CDU und CSU fallen auf historischen Tiefstand

Die am 8. Oktober 2026 veröffentlichte Ipsos-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zeigt eine deutliche Verschiebung der politischen Stimmung in Deutschland.

CDU und CSU verlieren gegenüber der vorherigen Erhebung einen weiteren Prozentpunkt und erreichen nur noch 20 Prozent. Damit liegt die Union auf dem niedrigsten Stand, den Ipsos seit Beginn seiner entsprechenden Umfragereihe vor zehn Jahren gemessen hat.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung seit der Bundestagswahl im Februar 2025. Damals holten CDU und CSU noch 28,5 Prozent der Zweitstimmen. Der aktuelle Umfragewert liegt somit 8,5 Prozentpunkte unter dem damaligen Wahlergebnis.

Seit März 2026 kennt die Union in dieser Ipsos-Umfragereihe nur eine Richtung: nach unten.

Für Merz ist das ein politisch schwieriger Befund. Der Kanzler hatte den Anspruch formuliert, Deutschland wirtschaftlich wieder voranzubringen, politische Probleme entschlossener anzugehen und das Vertrauen in die Union zu stärken.

Die gegenwärtigen Wahlabsichten lassen zumindest nicht erkennen, dass CDU und CSU damit bereits eine breitere Zustimmung zurückgewonnen hätten.

AfD baut ihren Vorsprung auf acht Prozentpunkte aus

Während die Union einen weiteren Punkt verliert, legt die AfD um einen Prozentpunkt zu und erreicht 28 Prozent.

Damit liegt sie in der Ipsos-Erhebung deutlich vor allen anderen Parteien. Zwischen AfD und Union beträgt der Abstand inzwischen acht Prozentpunkte.

Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die AfD 20,8 Prozent erreicht. Auch sie liegt damit in der aktuellen Umfrage deutlich über ihrem damaligen Wahlergebnis.

Allerdings bedeutet ein Umfragevorsprung nicht automatisch einen entsprechenden Wahlausgang. Erhebungen bilden politische Stimmungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ab und können sich innerhalb weniger Wochen verändern.

Dennoch zeigt das Ergebnis, vor welchem politischen Problem die Union steht: Trotz ihrer Regierungsverantwortung gelingt es ihr derzeit nicht, die AfD in der Wählergunst einzuholen.

Die Diskussion darüber, wie CDU und CSU mit der AfD und deren Wählern umgehen sollen, dürfte damit innerhalb der Union weiter an Bedeutung gewinnen.

Grüne auf Platz drei – SPD überholt die Linke

Hinter AfD und Union folgen die Grünen mit unverändert 15 Prozent. Sie bleiben damit die drittstärkste Partei in der aktuellen Ipsos-Erhebung.

Die SPD kann sich leicht verbessern. Sie gewinnt einen Prozentpunkt und erreicht nun 13 Prozent.

Damit ziehen die Sozialdemokraten wieder an der Linken vorbei. Diese verliert einen Prozentpunkt und kommt auf 12 Prozent.

Für die Linke bedeutet das den Rückfall auf den fünften Platz, obwohl sie weiterhin deutlich über ihrem Bundestagswahlergebnis von 2025 liegt. Damals hatte die Partei 8,8 Prozent der Zweitstimmen erhalten.

Die SPD wiederum bleibt trotz ihres leichten Zugewinns weit von früheren Wahlergebnissen entfernt. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte sie noch 16,4 Prozent erreicht.

Für die Regierungskoalition ergibt sich daraus ein ernüchterndes Gesamtbild.

Union und SPD kommen zusammen lediglich auf 33 Prozent. Das ist weniger als der Stimmenanteil, den CDU, CSU und SPD bei der vergangenen Bundestagswahl gemeinsam erzielt hatten.

Die aktuelle Umfrage ist damit nicht nur eine schlechte Nachricht für die Union, sondern zeigt zugleich die anhaltend schwache Unterstützung für beide Regierungsparteien.

FDP und BSW bleiben unter der Fünf-Prozent-Hürde

Auch für die kleineren Parteien fällt das Ergebnis unterschiedlich aus.

Die FDP verliert gegenüber der vorherigen Ipsos-Erhebung einen Prozentpunkt und erreicht nur noch vier Prozent. Damit bliebe sie bei einer Bundestagswahl nach diesem Stimmenverhältnis unter der regulären Fünf-Prozent-Hürde.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht verharrt bei drei Prozent und liegt ebenfalls unterhalb dieser Schwelle.

Auf die sonstigen Parteien entfallen zusammen fünf Prozent.

Gerade für FDP und BSW verdeutlichen diese Werte, wie schwierig es bleibt, nach den politischen Rückschlägen der vergangenen Jahre wieder ausreichend Wähler zu gewinnen.

Für die Mehrheitsbildung im Bundestag wäre allerdings nicht nur entscheidend, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Auch Direktmandate und die geltenden Wahlrechtsregeln können eine Rolle spielen.

