Unterföhring. Was gibt Menschen Hoffnung, wenn das eigene Leben aus den Fugen gerät? Wenn Gewalt, Krankheit, persönliche Krisen oder scheinbar aussichtslose Situationen alles verändern? Diesen Fragen geht Linda Zervakis in ihrer neuen ProSieben-Dokumentation „HOPE“ nach. Zu Wort kommen Menschen, die schwere Erfahrungen gemacht haben und dennoch einen Weg gefunden haben, weiterzumachen. Eine besondere Rolle spielt die im Oktober 2025 verstorbene Verhaltensforscherin Jane Goodall. In einem ihrer letzten Interviews sprach sie mit Zervakis darüber, warum Hoffnung für sie immer auch mit persönlichem Handeln verbunden war.
Der Dokumentarfilm wird am Donnerstag, 26. November 2026, um 20.15 Uhr bei ProSieben ausgestrahlt und ist auch über Joyn verfügbar. Produziert wurde er von Autentic.
Neben Goodall erzählen unter anderem der Weltumsegler Boris Herrmann, Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß, der Überlebende des rassistischen Anschlags von Hanau Etris Hashemi und Rennfahrerin Sophia Flörsch von ihren Erfahrungen. Ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher kaum sein. Was sie verbindet, ist die Auseinandersetzung mit Rückschlägen und die Frage, wie daraus neue Perspektiven entstehen können.
Jane Goodall: Hoffnung bedeutet, selbst etwas zu verändern
Für Linda Zervakis zählt das Gespräch mit Jane Goodall zu den prägenden Momenten der Produktion.
Die britische Forscherin wurde durch ihre jahrzehntelange Arbeit mit wild lebenden Schimpansen in Tansania weltbekannt. Ihre Beobachtungen veränderten das wissenschaftliche Verständnis vom Verhalten der Menschenaffen. Später widmete sie einen großen Teil ihres Lebens dem Tier- und Umweltschutz sowie der Förderung junger Menschen.
Als Friedensbotschafterin der Vereinten Nationen setzte sie sich international für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt ein.
Am 1. Oktober 2025 starb Goodall im Alter von 91 Jahren während einer Vortragsreise in den Vereinigten Staaten.
Ihr Auftritt in „HOPE“ erhält dadurch eine besondere Bedeutung. Die Dokumentation bewahrt einen ihrer letzten öffentlichen Gespräche über die Verantwortung des Einzelnen.
„Ich glaube nicht an Schicksal. Wir haben die Kraft, unseren eigenen Weg zu gehen“, erklärt Goodall darin.
Dieser Gedanke zieht sich durch den Film: Hoffnung ist nach Goodalls Verständnis nicht die Erwartung, dass sich Probleme von allein lösen. Vielmehr können Menschen durch Entscheidungen und eigenes Engagement Einfluss auf ihre Zukunft nehmen.
Für Zervakis war die Begegnung mit der Wissenschaftlerin besonders eindrucksvoll.
„Es gibt wenige Menschen, die trotz aller Probleme und Krisen auf der Welt so viel Zuversicht und Hoffnung ausgestrahlt haben, die mich so sehr inspiriert haben wie Jane Goodall“, sagt die Moderatorin.
Ein Überlebender des Anschlags von Hanau erzählt
Zu den bewegendsten Lebensgeschichten der Dokumentation gehört die von Etris Hashemi.
Er überlebte den rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau, bei dem neun Menschen ermordet wurden. Auch Hashemis Bruder Said Nesar Hashemi gehörte zu den Opfern.
Der Anschlag veränderte das Leben der Überlebenden und Angehörigen grundlegend.
Etris Hashemi engagiert sich seitdem für die Erinnerung an die Opfer und gegen Rassismus. Sein Einsatz zeigt, dass die Auseinandersetzung mit einem schweren Verbrechen nicht mit dem Ende der strafrechtlichen Ermittlungen abgeschlossen ist.
