Mercedes-Benz überträgt dem Werk Ludwigsfelde eine neue Aufgabe: Der neue Marco Polo wird dort künftig von der V-Klasse zum vollständig ausgestatteten Campingmobil umgebaut. Erstmals erfolgt der Ausbau damit komplett innerhalb des eigenen Produktionsnetzwerks des Herstellers.
LUDWIGSFELDE. Der neue Mercedes-Benz Marco Polo kann ab dem 5. August 2026 in Deutschland und weiteren europäischen Märkten bestellt werden. Das Unternehmen positioniert das Modell als alltagstaugliches Reisemobil mit stärkerem Fokus auf Komfort, digitale Steuerung und einen wohnlicheren Innenraum.
Die Basisfahrzeuge entstehen weiterhin im spanischen Mercedes-Benz-Vans-Werk Vitoria. Der anschließende Ausbau zum Marco Polo wird künftig jedoch im brandenburgischen Werk Ludwigsfelde vorgenommen.
Ausbau erstmals vollständig bei Mercedes-Benz
Die neue Produktionsaufteilung bezeichnet Mercedes-Benz als Meilenstein in der Geschichte des Modells. Bislang war der Ausbau nicht vollständig in das eigene Fertigungsnetz integriert.
Nach Angaben des Unternehmens soll die engere Verzahnung der Produktionsabläufe mehrere Vorteile bringen:
- einheitliche Qualitätsstandards,
- flexiblere Produktionsprozesse,
- kürzere Lieferzeiten,
- eine stärkere Kontrolle über den vollständigen Fahrzeugausbau.
Für den Standort Ludwigsfelde bedeutet das eine zusätzliche Rolle innerhalb der Transporterproduktion des Konzerns. Konkrete Angaben zu Stückzahlen, Investitionen oder zusätzlichen Arbeitsplätzen enthält die Presseinformation allerdings nicht.
Höheres Aufstelldach schafft mehr Platz
Zu den auffälligsten Neuerungen gehört das weiterentwickelte Aufstelldach. Es besteht aus einer leichten und zugleich stabilen Aluminium-Doppelschale.
Der Faltenbalg ist im hinteren Bereich um zehn Zentimeter höher als bisher. Dadurch soll mehr Platz zum Sitzen und Schlafen entstehen. Rund um das Aufstelldach ist zudem eine LED-Ambientebeleuchtung integriert.
Nutzer können zwischen unterschiedlichen Lichtstimmungen wählen – von kühlerem Licht bis zu wärmeren, wohnlichen Farbtönen.
Schiebedach und Panoramaöffnung folgen später
Ab Ende 2026 sollen auf Wunsch weitere Ausstattungsdetails erhältlich sein. Dazu gehören ein neues Schiebedach und erstmals eine Panoramaöffnung im Faltenbalg.
Beide Optionen sollen mehr Tageslicht und Frischluft in den Innenraum bringen. Bei geöffnetem Dach soll außerdem ein freier Blick in den Nachthimmel möglich sein.
Mercedes-Benz bewirbt diese Ausstattung ausdrücklich als „Stargazing Experience“.
Neues Markisen- und Verdunkelungskonzept
Auch die Markise wurde überarbeitet. Sie kann künftig flexibel montiert und demontiert werden. Das soll insbesondere bei Fahrten durch eine Waschanlage Vorteile bringen.
Die Kurbel für die manuelle Bedienung wird direkt in der Halterung der Markise verstaut.
Für die Verdunkelung des Innenraums setzt Mercedes-Benz auf magnetische Lösungen. Im Cockpit sollen sie sich mit wenigen Handgriffen anbringen lassen und nachts mehr Privatsphäre schaffen.
Soundsystem auch beim Campen nutzbar
Das neue Soundsystem verfügt über acht Lautsprecher und einen Subwoofer. Es wurde nach Herstellerangaben speziell auf den Innenraum des Marco Polo abgestimmt.
Über Bluetooth kann Musik auch dann abgespielt werden, wenn das eigentliche Infotainmentsystem ausgeschaltet ist. Dadurch lässt sich das System nicht nur während der Fahrt, sondern auch im Stand auf dem Campingplatz nutzen.
Campingfunktionen über App steuerbar
Weiterentwickelt wurde auch das Mercedes-Benz Advanced Control System, kurz MBAC. Seit 2019 bündelt es verschiedene Funktionen des Campingmobils in einer zentralen Steuerung.
Beim neuen Marco Polo können darüber unter anderem die Ambientebeleuchtung im Aufstelldach und das Soundsystem bedient werden. Die Steuerung erfolgt über das zentrale Display im Fahrzeug oder über die MBAC-App auf einem Smartphone.
Weitere Änderungen betreffen:
- verbesserte Klapptische,
- optimierte Schubladenführungen,
- ein überarbeitetes Bedienfeld an der Sitzbank,
- eine energieeffizientere Kühlbox.
Reisemobil soll auch im Alltag funktionieren
Mercedes-Benz will den Marco Polo weiterhin nicht nur als klassisches Urlaubsfahrzeug positionieren. Das Modell soll zugleich als Alltagsauto, Familienfahrzeug und mobiles Zuhause dienen.
Mit dem flexiblen Innenraum, den Schlafplätzen und der Campingausstattung richtet sich das Fahrzeug vor allem an Käufer, die Reise- und Alltagsnutzung miteinander verbinden wollen.
Preise, Motorisierungen und konkrete Liefertermine nennt Mercedes-Benz in der vorliegenden Presseinformation noch nicht.
Ludwigsfelde gewinnt innerhalb der Produktion an Bedeutung
Für das Werk Ludwigsfelde ist der Ausbau des Marco Polo vor allem industriepolitisch interessant. Der Standort übernimmt künftig einen vollständigen und technisch anspruchsvollen Produktionsschritt innerhalb des Mercedes-Benz-Vans-Netzwerks.
Wie groß das geplante Produktionsvolumen sein wird und ob die neue Aufgabe Auswirkungen auf Beschäftigung oder Schichtmodelle hat, bleibt zunächst offen.
Fest steht jedoch: Jeder neue Marco Polo wird künftig erst durch den Ausbau in Ludwigsfelde zum Campingmobil.
Quelle
Mercedes-Benz, Presseinformation vom 27. Juli 2026: „Das smarte, alltagstaugliche Mercedes-Benz Glamping-Mobil: Der neue Marco Polo macht sich bereit“.