Ob Fernwärme, Wärmepumpe oder eine andere Lösung: Viele Hauseigentümer und Mieter fragen sich, wie die Wärmeversorgung in Sangerhausen künftig aussehen könnte. Nun können sie einen ersten Blick auf die Planungen der Stadt werfen. Der Berichtsentwurf zur kommunalen Wärmeplanung wird für 30 Tage öffentlich ausgelegt.
Ein strategischer Plan für die gesamte Stadt
Die kommunale Wärmeplanung soll zeigen, wie sich die Wärmeversorgung in Sangerhausen langfristig sicherer und klimafreundlicher gestalten lässt. Dafür werden unter anderem der bestehende Wärmebedarf, die vorhandenen Netze, Gebäudestrukturen und mögliche erneuerbare Energiequellen untersucht.
Der Wärmeplan ist zunächst eine strategische Orientierung. Er zeigt, welche Lösungen in unterschiedlichen Teilen der Stadt grundsätzlich infrage kommen könnten. Daraus folgt noch nicht automatisch, dass ein bestimmtes Wohnhaus an ein Wärmenetz angeschlossen werden muss oder seine Heizung sofort austauschen soll.
Bürger und Unternehmen können Hinweise geben
Mit der öffentlichen Auslegung beginnt eine weitere Beteiligungsphase. Einwohner, Unternehmen, Wohnungswirtschaft und andere Interessierte können den Entwurf prüfen und Hinweise einreichen.
Die Stadt hatte bereits im Februar zu einer ersten Bürgersprechstunde eingeladen. Dabei ging es um die Frage, wie Sangerhausen künftig möglichst klimafreundlich, sicher und bezahlbar mit Wärme versorgt werden kann.
Die Beteiligung ist besonders wichtig, weil die Planung nicht nur technische Fragen berührt. Sie kann langfristig Einfluss auf Investitionen in Straßen, Leitungen, Heizwerke und Wohngebäude haben.
Welche Energiequellen werden untersucht?
Im Stadtentwicklungskonzept nennt Sangerhausen mehrere mögliche Bausteine für eine künftige Wärmeversorgung. Dazu gehört die Prüfung, ob Grubenwasser aus dem früheren Sangerhäuser Bergbaurevier für Geothermie genutzt werden kann.
Die Stadtwerke untersuchen außerdem weitere Möglichkeiten, darunter:
- große Wärmepumpen,
- Solarthermie auf Freiflächen,
- industrielle oder gewerbliche Abwärme,
- die Erweiterung vorhandener Wärmeversorgungsbereiche,
- die Verbindung bisher getrennter Heizwerkstandorte.
Diese Ansätze sind Untersuchungsfelder. Sie sind noch nicht mit einem verbindlichen Bau- oder Anschlussbeschluss gleichzusetzen.
Noch keine Entscheidung über einzelne Straßen
Ein Wärmeplan teilt ein Stadtgebiet üblicherweise in Bereiche ein, für die unterschiedliche Versorgungsarten geeignet sein könnten. In dichter bebauten Quartieren können Wärmenetze sinnvoll sein. In anderen Gebieten kommen eher einzelne Lösungen für Gebäude oder Grundstücke infrage.
Welche Variante in einer bestimmten Straße tatsächlich umgesetzt wird, hängt jedoch von weiteren technischen Prüfungen, Kosten, Investitionsentscheidungen und politischen Beschlüssen ab.
Der aktuelle Entwurf ist deshalb kein fertiger Ausbauplan und keine Garantie dafür, dass ein angekündigtes Wärmenetz tatsächlich gebaut wird.
Eigentümer erhalten mehr Orientierung
Für Hauseigentümer kann die Planung dennoch hilfreich sein. Wer über eine neue Heizung nachdenkt, möchte wissen, ob in seinem Wohngebiet später ein Wärmenetz entstehen könnte oder ob eine eigene Lösung realistischer ist.
Bis solche Aussagen belastbar sind, sollten Eigentümer größere Investitionen weiterhin individuell prüfen und sich nicht allein auf eine farbliche Darstellung oder eine erste Gebietseinschätzung im Wärmeplan verlassen.
Kleinere Kommunen haben bis 2028 Zeit
Nach den bundesweiten Vorgaben müssen Städte und Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern ihre Wärmeplanung grundsätzlich bis Ende Juni 2028 abschließen. Sangerhausen befindet sich mit dem vorliegenden Entwurf bereits in einer fortgeschrittenen Phase.
Nach Auswertung der eingegangenen Hinweise kann der Entwurf angepasst und anschließend den zuständigen politischen Gremien vorgelegt werden.
Die wichtigsten Angaben
- Projekt: Kommunale Wärmeplanung Sangerhausen
- Aktueller Stand: Berichtsentwurf liegt vor
- Beteiligung: öffentliche Auslegung für 30 Tage
- Ziel: langfristige Orientierung für eine sichere und klimafreundliche Wärmeversorgung
- Untersuchte Möglichkeiten: Wärmenetze, Geothermie, Wärmepumpen, Solarthermie und Abwärme
- Wichtig: Noch keine unmittelbare Anschluss- oder Austauschpflicht für einzelne Gebäude
- Nächster Schritt: Auswertung der Hinweise und weitere politische Beratung
Quellen und Datenbasis
- Stadt Sangerhausen: Öffentlichkeitsbeteiligung zum Berichtsentwurf der kommunalen Wärmeplanung.
- Stadt Sangerhausen: erste Bürgersprechstunde zur kommunalen Wärmeplanung.
- Stadt Sangerhausen: Integriertes Stadtentwicklungskonzept mit Angaben zu Geothermie, Wärmepumpen, Solarthermie und Abwärme.
- Kompetenzzentrum und bundesweite Einordnung der gesetzlichen Fristen.