gleichzusetzen. Ihre Höhe zeigt jedoch, dass der laufende Haushalt unter erheblichem Druck steht.

Oberbürgermeister Alexander Badrow darf zudem Ausgaben mit Sperrvermerken versehen oder zusätzliche Ausgabenbeschränkungen verhängen. Laut Haushaltssatzung kann dies notwendig werden, um eine gleichmäßige Mittelverteilung sicherzustellen, Kassenkredite zu begrenzen oder die Haushaltskonsolidierung einzuhalten. Die bloße Aufnahme eines Projekts in den Etat garantiert daher noch nicht, dass sämtliche Mittel sofort ausgegeben werden.

Steigende Baukosten gefährden Zeitpläne

Der städtische Haushaltsplan benennt selbst ein wesentliches Risiko: Baupreise und Ausschreibungsergebnisse lassen sich weiterhin nur schwer kalkulieren. Angebote lägen teilweise erheblich über den zuvor ermittelten Kosten. Lieferengpässe könnten außerdem Bauabläufe verzögern und nachfolgende Gewerke ausbremsen.

Die Verwaltung schreibt deshalb, eine verlässliche Bewertung der Kostenentwicklung sei auch für 2026 nicht möglich.

Für die Investitionen entstehen daraus mehrere Risiken:

  • Fördermittel könnten nicht mit den tatsächlichen Baukosten Schritt halten.
  • Der städtische Eigenanteil könnte steigen.
  • Ausschreibungen müssten wiederholt oder Leistungen reduziert werden.
  • Bauvorhaben könnten sich bis 2027 oder darüber hinaus verschieben.
  • Später beginnende Projekte verlieren weitere Monate eines ohnehin verkürzten Haushaltsjahres.

Gerade weil der Haushalt erst Ende Juli wirksam geworden ist, bleiben für Ausschreibungen, Vergaben und erste Bauleistungen nur noch wenige Monate. Bei größeren Projekten dürfte 2026 daher vielfach vor allem für Planung, Vergabe und Bauvorbereitung genutzt werden.

Wohnungsbau und Gewerbeflächen laufen parallel an

Das aktuelle Amtsblatt enthält neben dem Haushalt zwei wichtige Planungsverfahren. Der Entwurf für die Wohnbebauung am Deviner Weg wird ab dem 28. Juli öffentlich ausgelegt. Gleiches gilt für den Bebauungsplan zum Gewerbegebiet und sonstigen Sondergebiet an der Weidenkultur.

Beide Verfahren sind nicht automatisch mit einer sofortigen städtischen Investitionsentscheidung gleichzusetzen. Sie schaffen zunächst Baurecht beziehungsweise bereiten es vor. Dennoch zeigen sie, wo Stralsund in den kommenden Jahren wachsen möchte:

  • neuer Wohnraum am Deviner Weg,
  • zusätzliche Gewerbe- und Sondergebietsflächen an der Weidenkultur,
  • Präzisierungen von Grün- und Nutzungsflächen an der Schrammschen Mühle.

Bürger können die Planentwürfe einsehen und Stellungnahmen abgeben. Erst nach Auswertung der Einwendungen und weiteren politischen Beschlüssen kann verbindliches Baurecht entstehen.

Schulen und Sport erhalten sichtbar Priorität

Die größten konkret ausgewiesenen Einzelposten betreffen Bildung und Sport. Allein für die Sporthalle und das Hortgebäude an der Hermann-Burmeister-Grundschule, die Astrid-Lindgren-Förderschule, die Fachkabinette der IGS und das Stadion Kupfermühle sind 2026 knapp 12,8 Millionen Euro eingeplant.

Das ist politisch nachvollziehbar: Schulen und Sportanlagen gehören zur kommunalen Pflicht- und Daseinsvorsorge. Zugleich bleibt offen, welche kleineren Sanierungen aufgrund der begrenzten Mittel erneut warten müssen. Der Haushalt sieht insgesamt rund 27,7 Millionen Euro für laufende Bewirtschaftung, Unterhaltung und Instandsetzung von Schulen, Kitas, Kulturstätten, Verwaltungsgebäuden und Infrastruktur vor. Nach Angaben der Verwaltung reicht dieser Ansatz jedoch nur teilweise, um den bestehenden Instandhaltungsrückstand abzubauen.

Damit entsteht ein bekannter kommunaler Konflikt: Neue Gebäude sind sichtbar und politisch gut vermittelbar. Weniger sichtbar, aber ebenso entscheidend sind Dächer, Heizungen, Sanitäranlagen, Straßenoberflächen und technische Systeme, die laufend erhalten werden müssen.

Genehmigt heißt noch nicht finanziell gelöst

Die Veröffentlichung des Haushalts beendet die vorläufige Haushaltsführung und schafft Planungssicherheit. Sie löst aber nicht das strukturelle Problem, dass Stralsunds laufende Aufwendungen deutlich über den laufenden Einnahmen liegen.

Die Stadt kann nun Investitionen starten, Fördermittel abrufen und Aufträge vergeben. Gleichzeitig muss sie:

  • rund 15,77 Millionen Euro neue Investitionskredite aufnehmen,
  • einen hohen laufenden Fehlbetrag bewältigen,
  • steigende Baukosten auffangen,
  • bestehende Instandhaltungsrückstände abbauen,
  • spätere Betriebs- und Folgekosten finanzieren.

Im Haushaltsplan wird das Eigenkapital zum Jahresende noch mit rund 338,57 Millionen Euro angegeben. Der Saldo der laufenden Ein- und Auszahlungen soll sich jedoch bis dahin auf minus 58,7 Millionen Euro summieren.

Stralsund kann damit wieder handeln, aber nicht frei verfügen. Welche Projekte tatsächlich schnell sichtbar werden, hängt nun von Ausschreibungen, Förderbescheiden, Baupreisen und der weiteren Kassenlage ab.

Die Genehmigung ist deshalb der Startschuss – nicht der Abschluss der Finanzdebatte.

Quellen und Datenbasis

  1. Hansestadt Stralsund, Haushaltsplan 2026: Investitionsprogramm, Schul-, Sport- und Kulturprojekte sowie Risiken durch steigende Baukosten.