Selenskyj erwartet Dreiertreffen noch im Oktober
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Hoffnungen auf eine neue Verhandlungsrunde über ein Ende des Kriegs geweckt.
In seiner abendlichen Videoansprache erklärte Selenskyj, er gehe davon aus, dass es den Vereinigten Staaten noch im Oktober gelingen werde, ein Treffen zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA zu organisieren.
Das ukrainische Verhandlungsteam sei bereit.
Nun müsse auch Russland diese Bereitschaft zeigen.
Damit deutet Selenskyj erstmals wieder konkret einen möglichen Zeitrahmen für neue direkte Gespräche an.
Kiew fordert konkrete Schritte von Moskau
Selenskyj verband seine Ankündigung mit deutlicher Kritik an Russland.
Diplomatie müsse nun auch für Moskau zur Priorität werden. Bislang konzentriere sich Russland weiterhin auf Angriffe gegen die Ukraine und auf destabilisierende Aktivitäten in Europa.
Aus Sicht Selenskyjs liegt deshalb eine zentrale Aufgabe bei den Vereinigten Staaten und den übrigen internationalen Partnern der Ukraine.
Sie müssten Russland dazu bewegen, nicht nur allgemein über Gespräche zu sprechen, sondern konkrete diplomatische Schritte einzuleiten.
Für Kiew reicht die grundsätzliche Erklärung Moskaus, zu Verhandlungen bereit zu sein, damit nicht aus.
Putin erklärt sich grundsätzlich gesprächsbereit
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt ebenfalls erklärt, Russland sei bereit, Verhandlungen aufzunehmen und diese möglichst schnell abzuschließen.
Allerdings stellte Putin eine entscheidende Einschränkung klar.
Eine Einigung müsse Bedingungen erfüllen, die für Russland und die russische Bevölkerung akzeptabel seien.
Damit bleibt offen, wie weit Moskau bei zentralen Streitpunkten tatsächlich zu Zugeständnissen bereit wäre.
Gerade Fragen zu den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten, zu Sicherheitsgarantien und zur künftigen militärischen Ausrichtung der Ukraine gelten weiterhin als zentrale Hindernisse.
Zwischen Diplomatie und weiterer Eskalation
Die neuen Äußerungen kommen in einer Phase, in der die militärische Eskalation gleichzeitig weitergeht.
Russland hat seine Angriffe auf ukrainische Infrastruktur zuletzt verstärkt. Die Ukraine wiederum kündigte an, russische Raffinerien und andere für die Kriegsführung wichtige Energieanlagen verstärkt anzugreifen.
Selenskyj begründet diese Angriffe mit der zunehmenden russischen Offensive gegen ukrainische Infrastruktur.
Moskau wiederum kündigte weitere Schläge gegen ukrainische Ziele an.
Damit stehen Diplomatie und militärische Eskalation derzeit unmittelbar nebeneinander.
USA bleiben zentrale Vermittlungsmacht
Die Vereinigten Staaten versuchen seit längerem, neue Gespräche zwischen Moskau und Kiew zu ermöglichen.
Ein Dreiertreffen wäre deshalb von besonderer Bedeutung.
Es würde erstmals wieder beide Kriegsparteien gemeinsam mit der wichtigsten westlichen Vermittlungsmacht an einen Tisch bringen.
Ob daraus tatsächlich Verhandlungen über einen Waffenstillstand oder sogar ein umfassenderes Friedensabkommen entstehen könnten, ist allerdings völlig offen.
Die Positionen beider Seiten liegen weiterhin weit auseinander.
Entscheidender Oktober für mögliche Gespräche
Selenskyjs Aussage erhöht nun den diplomatischen Druck.
Kiew erklärt öffentlich, dass seine Unterhändler bereitstehen.
Damit liegt die Aufmerksamkeit verstärkt auf Moskau und Washington.
Sollte es den USA tatsächlich gelingen, noch im Oktober ein Dreiertreffen zu organisieren, wäre dies ein neuer diplomatischer Anlauf nach Monaten gegenseitiger Vorwürfe und gescheiterter Gesprächsversuche.
Ob daraus ein tatsächlicher Weg zu einem Ende des Kriegs entsteht, hängt jedoch vor allem davon ab, ob beide Seiten bereit sind, über mehr als ihre bisherigen Maximalforderungen zu sprechen.