Immer mehr Menschen suchen ihr Glück außerhalb Deutschlands. Höhere Gehälter, niedrigere Steuern, bessere Lebensbedingungen und neue berufliche Perspektiven gehören zu den Gründen, aus denen Deutsche ihre Heimat verlassen. Allein 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt 288.579 Fortzüge deutscher Staatsangehöriger ins Ausland registriert. Journalist Jenke von Wilmsdorff geht nun der Frage nach, was hinter diesen Entscheidungen steckt und welche Folgen die Auswanderung für Deutschland und die Zielländer hat. Seine neue Reportage zeigt ProSieben am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, um 20.15 Uhr.
Warum wollen so viele Menschen Deutschland verlassen?
Die Diskussion über Migration konzentriert sich in Deutschland häufig auf die Einwanderung. Weniger Aufmerksamkeit erhält dagegen die Frage, warum deutsche Staatsangehörige selbst das Land verlassen.
Genau hier setzt die neue Reportage „JENKE. Report. Raus aus Deutschland – Warum immer mehr Deutsche auswandern“ an.
Nach Angaben von ProSieben denkt derzeit jeder fünfte Deutsche über eine Auswanderung nach. Besonders junge und gut qualifizierte Menschen beschäftigen sich demnach mit einem Leben im Ausland.
Die Beweggründe sind unterschiedlich. Während einige höhere Einkommen und geringere Steuerbelastungen suchen, erhoffen sich andere mehr Sicherheit, ein angenehmeres Klima oder bessere Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Entwicklung.
Jenke von Wilmsdorff will herausfinden, welche Erwartungen tatsächlich hinter dem Wunsch nach einem Neuanfang stehen und ob sich die Hoffnungen im Alltag erfüllen.
288.579 Deutsche verließen 2025 das Land
Eine zentrale Zahl der Reportage stammt aus der Wanderungsstatistik des Statistischen Bundesamtes.
Demnach wurden im Jahr 2025 insgesamt 288.579 Fortzüge deutscher Staatsangehöriger ins Ausland erfasst.
ProSieben bezeichnet dies in seiner Ankündigung als bisherigen Höchststand.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Die Statistik erfasst Fortzüge und nicht ausschließlich Menschen, die Deutschland dauerhaft verlassen. Auch zeitlich begrenzte Auslandsaufenthalte können darunterfallen. Zudem sagt die Zahl allein noch nichts darüber aus, wie viele deutsche Staatsangehörige im gleichen Zeitraum nach Deutschland zurückgekehrt sind.
Trotzdem verdeutlicht sie die erhebliche Größenordnung der Auswanderung.
Für Deutschland stellt sich damit auch die Frage, welche Auswirkungen es langfristig haben könnte, wenn gut ausgebildete Beschäftigte ihre berufliche Zukunft zunehmend im Ausland suchen.
Schweiz, Portugal und Zypern im Mittelpunkt
Für seine Reportage besucht Jenke von Wilmsdorff drei unterschiedliche Auswanderungsziele.
In der Schweiz untersucht er, warum das Nachbarland für Deutsche besonders attraktiv ist. Höhere Löhne und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gehören zu den häufig genannten Beweggründen.
Allerdings stehen dem höheren Einkommensniveau oftmals deutlich höhere Lebenshaltungskosten gegenüber.
In Portugal beschäftigt sich die Reportage mit Menschen, die sich ein Leben in einem milderen Klima und mit einer anderen Alltagsgestaltung wünschen.
Auch Zypern ist Teil der Recherche. Die Mittelmeerinsel zieht unter anderem Menschen an, die ortsunabhängig arbeiten und internationale Geschäftsmodelle verfolgen.
An allen drei Standorten spricht von Wilmsdorff mit deutschen Auswanderern, Einheimischen und Fachleuten.
Dabei geht es nicht nur um die persönlichen Erfolgsgeschichten, sondern auch um Schwierigkeiten und Konflikte, die mit dem Zuzug entstehen können.
Wenn Auswanderer die Mieten in ihrer neuen Heimat erhöhen
Ein besonderer Schwerpunkt der Reportage liegt auf den Auswirkungen der Auswanderung auf die Bevölkerung der Zielländer.
Gerade sogenannte Digitalnomaden können ihren Arbeitsplatz häufig unabhängig vom Wohnort wählen. Sie verdienen ihr Einkommen beispielsweise bei Unternehmen im Ausland, leben aber dauerhaft oder zeitweise in einer anderen Region.
Das kann wirtschaftliche Vorteile für die Zielländer bringen. Gleichzeitig entstehen in beliebten Wohnorten neue Herausforderungen.
Wenn gut verdienende Zuzügler auf einen begrenzten Wohnungsmarkt treffen, kann dies die Nachfrage und damit die Mieten erhöhen.
Für Menschen mit deutlich niedrigeren ortsüblichen Einkommen wird es dann möglicherweise schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Jenke von Wilmsdorff untersucht deshalb auch, wie die einheimische Bevölkerung die steigende Zahl ausländischer Bewohner erlebt.
Kritik an deutschen Arbeitskräften in der Schweiz
In der Schweiz spricht der Journalist unter anderem mit Dominik Ledergerber von der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP).
Die Partei setzt sich für eine Begrenzung der Zuwanderung ein.
