Greifswald. Der Bau des neuen Inklusiven Schulzentrums Am Ellernholzteich in Greifswald gerät zunehmend in Verzug. Der geplante Bildungscampus an der Osnabrücker Straße wird voraussichtlich nicht wie vorgesehen zum Schuljahr 2028/2029 fertiggestellt. Nach Angaben der Stadt liegt das Bauprojekt inzwischen rund elf Wochen hinter dem Zeitplan. Besonders die Verzögerungen beim Rohbau bereiten der Verwaltung Sorgen. Weil eine rechtzeitige Fertigstellung immer unwahrscheinlicher wird, müssen nun zusätzliche Schulräume für Grundschulkinder und Fünftklässler organisiert werden.
Für die Stadt bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung bei der Schulentwicklungsplanung. Das neue Schulzentrum soll langfristig Platz für mehr als 700 Schülerinnen und Schüler bieten und mehrere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen an einem Standort zusammenführen.
Rohbau liegt elf Wochen hinter dem Zeitplan
Wie Greifswalds Bausenator Achim Lerm im Bauausschuss mitteilte, hat sich der Zeitverzug in den vergangenen Monaten weiter vergrößert.
Insbesondere der Rohbau komme deutlich langsamer voran als ursprünglich vorgesehen.
Damit gerät ein wichtiger Abschnitt des gesamten Bauablaufs in Schwierigkeiten. Eigentlich sollte die Gebäudehülle noch vor Beginn des Winters geschlossen werden.
Anschließend hätten die verschiedenen Ausbaugewerke ihre Arbeiten im Inneren aufnehmen können.
Dieser Zeitplan kann nach Angaben des Bausenators jedoch nicht mehr eingehalten werden.
„Unser Ziel war es, dass die Gebäudehülle noch vor dem Winter geschlossen ist. Dann hätten die Ausbaugewerke mit ihren Arbeiten im Inneren beginnen können“, erklärt Lerm.
Die beteiligten Unternehmen seien allerdings nicht in der Lage, die dafür vorgesehenen Termine einzuhalten.
Die Auswirkungen reichen über den Rohbau hinaus. Solange die Gebäudehülle nicht geschlossen ist, können bestimmte Arbeiten im Inneren nicht wie ursprünglich geplant beginnen.
Dadurch droht sich der Zeitverzug auch auf nachfolgende Bauabschnitte auszuwirken.
Stadt versucht Bauablauf zu beschleunigen
Die Stadtverwaltung bemüht sich gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen und Planern darum, die Verzögerungen möglichst gering zu halten.
Nach Angaben der Stadt finden monatliche Abstimmungen zwischen Verwaltungsmitarbeitern und Architekten statt.
Zusätzlich werden auf der Baustelle wöchentliche Baubesprechungen mit den ausführenden Gewerken durchgeführt.
Dabei wird untersucht, welche Arbeitsabläufe verbessert werden können und ob sich einzelne Bauabschnitte beschleunigen lassen.
Auch das zuständige Rohbauunternehmen ist in die Gespräche eingebunden.
Trotz dieser Maßnahmen geht die Verwaltung inzwischen davon aus, dass sich die bisher aufgelaufenen elf Wochen wahrscheinlich nicht mehr vollständig aufholen lassen.
Eine konkrete neue Fertigstellung hat die Stadt bislang nicht genannt.
Fest steht jedoch, dass die ursprünglich geplante Inbetriebnahme zum Schuljahr 2028/2029 zunehmend unwahrscheinlich wird.
Grundschulkinder sollen vorübergehend andere Schulen besuchen
Besonders dringlich ist nun die Frage, wo die betroffenen Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden können, wenn die neuen Gebäude nicht rechtzeitig bereitstehen.
Für die Grundschule prüft die Stadt mehrere Möglichkeiten.
Nach derzeitigem Stand könnte möglicherweise jeweils eine zusätzliche Klasse an der Interimsgrundschule in der Feldstraße und an der Karl-Krull-Grundschule untergebracht werden.
Eine endgültige Entscheidung darüber steht allerdings noch aus.
Die Kapazitäten sind begrenzt. An der Interimsgrundschule in der Feldstraße können maximal vier Klassen beschult werden.
Die Verwaltung muss deshalb genau prüfen, welche Räume tatsächlich zur Verfügung stehen und wie sich zusätzliche Schüler in den bestehenden Schulbetrieb integrieren lassen.
Dabei müssen auch organisatorische Fragen berücksichtigt werden, etwa die Unterrichtsversorgung und die Verteilung der Klassen auf die verschiedenen Standorte.
Die Stadt hat angekündigt, diese Möglichkeiten nun weiter zu untersuchen.
Für Fünftklässler wird ein zusätzlicher Standort benötigt
Noch umfangreicher sind die Planungen für die künftigen fünften Klassen.
Ursprünglich war vorgesehen, zum Schuljahr 2028/2029 vier bis fünf fünfte Klassen am neuen Schulzentrum aufzunehmen.