In „HOPE“ geht es auch darum, wie Menschen nach traumatischen Erfahrungen wieder Perspektiven entwickeln können.
Dabei steht nicht die Vorstellung im Mittelpunkt, dass Hoffnung den erlittenen Verlust ungeschehen machen könnte. Vielmehr zeigt Hashemis Geschichte, wie aus persönlichem Schmerz gesellschaftliches Engagement entstehen kann.
Boris Herrmann und die Hoffnung mitten auf dem Ozean
Eine völlig andere Form der Herausforderung beschreibt Weltumsegler Boris Herrmann.
Der deutsche Profisegler hat bei seinen langen Hochseeregatten wiederholt extreme Situationen erlebt. Wochenlang ist er auf dem offenen Meer unterwegs, häufig allein, mit begrenzten Möglichkeiten, technische Probleme zu beheben oder unmittelbar Hilfe zu erhalten.
In solchen Momenten können kleinste Entscheidungen über den weiteren Verlauf einer Reise bestimmen.
Die Dokumentation beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen unter Bedingungen großer Unsicherheit handlungsfähig bleiben.
Was hilft, wenn keine schnelle Unterstützung verfügbar ist? Wie verändert Einsamkeit die Wahrnehmung? Und welche Rolle spielt Zuversicht, wenn sich eine gefährliche Situation nicht sofort auflösen lässt?
Herrmanns Erfahrungen veranschaulichen eine Seite der Hoffnung, die mit Durchhaltevermögen, Vorbereitung und der Fähigkeit verbunden ist, auch unter Druck Entscheidungen zu treffen.
Stefanie Kloß, Sophia Flörsch und Wojtek Czyz sprechen über Rückschläge
Auch die Sängerin Stefanie Kloß ist Teil der Dokumentation.
Als Frontfrau der Band Silbermond gehört sie seit vielen Jahren zu den bekannten Stimmen der deutschen Popmusik. In „HOPE“ steht jedoch nicht allein ihre musikalische Karriere im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Bedeutung Zuversicht im persönlichen Leben haben kann.
Rennfahrerin Sophia Flörsch wiederum weiß, was es bedeutet, nach einem schweren Einschnitt wieder an die eigenen Ziele anzuknüpfen.
Die Motorsportlerin überlebte 2018 einen schweren Rennunfall in Macau. Nach ihrer Genesung kehrte sie in den Rennsport zurück.
Ihre Geschichte steht für den Versuch, nach einem lebensgefährlichen Ereignis erneut Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
Der ehemalige Badmintonspieler und Paralympics-Teilnehmer Wojtek Czyz bringt eine weitere Perspektive ein. Nach dem Verlust eines Unterschenkels setzte er seine sportliche Laufbahn im Parasport fort und gewann mehrere paralympische Goldmedaillen.
Auch seine Erfahrungen zeigen, wie sich Lebenspläne nach einem schweren Einschnitt verändern können, ohne dass damit sämtliche persönlichen Ziele verloren gehen müssen.
Wenn Hoffnung zu konkreter Hilfe wird
Neben bekannten Persönlichkeiten stellt „HOPE“ Menschen vor, deren Engagement unmittelbar auf die Lebensbedingungen anderer wirkt.
Dazu gehört der Augenarzt Suman Thapa, der sich für medizinische Versorgung und die Behandlung von Augenkrankheiten einsetzt.
Auch Gründerin Günes Seyfarth und Hilfsprojekt-Initiator Jürgen Altmann werden porträtiert.
Ihre Geschichten beschäftigen sich mit der Frage, wie aus einer Idee konkrete Unterstützung entstehen kann.
Einen besonders persönlichen Zugang bietet Jeremias Thiel.
Er wuchs unter schwierigen familiären Bedingungen auf und verließ als Elfjähriger sein Elternhaus. Später machte er seine Erfahrungen mit Kinderarmut öffentlich und begann, sich für bessere Chancen benachteiligter Kinder einzusetzen.
