In Magdeburg entscheiden Kinder derzeit selbst, wie ihre eigene Stadt funktioniert. Bei der Europäischen Kinderstadt „Ottopia“ übernehmen Mädchen und Jungen Aufgaben in Rathaus, Betrieben, Medien oder anderen Einrichtungen und verdienen dafür eine eigene Währung. Der Kinder- und Jugendbeauftragte Sachsen-Anhalts, Holger Paech, sieht darin weit mehr als ein Ferienangebot und betont die Bedeutung solcher Projekte für soziale Kompetenzen und Demokratiebildung.

Kinder entscheiden selbst

Wie das Sozialministerium Sachsen-Anhalt mitteilt, richten sich Kinderstadt-Projekte meist an Acht- bis 14-Jährige.

Die Teilnehmer bestimmen selbst, was in ihrer Stadt passiert. Dabei können unter anderem ein Rathaus, eine Zeitung, eine Müllabfuhr oder ein Krankenhaus entstehen. Auch Handwerksbetriebe, Dienstleistungsunternehmen sowie Kultur- und Medienangebote gehören zum Konzept.

Eine zentrale Rolle übernimmt die Finanzbank. Für Tätigkeiten in Betrieben und Einrichtungen werden die Kinder bezahlt und können das verdiente Geld anschließend für Angebote innerhalb der Kinderstadt ausgeben. Erwachsene haben in der Regel keinen Zutritt zum Gelände.

Beteiligung soll Demokratie stärken

Holger Paech besuchte die Magdeburger Kinderstadt am 11. August und ermutigte die Teilnehmer, ihre eigenen Interessen selbstbewusst zu vertreten.

Der Kinder- und Jugendbeauftragte sieht in den Projekten eine Möglichkeit, frühzeitig soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Kinder lernten dabei, Argumente abzuwägen, Kompromisse zu finden, Verantwortung zu übernehmen und Vereinbarungen einzuhalten.

Nach Angaben des Ministeriums fördert Sachsen-Anhalt Beteiligungsprojekte in der Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischen Kinder- und Jugendschutz in diesem Jahr mit rund 6,26 Millionen Euro.

Täglich bis zu 400 Kinder bei Ottopia

Die Europäische Kinderstadt „Ottopia“ startete am 3. August und läuft noch bis zum 14. August.

Täglich nehmen nach Angaben des Landes etwa 350 bis 400 Kinder teil. Unterstützt werden sie von überwiegend jugendlichen Ehrenamtlichen aus Deutschland, Polen, Frankreich und weiteren europäischen Ländern.

Hauptträger ist die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg beim Bildungsnetzwerk Magdeburg. Unterstützt wird das Projekt außerdem durch das Europäische Jugend-Kompetenz-Zentrum Sachsen-Anhalt „GOEUROPE!“.

Land und Stadt geben jeweils 30.000 Euro

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt und die Landeshauptstadt Magdeburg fördern Ottopia jeweils mit 30.000 Euro.

Weitere 40.000 Euro stammen aus Toto-Lotto-Mitteln. Hinzu kommen Eigenleistungen und Spenden des Projektträgers.

Kinderstädte auch in anderen Städten

Auch in Quedlinburg, Aschersleben und Bernburg fanden während der Sommerferien 2026 Kinderstadt-Projekte statt.

Für das kommende Jahr ist erneut eine Kinderstadt in Halle angekündigt. Magdeburg und Halle wechseln sich nach Angaben des Ministeriums bei der Durchführung des Projekts ab.

Quelle:

Kinder- und Jugendbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt / Sozialministerium Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung Nr. 143/26 vom 11. August 2026.