Die Stadt Görlitz will ihre Präventionsarbeit für Kinder langfristig ausbauen. Grundlage dafür ist das wissenschaftlich entwickelte Papilio-Programm, das die sozialen und emotionalen Fähigkeiten von Kindern stärken und möglichen Verhaltensproblemen frühzeitig entgegenwirken soll.
Bei einer Informationsveranstaltung im Görlitzer Rathaus wurde der Ansatz einer kommunalen Präventionskette vorgestellt. Mehr als 50 Vertreter aus Kitas, Grundschulen, der Schul- und Kitazialarbeit sowie verschiedenen Behörden nahmen daran teil.
Oberbürgermeister Octavian Ursu begrüßte die Teilnehmer im Rathaus und unterstrich die Bedeutung frühzeitiger Prävention. Beteiligt waren neben den Bildungseinrichtungen auch das Jugendamt, das Gesundheitsamt, das Landesamt für Schule und Bildung sowie Mitglieder des Görlitzer Stadtrates.
Angebote sollen vom Kleinkindalter bis zur Grundschule reichen
Papilio richtet sich nicht nur an eine einzelne Altersgruppe. Das Programm umfasst Qualifizierungen für Fachkräfte, die Kinder unter drei Jahren, Kindergartenkinder sowie Mädchen und Jungen in Grundschulen und Horten betreuen.
Die Stadt will diese Angebote zu einer kommunalen Präventionskette verbinden. Kinder sollen dadurch während verschiedener Entwicklungsphasen möglichst kontinuierlich begleitet werden. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit zwischen Kitas, Schulen, Horten und weiteren Einrichtungen verbessert werden.
„Prävention setzt am besten dort an, wo Kinder ihren Alltag verbringen – in der Kita, in der Schule und im Hort“, erklärte Anett Rafelt, Leiterin des Görlitzer Amtes für Bildung, Soziales und Sport. Die Stadt wolle die Fachkräfte stärken und zugleich die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen weiterentwickeln.
Kinder lernen den Umgang mit Gefühlen und Konflikten
Bei Papilio handelt es sich nicht um ein zusätzliches Unterrichtsfach. Die Inhalte sollen unmittelbar in den Alltag der Einrichtungen einfließen. Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte lernen in den Fortbildungen, wie sie Kinder beim Wahrnehmen und Benennen ihrer Gefühle unterstützen können.
Kinder sollen üben, sich selbst zu beruhigen, auf andere Rücksicht zu nehmen und Konflikte eigenständig zu lösen. Wenn sich beispielsweise zwei Kinder um dasselbe Spielzeug streiten, sollen Erwachsene nicht lediglich entscheiden, wer es bekommt. Stattdessen werden die Kinder dabei begleitet, ihre Wünsche und Gefühle auszudrücken, einander zuzuhören und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
Auch bei Wut und Frustration geht es nicht allein darum, störendes Verhalten zu beenden. Die Kinder sollen verstehen, was ihre Gefühle auslöst und wie sie angemessen damit umgehen können. Diese Fähigkeiten sind nach Einschätzung der Programmverantwortlichen sowohl für Freundschaften als auch für das Lernen und den Umgang mit schwierigen Situationen wichtig.
Erste Papilio-Seminare beginnen noch 2026
Noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 sind zwei Seminare für den Altersbereich null bis drei Jahre vorgesehen. Hinzu kommt ein Kurs für die Arbeit mit Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren.
Anfang 2027 soll eine weitere Fortbildung für Fachkräfte folgen, die Kinder zwischen drei und sechs Jahren betreuen. Die mehrteiligen Seminare werden in Räumen der Görlitzer Jägerkaserne angeboten.
An der Einführung sind mehrere Partner beteiligt. Die Barmer unterstützt die Programme für Kinder unter sechs Jahren. Das Angebot für Sechs- bis Neunjährige wird von der Stadt Görlitz sowie durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz unterstützt. Die Initiative für diesen Programmteil geht auf die Stiftung Deutsches Forum Kriminalprävention zurück.
Görlitz will eigene Papilio-Trainerinnen ausbilden
Neben den fachlichen Inhalten spielt der Austausch zwischen den Einrichtungen eine zentrale Rolle. Beschäftigte unterschiedlicher Kitas, Schulen und weiterer Stellen sollen sich während der Fortbildungen kennenlernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Strukturen entwickeln.
„Unser Ziel ist es, Prävention nicht als einzelne Maßnahme zu betrachten, sondern als gemeinsame Aufgabe derjenigen, die Kinder in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten“, sagte Rafelt. Durch eine engere Zusammenarbeit könnten bestehende Angebote besser miteinander verknüpft werden.
Im kommenden Jahr sollen zudem Papilio-Trainerinnen ausgebildet werden. Sie sollen später weitere Seminare für pädagogische Fachkräfte in Görlitz anbieten. Langfristiges Ziel ist es, möglichst viele Beschäftigte in den Kindertagesstätten und Grundschulen zu qualifizieren und das Präventionsprogramm dauerhaft in den Einrichtungen zu verankern.
Quelle: Stadtverwaltung Görlitz, Büro des Oberbürgermeisters, Pressemitteilung vom September 2026