Ledergerber kritisiert in der Reportage wirtschaftliche Anreize, die seiner Ansicht nach dazu führen können, dass Unternehmen ausländische Arbeitskräfte gegenüber einheimischen Beschäftigten bevorzugen.
Dabei stellt er zugespitzt die Frage, weshalb ein Unternehmen nicht einen günstigeren deutschen Arbeitnehmer einstellen und einen älteren Schweizer Beschäftigten ersetzen sollte.
Die Aussage verweist auf Konflikte, die durch unterschiedliche Lohnvorstellungen und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt entstehen können.
Ob und in welchem Umfang solche Verdrängungseffekte tatsächlich auftreten, lässt sich daraus allein allerdings nicht ableiten.
Die Reportage zeigt damit eine Perspektive, die in deutschen Auswanderungsgeschichten häufig weniger Beachtung findet: Auch im Zielland wird Zuwanderung nicht ausschließlich positiv bewertet.
Auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte denken ans Weggehen
Die Sendung beschäftigt sich nicht nur mit Deutschen, die im Ausland geboren wurden oder seit Generationen in Deutschland leben.
Eine weitere Zahl stammt aus einer aktuellen Kurzstudie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).
Demnach denken 35 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte darüber nach, Deutschland wieder zu verlassen.
Die Zahl beschreibt eine Auswanderungsabsicht beziehungsweise entsprechende Überlegungen. Sie bedeutet nicht, dass tatsächlich mehr als ein Drittel dieser Bevölkerungsgruppe auswandern wird.
Dennoch wirft das Ergebnis Fragen nach Zugehörigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und Zukunftsperspektiven auf.
Jenke von Wilmsdorff interessiert insbesondere, welche Bedingungen Menschen benötigen, um ihre Zukunft langfristig in Deutschland zu sehen.
Welche Folgen hat Auswanderung für Deutschland?
Die Abwanderung qualifizierter Menschen kann für die Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen eine Herausforderung darstellen.
Deutschland benötigt in zahlreichen Branchen gut ausgebildetes Personal. Besonders in medizinischen Berufen, technischen Bereichen und verschiedenen Handwerksberufen besteht Bedarf an Fachkräften.
Wenn Menschen ihre Ausbildung in Deutschland absolvieren, ihre berufliche Tätigkeit anschließend aber im Ausland aufnehmen, kann das Auswirkungen auf das verfügbare Arbeitskräfteangebot haben.
Andererseits gehört internationale Mobilität zu einer offenen Wirtschaft. Menschen sammeln im Ausland Erfahrungen, erwerben Qualifikationen und kehren teilweise später mit zusätzlichen Kenntnissen zurück.
Ob Deutschland insgesamt Fachkräfte verliert, lässt sich deshalb nicht allein anhand der Zahl deutscher Fortzüge beurteilen. Dafür müssen auch Rückwanderung, Einwanderung und die beruflichen Qualifikationen der Zu- und Fortziehenden betrachtet werden.
Die Reportage greift damit ein Thema auf, das weit über individuelle Lebensentscheidungen hinausreicht.
Jenke von Wilmsdorff hinterfragt den Traum vom Ausland
Der Journalist ist für Reportagen bekannt, in denen er gesellschaftlichen Fragen durch persönliche Begegnungen und eigene Erfahrungen nachgeht.
Diesmal will er den Unterschied zwischen dem häufig idealisierten Leben im Ausland und den tatsächlichen Lebensbedingungen sichtbar machen.
In sozialen Netzwerken erscheinen Auswanderungsgeschichten oft als Erfolgserzählungen: Arbeiten unter Palmen, weniger Belastung durch Steuern und Bürokratie oder ein entspannterer Alltag.
Doch hinter solchen Bildern stehen praktische Fragen nach Arbeit, Krankenversicherung, Wohnkosten, Sprache, sozialen Kontakten und langfristiger Sicherheit.
Wie erleben Menschen den Neuanfang tatsächlich? Und was passiert, wenn der Traum vom besseren Leben mit den Anforderungen des Alltags zusammentrifft?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Ausgabe des „JENKE. Report.“
Ausstrahlung am 15. Oktober auf ProSieben
Die Reportage „Raus aus Deutschland – Warum immer mehr Deutsche auswandern“ läuft am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, um 20.15 Uhr auf ProSieben.
Parallel ist sie über den Streamingdienst Joyn verfügbar.
In den folgenden Wochen beschäftigt sich Jenke von Wilmsdorff mit weiteren gesellschaftlichen Themen.
Am 22. Oktober steht die Lebensmittelindustrie im Mittelpunkt. Am 29. Oktober folgt eine Sendung über Stress, schlechte Stimmung und Möglichkeiten, wieder mehr Lebensfreude zu entwickeln.
Weitere angekündigte Ausgaben befassen sich mit ADHS und dem gesellschaftlichen Lebensgefühl der 1990er-Jahre.
Mit seiner Auswanderungsreportage eröffnet von Wilmsdorff zunächst eine Debatte über die Attraktivität Deutschlands als Lebens- und Arbeitsstandort.
Dabei geht es nicht nur darum, weshalb Menschen gehen, sondern auch um die Frage, welche Perspektiven Deutschland bieten muss, damit Menschen bleiben oder nach einem Auslandsaufenthalt zurückkehren möchten.