Fehlende Lehrkräfte und hunderttausende ausgefallene Unterrichtsstunden setzen die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck. Wenige Wochen vor der Landtagswahl rückt die Bildungspolitik deshalb in das Zentrum des Wahlkampfs.
Rund 350.000 Unterrichtsstunden ersatzlos ausgefallen
Im vergangenen Schuljahr sind in Mecklenburg-Vorpommern rund 350.000 Unterrichtsstunden ersatzlos ausgefallen. Insgesamt konnten 13,5 Prozent der vorgesehenen Stunden nicht wie geplant stattfinden, sondern mussten vertreten werden oder entfielen vollständig. Als Gründe gelten neben einem hohen Krankenstand insbesondere fehlende Lehrkräfte.
Die Landesregierung verweist zugleich darauf, dass der Anteil der vollständig ausgefallenen Stunden im Schuljahr 2024/2025 bei 2,9 Prozent lag und damit gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte gesunken war. Mehr als 97 Prozent des Unterrichts seien demnach erteilt worden. Die Zahlen zeigen jedoch auch, wie häufig Schulen ihren regulären Stundenplan nur durch Vertretungen aufrechterhalten können.
Am 20. September 2026 wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Bildung gehört nach Angaben des NDR zu den wichtigsten politischen Themen im Land.
SPD setzt auf Ausbildung und Seiteneinstieg
Die SPD will mehr junge Menschen für das Lehramtsstudium gewinnen und zusätzliche ausgebildete Fachkräfte einstellen. Ergänzend soll ein qualitativ abgesicherter Seiten- und Quereinstieg ermöglicht werden.
Besondere Aufmerksamkeit sollen Schulen im ländlichen Raum und an sozial benachteiligten Standorten erhalten. Gestärkt werden sollen nach dem Wahlprogramm vor allem Grundschulen, Regionalschulen und Gesamtschulen.
AfD will abgeordnete Lehrer zurückholen
Die AfD fordert, Lehrkräfte aus Ministerien und Schulämtern wieder stärker im Unterricht einzusetzen. Von rund 13.700 Lehrkräften im Land arbeiten nach NDR-Angaben etwa 400 außerhalb der Klassenzimmer, beispielsweise in der Bildungsverwaltung.
Kurzfristig setzt die Partei ebenfalls auf Seiteneinsteiger. Langfristig will sie die Lehrerausbildung von den Universitäten an eine eigenständige Pädagogische Hochschule verlagern.
CDU verspricht Unterrichtsgarantie für Grundschulen
Die CDU plant eine Unterrichtsgarantie an Grundschulen. Von Montag bis Freitag soll demnach zwischen 8 und 14 Uhr verlässlich Unterricht stattfinden.
Dafür strebt die Partei eine Personalversorgung von 105 Prozent an. Schulen sollen also mehr Lehrkräfte beschäftigen, als für den normalen Stundenplan rechnerisch erforderlich wären. Kurzfristig sollen auch pensionierte Lehrer für eine zeitweise Rückkehr gewonnen werden.
Linke fordert 950 zusätzliche Lehrerstellen
Die Linke nennt als einzige der verglichenen Parteien eine konkrete Zahl zusätzlicher Stellen. Sie fordert 950 weitere Lehrerstellen, um die Pflichtstundenzahl der Pädagogen zu reduzieren.
Zusätzlich sollen 500 Alltagshilfen und andere Fachkräfte die Schulen unterstützen. Wie das dafür benötigte Personal gewonnen werden soll, bleibt im Wahlprogramm nach der NDR-Auswertung allerdings offen.
Grüne wollen Seiteneinstieg langfristig beenden
Die Grünen sprechen sich ebenfalls für eine geringere Unterrichtsverpflichtung aus. Offene Stellen sollen langfristig jedoch wieder ausschließlich mit vollständig ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden.
Für Mangelfächer wie Mathematik und Physik schlägt die Partei unter anderem ein Stipendienprogramm vor. Der Einsatz von Seiteneinsteigern soll nach und nach zurückgefahren werden.
BSW und FDP setzen unterschiedliche Schwerpunkte
Das BSW will die Belastung der Lehrkräfte mithilfe eines Lebensarbeitszeitkontos reduzieren. Junge Pädagogen sollen durch ein praxisnäheres Studium und Unterstützung bei der Wohnungssuche für das Land gewonnen werden.
Die FDP fordert eine Unterrichtsgarantie für alle Schulen und eine Personalreserve von 108 Prozent. Zudem soll an der Universität Greifswald ein eigenes Lehramtsstudium für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik geschaffen werden.
Viele Neueinstellungen lösen das Grundproblem noch nicht
Zum Beginn des Schuljahres 2025/2026 wurden nach Angaben des Bildungsministeriums 675 Lehrkräfte neu eingestellt. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahr und nach Darstellung des Landes ein Einstellungsrekord. Dennoch räumte das Ministerium ein, dass zusätzliches Personal benötigt wird.
Besonders schwierig bleibt die Personalgewinnung im ländlichen Raum sowie in Mangelfächern. Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der Lehrerschaft älter ist. Im Schuljahr 2025/2026 erhielten rund 3.500 ältere Lehrkräfte zusammen etwa 7.000 Altersanrechnungsstunden und mussten entsprechend weniger unterrichten.
Versprechen müssen nach der Wahl finanzierbar sein
Die Programme unterscheiden sich im Detail, versprechen aber nahezu alle mehr Personal, geringere Belastungen oder verlässlicheren Unterricht. Offen bleibt vielfach, woher die benötigten Lehrkräfte kommen und wie zusätzliche Stellen dauerhaft finanziert werden sollen.
Für Eltern, Schüler und Lehrer dürfte deshalb nicht allein entscheidend sein, welche Partei die umfangreichsten Versprechen macht. Maßgeblich wird sein, welche Vorschläge nach der Wahl tatsächlich umgesetzt werden können.
Quellen
Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern – Bericht zum Unterrichtsausfall im Schuljahr 2024/2025, veröffentlicht am 17. März 2026
Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern – Angaben zu den Neueinstellungen im Schuljahr 2025/2026
Landtag Mecklenburg-Vorpommern – Informationen zur Landtagswahl am 20. September 2026