Das Erzgebirgische Spielzeugmuseum und das Freilichtmuseum in Seiffen bekommen eine neue Leitung. Dr. Thorid Zierold übernimmt die Verantwortung für beide Einrichtungen zum 3. August 2026. Die gebürtige Erzgebirglerin bringt rund 20 Jahre Berufserfahrung aus Chemnitz mit.
Langjährige Erfahrung in Museum und Verwaltung
Zierold arbeitete zunächst als Kustodin für Naturwissenschaften und stellvertretende Direktorin am Museum für Naturkunde Chemnitz. Später wechselte sie als Kulturreferentin in das Dezernat der Chemnitzer Bürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky.
Im Bewerbungsverfahren überzeugte sie nach Angaben der Mitteilung mit ihrer fachübergreifenden Perspektive, langjähriger Erfahrung in der Museums- und Verwaltungsarbeit sowie einem breiten beruflichen Netzwerk. Hinzu kommt ihre persönliche Verbundenheit mit dem Erzgebirge.
Naturwissenschaftlerin mit Museumsausbildung
Ihren Diplomabschluss erwarb Zierold an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Für ihre Promotion erhielt sie ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und forschte gemeinsam mit der University of Hull in England zur Biologie von Krebstieren.
Auch wenn ihre wissenschaftliche Ausbildung zunächst weit entfernt von erzgebirgischer Volkskunst erscheint, sieht die neue Museumsleiterin darin einen Vorteil. Die naturwissenschaftliche Ausbildung habe sie darin geschult, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und verschiedene Fachrichtungen miteinander zu verbinden.
Zusätzlich absolvierte Zierold das mehrjährige Museion-Programm der Alfred-Töpfer-Stiftung für Führungskräfte in deutschen Museen. Später wurde sie auch für das Potenzialträgerprogramm der Stadtverwaltung Chemnitz ausgewählt.
Erfahrungen aus der Kulturhauptstadt Chemnitz
Durch ihre Arbeit in Chemnitz war Zierold auch in kulturpolitische Prozesse rund um die Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 eingebunden.
Diese Erfahrungen und Kontakte sollen nun in die Entwicklung der Seiffener Museen einfließen. Geplant ist eine stärkere Zusammenarbeit mit:
- Kunsthandwerksbetrieben in Seiffen und der Region,
- weiteren Museen im Erzgebirge,
- kulturellen Partnern in Tschechien,
- der Fachschule in Seiffen,
- örtlichen Vereinen und ehrenamtlich Engagierten.
Museen sollen zur „Hutzenstube 2.0“ werden
Zierold möchte die Einrichtungen zu lebendigen Orten des Austauschs entwickeln. Ihr Leitbild beschreibt sie mit dem Begriff „Hutzenstube 2.0“.
Dabei soll die traditionelle Funktion der Hutzenstube als Ort des gemeinsamen Arbeitens, Erzählens und Begegnens in eine zeitgemäße Museumsarbeit übertragen werden.
Zugleich soll das erzgebirgische Kunsthandwerk als immaterielles Kulturerbe stärker über die Region und die deutsch-tschechische Grenze hinaus sichtbar werden.
„Ich möchte die einzigartigen Profile beider Museumsstandorte herausarbeiten: das Freilichtmuseum als authentischen Ort gelebter Handwerkstradition und das Spielzeugmuseum als kulturelles Gedächtnis und Innovationsraum für erzgebirgische Volkskunst.“
Zwei Museen mit unterschiedlichen Aufgaben
Das Freilichtmuseum soll nach ihren Vorstellungen vor allem die historische Handwerkstradition in authentischer Umgebung erlebbar machen.
Das Spielzeugmuseum soll dagegen nicht nur die Geschichte erzgebirgischer Volkskunst bewahren. Es soll auch zeigen, wie sich Kunsthandwerk, Gestaltung und Produktion weiterentwickeln können.
Damit verbindet Zierold zwei Ziele:
- Bewahrung der gewachsenen Tradition,
- Öffnung für neue Ideen und künftige Generationen.
Internationale Besucher und regionale Verankerung
Die Museen in Seiffen ziehen jährlich Gäste aus vielen Ländern an. Gleichzeitig sind sie eng mit dem Ort und der regionalen Bevölkerung verbunden.
„Unsere Museen sind jährlich Anziehungspunkt für internationale Besucher und gleichfalls fest in der lokalen Bevölkerung verankert.“
Beiden Perspektiven müsse die künftige Museumsarbeit gerecht werden, erklärt Zierold. Ziel sei eine Weiterentwicklung, bei der die Museen ihre Wurzeln bewahren und zugleich neugierig auf die Zukunft des Kunsthandwerks und die Menschen hinter den Produkten machen.
Entwicklung nach langfristigen Konzepten
Die weitere Museumsarbeit soll sich an mehreren bestehenden Strategiepapieren orientieren. Dazu gehören:
- das Gemeindeentwicklungskonzept von 2022,
- das Regionalentwicklungskonzept der Kulturhauptstadtregion von April 2026,
- der Legacy-Rahmenplan der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025,
- touristische Entwicklungsziele für Südwestsachsen,
- wirtschaftliche Ziele für die Region.
Damit soll die Entwicklung der Museen nicht isoliert erfolgen, sondern mit Tourismus, Kultur, Handwerk und Regionalentwicklung verbunden werden.
Die wichtigsten Angaben
- Neue Leiterin: Dr. Thorid Zierold
- Amtsbeginn: 3. August 2026
- Alter: 48 Jahre
- Einrichtungen: Erzgebirgisches Spielzeugmuseum und Freilichtmuseum
- Bisherige Tätigkeit: Museum für Naturkunde und Stadtverwaltung Chemnitz
- Ziele: Tradition bewahren, Netzwerke ausbauen, grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärken
Quellen und Datenbasis
- Mitteilung zur Berufung von Dr. Thorid Zierold als Leiterin des Erzgebirgischen Spielzeugmuseums und des Freilichtmuseums Seiffen.