Merz steht unter wachsendem politischen Druck

Die neue Ipsos-Erhebung trifft die Bundesregierung in einer Phase, in der zahlreiche wirtschafts- und sozialpolitische Fragen ungelöst sind.

Die Regierungsparteien beraten über Wege zu mehr Wirtschaftswachstum, den Erhalt von Arbeitsplätzen und Reformen der sozialen Sicherungssysteme.

Zugleich sorgen die Haushaltsplanung, steigende Sozialausgaben und unterschiedliche Vorstellungen über wirtschaftspolitische Maßnahmen für Diskussionen innerhalb der Koalition.

Merz und SPD-Finanzminister Lars Klingbeil stehen damit vor der Aufgabe, tragfähige Vereinbarungen zu finden und diese auch politisch zu vermitteln.

Für die Union kommt erschwerend hinzu, dass die AfD in mehreren aktuellen Erhebungen deutlich vor CDU und CSU liegt.

Auch andere Meinungsforschungsinstitute melden inzwischen schwache Werte für die Kanzlerpartei. In einer Anfang Oktober veröffentlichten INSA-Erhebung erreichte die Union nur 18 Prozent, während die AfD bei 30 Prozent lag.

Die jeweiligen Zahlen unterscheiden sich je nach Institut und Erhebungsmethode. Der grundlegende Befund ist jedoch ähnlich: Die Union liegt gegenwärtig deutlich unter ihrem Bundestagswahlergebnis.

Ostdeutschland bleibt ein besonders wichtiger politischer Schauplatz

Für die weitere politische Entwicklung kommt den ostdeutschen Bundesländern besondere Bedeutung zu.

In Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist die AfD seit Jahren ein wichtiger Faktor im Parteiensystem. In mehreren Ländern erreicht sie in Umfragen deutlich höhere Werte als im Bundesdurchschnitt.

Hinzu kommen Auseinandersetzungen über wirtschaftliche Perspektiven, die Zukunft industrieller Arbeitsplätze, Energiepreise und die Entwicklung ländlicher Regionen.

Für CDU und SPD stellt sich damit auch die Frage, wie sie in Ostdeutschland wieder mehr Zustimmung gewinnen können.

Aus der bundesweiten Ipsos-Sonntagsfrage allein lässt sich allerdings nicht ablesen, wie stark einzelne Parteien derzeit in jedem ostdeutschen Bundesland wären. Dafür sind gesonderte, ausreichend belastbare Ländererhebungen erforderlich.

Die bundesweite Entwicklung zeigt dennoch, dass sich die politischen Kräfteverhältnisse weiter verändert haben.

Was die Umfrage tatsächlich aussagt

Ipsos befragte für die aktuelle Erhebung vom 30. September bis zum 4. Oktober 2026 insgesamt 2.002 Personen online. Auftraggeber war das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Die angegebenen Veränderungen beziehen sich auf die vorherige Ipsos-Erhebung vom September.

Wie bei allen politischen Meinungsumfragen unterliegen die Ergebnisse statistischen Unsicherheiten. Veränderungen um einen einzelnen Prozentpunkt können innerhalb der üblichen Fehlertoleranz liegen.

Deshalb lässt sich aus dem Rückgang einer Partei um einen Prozentpunkt allein noch kein dauerhafter Trend ableiten.

Anders verhält es sich mit längerfristigen Veränderungen und größeren Abständen zwischen Parteien. Der Abstand von acht Prozentpunkten zwischen AfD und Union ist ein auffälliges Ergebnis dieser Erhebung.

Auch der historische Tiefstand der Union innerhalb der Ipsos-Reihe besitzt politische Aussagekraft. Er bedeutet allerdings nicht, dass CDU und CSU bei sämtlichen Meinungsforschungsinstituten oder in ihrer gesamten Parteigeschichte noch nie niedrigere Werte erreicht hätten.

Die politische Stimmung hat sich deutlich verändert

Die neuen Zahlen zeigen eine Bundesregierung, deren Parteien derzeit erheblich weniger Zustimmung erhalten als bei der vergangenen Bundestagswahl.

Die AfD liegt in der Ipsos-Erhebung mit deutlichem Abstand vorn. Die Grünen behaupten den dritten Platz, während die SPD die Linke knapp überholt.

Für Friedrich Merz und seine Union ist vor allem der langfristige Rückgang der eigenen Umfragewerte eine Herausforderung.

Ob CDU und CSU verlorene Zustimmung zurückgewinnen können, wird nicht durch eine einzelne Umfrage entschieden. Maßgeblich werden die politischen Entscheidungen der kommenden Monate und deren Bewertung durch die Wähler sein.

Fest steht aber bereits jetzt: Mit nur noch 20 Prozent erreicht die Union in der Ipsos-Reihe einen historischen Tiefpunkt. Die AfD liegt acht Prozentpunkte davor, und gemeinsam kommen CDU, CSU und SPD nur noch auf ein Drittel der abgefragten Wahlabsichten.

Das ist ein deutliches Signal für die gegenwärtigen politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland.