Seit 120 Jahren gehört das Herrmannbad zu den bekanntesten Freizeiteinrichtungen Löbaus. Das Stadtmuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass, die Geschichte des Badens in der Stadt umfassender zu erzählen. Die Sonderausstellung „Löbau geht baden – Badegeschichte(n) aus der Stadt am Berge“ ist noch bis zum 23. August zu sehen.
Im Mittelpunkt steht nicht allein das heute bekannte Freibad. Die Ausstellung erinnert auch an frühere Badeorte wie die Alte Baderei, das König-Albert-Bad und die ehemalige Schwimmhalle auf dem Kasernengelände. Dadurch entsteht ein Überblick über mehr als ein Jahrhundert kommunaler Körperpflege, Freizeitgestaltung und Schwimmkultur.
Herrmannbad öffnete 1906
Das Herrmannbad wurde 1906 eröffnet und galt zu dieser Zeit als eine moderne öffentliche Badeanlage. Seine Entstehung geht auf den Löbauer Garnkaufmann Emil Bruno Herrmann zurück, der der Stadt Geld für den Bau eines Freibades hinterlassen hatte.
Das Bad entwickelte sich über Generationen zu einem Treffpunkt für Familien, Schüler, Vereine und Freizeitsportler. 2026 begeht die Stadt das 120-jährige Bestehen mit mehreren Veranstaltungen und einer besonderen Jubiläumssaison.
Mehr als nur eine Freibadgeschichte
Die Ausstellung zeigt, dass öffentliche Badeeinrichtungen früher unterschiedliche Aufgaben erfüllten. Sie dienten nicht nur dem Schwimmen und der Erholung, sondern teilweise auch der Körperhygiene.
Viele Wohnungen verfügten lange Zeit nicht über eigene Badezimmer. Öffentliche Badeanstalten hatten deshalb eine größere Bedeutung für den Alltag als heutige Freibäder oder Schwimmhallen.
Mit der Verbesserung der Wohnverhältnisse wandelte sich ihre Funktion. Aus Orten der notwendigen Körperpflege wurden zunehmend Einrichtungen für Sport, Freizeit und gemeinschaftliche Erholung.
Vergessene Badeorte werden wieder sichtbar
Zu den aufgegriffenen Stationen gehört die Alte Baderei. Auch das König-Albert-Bad und die inzwischen verschwundene Schwimmhalle auf dem früheren Kasernengelände werden in der Ausstellung thematisiert.
Diese Orte sind teilweise nur noch auf Fotografien, Plänen oder historischen Dokumenten erhalten. Das Museum macht dadurch sichtbar, wie sich Stadtbild, Freizeitverhalten und öffentliche Infrastruktur verändert haben.
Gerade für ältere Einwohner dürften viele Exponate persönliche Erinnerungen wecken. Jüngere Besucher erhalten dagegen einen Einblick in eine Zeit, in der Schwimmen, Waschen und Freizeit anders organisiert waren als heute.
Bademode erzählt gesellschaftlichen Wandel
Zur Geschichte des Badens gehören auch Kleidung, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Vorstellungen von Anstand.
Frühe Badebekleidung bedeckte deutlich mehr vom Körper als heutige Schwimmsachen. Auch getrennte Badezeiten für Frauen und Männer waren in öffentlichen Anlagen lange üblich.
Mit den Jahrzehnten wurden die Kleidungsstücke leichter und funktionaler. Gleichzeitig entwickelte sich das Freibad zu einem selbstverständlichen Treffpunkt unterschiedlicher Altersgruppen.
Badeanzüge, Handtücher, Eintrittskarten und Fotografien können deshalb weit mehr erzählen als nur die Geschichte einer Freizeiteinrichtung. Sie dokumentieren, wie sich Alltag und Gesellschaft verändert haben.
Jubiläum wurde mit Badfest gefeiert
Zum 120. Geburtstag des Herrmannbades veranstaltete Löbau vom 24. bis zum 26. Juli ein dreitägiges Badfest. Damit griff die Stadt eine Tradition auf, die früher fest zum sommerlichen Leben im Freibad gehörte.
Das Jubiläumsprogramm und die Museumsausstellung ergänzen sich. Während das Badfest das Herrmannbad als lebendigen Freizeitort feierte, ordnet das Museum seine Entwicklung in die gesamte Löbauer Stadtgeschichte ein.
Museum verbindet Geschichte und Gegenwart
Die Ausstellung ist seit dem 26. Juni geöffnet und läuft bis zum 23. August. Das Stadtmuseum ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Montags bleibt es geschlossen.
Mit „Löbau geht baden“ greift das Museum ein alltagsnahes Thema auf. Schwimmbäder gehören zu den Orten, an denen persönliche Erinnerungen und kommunale Geschichte besonders eng miteinander verbunden sind.
Fast jeder Einwohner verbindet mit ihnen Erlebnisse aus Schulzeit, Ferien oder Familienleben. Dadurch wird aus einer Ausstellung über Gebäude und Badebekleidung zugleich eine Ausstellung über Löbauer Lebensgeschichten.
Herrmannbad bleibt ein Stück Lebensqualität
Das Jubiläum macht deutlich, dass ein kommunales Freibad mehr ist als eine Wasserfläche. Es ist Sportstätte, Ferienangebot, sozialer Treffpunkt und ein Teil der örtlichen Identität.
Gerade kleinere Städte stehen jedoch zunehmend vor der Frage, wie sie Schwimmbäder trotz steigender Energie-, Personal- und Unterhaltungskosten dauerhaft finanzieren können.
Die Ausstellung blickt deshalb nicht nur zurück. Sie erinnert zugleich daran, welche Bedeutung solche Einrichtungen für eine Stadt besitzen und warum ihr Erhalt auch für kommende Generationen wichtig bleibt.
Quellen
Stadtmuseum Löbau: Sonderausstellung „Löbau geht baden – Badegeschichte(n) aus der Stadt am Berge“, Inhalte und Öffnungszeiten.
Stadt Löbau: Laufzeit der Ausstellung vom 26. Juni bis zum 23. August 2026.
Stadt Löbau und regionale Veranstaltungsinformationen: Jubiläumssaison und 120-jähriges Bestehen des Herrmannbades.