Da die dafür vorgesehenen Räume voraussichtlich nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen, bereitet die Verwaltung nun einen alternativen Interimsstandort vor.
Wo sich dieser befinden könnte, geht aus der Mitteilung der Stadt noch nicht hervor.
Die benötigten finanziellen Mittel sollen im städtischen Haushalt eingeplant werden.
Damit entstehen durch die Bauverzögerung zusätzliche organisatorische und möglicherweise auch finanzielle Anforderungen.
Wie hoch die Kosten der Übergangslösung ausfallen könnten, ist bislang nicht bekannt.
Auch die Frage, wie lange die betroffenen Klassen an einem provisorischen Standort unterrichtet werden müssen, hängt vom weiteren Baufortschritt ab.
Bausenator verspricht verlässliche Übergangslösungen
Für Eltern, Lehrkräfte und Schüler ist die Entwicklung mit Unsicherheiten verbunden.
Gerade beim Wechsel von der Grundschule in die fünfte Klasse spielen ein verlässlicher Schulstandort und klare organisatorische Abläufe eine wichtige Rolle.
Bausenator Achim Lerm betont deshalb, dass die Stadt rechtzeitig geeignete Lösungen schaffen wolle.
„Wir werden verlässliche Übergangslösungen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern schaffen“, erklärt der Bausenator.
Die Verwaltung steht damit vor der Aufgabe, zusätzliche Räume zu organisieren und gleichzeitig die Arbeiten am neuen Bildungscampus weiter voranzutreiben.
Entscheidend wird sein, dass die Übergangslösungen rechtzeitig vor dem Schuljahr 2028/2029 feststehen, damit sich Familien und Schulen auf die veränderte Situation einstellen können.
Neuer Campus soll mehr als 700 Schüler aufnehmen
Das Inklusive Schulzentrum Am Ellernholzteich gehört zu den größeren Bildungsbauprojekten in Greifswald.
An der Osnabrücker Straße entsteht ein umfassender Schulkomplex, der verschiedene Einrichtungen miteinander verbinden soll.
Geplant sind eine Grundschule, eine Regionale Schule, ein Hort sowie eine Mensa.
Hinzu kommt eine dreiteilige Sporthalle, die den schulischen Sportunterricht ermöglichen soll.
Großzügige Außenanlagen gehören ebenfalls zum Konzept.
Der gesamte Campus ist für mehr als 700 Schülerinnen und Schüler ausgelegt.
Eine Besonderheit ist die geplante Verbindung unterschiedlicher Schulstufen. Kinder und Jugendliche sollen dort künftig von der ersten bis zur zehnten Klasse lernen können.
Das Konzept sieht vor, schulische Bildung, Betreuung und weitere Angebote räumlich enger miteinander zu verbinden.
Damit soll ein moderner Bildungsstandort entstehen, der langfristig einen wichtigen Beitrag zur Schulversorgung in Greifswald leistet.
Verzögerung stellt Schulplanung vor neue Herausforderungen
Die Probleme beim Bau des Schulzentrums haben Auswirkungen, die über die eigentliche Baustelle hinausgehen.
Schulgebäude müssen rechtzeitig zur Verfügung stehen, damit die Stadt ausreichend Plätze für kommende Schülerjahrgänge anbieten kann.
Verzögert sich die Fertigstellung, müssen bestehende Schulen unter Umständen zusätzliche Klassen aufnehmen oder andere Gebäude vorübergehend für den Unterricht genutzt werden.
Solche Übergangslösungen erfordern nicht nur geeignete Räume, sondern auch eine entsprechende Ausstattung und organisatorische Vorbereitung.
Im Fall des Schulzentrums Am Ellernholzteich betrifft dies sowohl die geplanten Grundschulklassen als auch die vorgesehenen fünften Klassen.
Die Stadt möchte verhindern, dass der verspätete Neubau zu Engpässen bei der Bereitstellung von Schulplätzen führt.
Neuer Fertigstellungstermin bleibt offen
Wann das Inklusive Schulzentrum tatsächlich fertiggestellt werden kann, steht derzeit nicht fest.
Die Verwaltung arbeitet weiterhin gemeinsam mit den beteiligten Bauunternehmen daran, den Baufortschritt zu verbessern.
Nach der aktuellen Einschätzung lassen sich die Verzögerungen beim Rohbau jedoch voraussichtlich nicht mehr vollständig ausgleichen.
Damit rückt die ursprüngliche Eröffnung zum Schuljahr 2028/2029 in weite Ferne.
Für Greifswald wird nun entscheidend sein, den weiteren Bauablauf zu stabilisieren und gleichzeitig rechtzeitig ausreichend Ersatzräume bereitzustellen.
Bis der neue Campus mehr als 700 Schülerinnen und Schüler aufnehmen kann, müssen sich die betroffenen Familien und Schulen möglicherweise länger gedulden als ursprünglich geplant.