Seine Geschichte verdeutlicht, dass fehlende finanzielle Mittel und belastende Familienverhältnisse die Entwicklung junger Menschen erheblich beeinflussen können.
Gleichzeitig zeigt sein Engagement, wie persönliche Erfahrungen zu einer Motivation werden können, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Linda Zervakis: „Hoffnung verlangt auch Handeln“
Für die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis ist die Dokumentation mehr als ein weiterer Fernsehfilm.
„HOPE ist für mich ein absolutes Herzensprojekt. Welchen Sinn hätten wir ohne Hoffnung? Ohne Hoffnung ist alles nichts“, erklärt die Moderatorin.
Die Entscheidung, Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammenzubringen, ist dabei bewusst getroffen.
Nicht alle Beteiligten haben dieselben Hindernisse überwunden. Manche berichten über Erfahrungen mit Gewalt, andere über körperliche Einschränkungen, sportliche Herausforderungen oder den Einsatz für gesellschaftliche Veränderungen.
Die Dokumentation versucht damit, Hoffnung nicht auf ein einziges Gefühl oder eine bestimmte Lebenssituation zu reduzieren.
Zervakis formuliert den zentralen Gedanken des Films so: „Aber Hoffnung verlangt auch Handeln.“
Genau darin liegt die Verbindung zwischen den Porträtierten. Die Menschen in „HOPE“ beschreiben nicht nur, worauf sie hoffen, sondern auch, was sie selbst unternommen haben oder weiterhin unternehmen.
Eine Dokumentation gegen die Ohnmacht
Kriege, gesellschaftliche Spannungen und persönliche Belastungen bestimmen einen großen Teil der täglichen Nachrichten. Die neue ProSieben-Produktion setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt.
Sie erzählt von Menschen, die schwierige Situationen nicht ausschließlich als Endpunkt ihres bisherigen Lebens betrachten.
Dabei handelt es sich nicht um eine Sammlung einfacher Erfolgsgeschichten. Die Erfahrungen eines Anschlagsüberlebenden lassen sich ebenso wenig mit einer sportlichen Niederlage vergleichen wie die Herausforderungen einer Weltumsegelung mit den Folgen von Kinderarmut.
Gerade die Unterschiede machen deutlich, dass Hoffnung viele Formen annehmen kann.
Die Dokumentation verbindet diese Perspektiven mit der Frage, welche Handlungsmöglichkeiten Menschen auch dann noch besitzen, wenn ihre Ausgangslage schwierig erscheint.
Besonders eindrücklich ist dabei Jane Goodalls Vermächtnis. Die Wissenschaftlerin blieb bis ins hohe Alter davon überzeugt, dass individuelles Handeln Bedeutung hat.
Mit ihrem letzten Lebensabschnitt ist diese Überzeugung eng verbunden: Statt sich angesichts der weltweiten Umweltprobleme zurückzuziehen, reiste sie weiterhin um die Welt, hielt Vorträge und warb für den Schutz der Natur.
„HOPE“ greift diese Haltung auf und stellt sie in den Mittelpunkt eines Films, der nicht nur Zuversicht vermitteln, sondern zum Nachdenken über das eigene Handeln anregen möchte.
Sendetermin am 26. November
Die Dokumentation „LINDA ZERVAKIS. HOPE“ wird am Donnerstag, 26. November 2026, um 20.15 Uhr bei ProSieben ausgestrahlt.
Der Film ist außerdem auf der Streamingplattform Joyn zu sehen und anschließend dort abrufbar.
Produziert wurde „HOPE“ von Autentic.
Mit Jane Goodall, Etris Hashemi, Boris Herrmann, Stefanie Kloß, Sophia Flörsch und weiteren Persönlichkeiten versammelt die Dokumentation sehr unterschiedliche Lebensgeschichten. Gemeinsam stellen sie eine Frage, die weit über den Film hinausgeht: Was können Menschen selbst verändern, wenn die Umstände kaum noch Hoffnung zuzulassen scheinen?