Iran bleibt hart

Die Straße von Hormus bleibt ein geopolitischer Brennpunkt.

Iran hat am Sonntag klargestellt, dass die strategisch wichtige Meerenge nicht vollständig wieder geöffnet wird, solange sieben Bedingungen aus einem im Juni ausgehandelten Zwischenabkommen mit den USA nicht erfüllt sind.

Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf erklärte, Teheran habe bereits einen Vorschlag vorgelegt, der eine begrenzte Öffnung der Meerenge ermöglichen könnte.

Im Gegenzug erwartet Iran konkrete Schritte der Vereinigten Staaten.

Vermittelt wird weiterhin über Katar.

Eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman.

Ihre strategische Bedeutung ist enorm.

Vor dem Krieg liefen täglich etwa 15 Millionen Barrel Rohöl und weitere fünf Millionen Barrel Ölprodukte durch die Meerenge.

Das entspricht rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.

Hinzu kommen große Mengen Flüssigerdgas.

Die Internationale Energieagentur bezeichnet die bisherigen Ausfälle als größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes.

Ölpreis bleibt über 100 Dollar

Die Folgen sind bereits deutlich sichtbar.

Der Preis für Brent-Rohöl liegt weiterhin oberhalb von 100 Dollar pro Barrel.

Zwar schwanken die Preise stark, doch die Unsicherheit über die Versorgung bleibt hoch.

Vor allem Diesel, Kerosin und Flüssiggas haben sich verteuert.

Damit trifft die Krise nicht nur Autofahrer.

Auch Fluggesellschaften, Speditionen, Industrieunternehmen und Energieversorger müssen mit höheren Kosten rechnen.

G7 gibt Notfallreserven frei

Um den Markt zu stabilisieren, haben die G7-Staaten beschlossen, 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus strategischen Reserven freizugeben.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur führte allein die Ankündigung bereits zu einem Rückgang der Preise.

IEA-Chef Fatih Birol machte zugleich deutlich, dass weitere Reserven freigegeben werden könnten, falls sich die Lage erneut verschärft.

OPEC+ hält Förderung vorerst stabil

Auch die OPEC+ reagiert vorsichtig.

Die wichtigsten Förderstaaten beschlossen am Sonntag, ihre Produktionsziele für November nicht zu verändern.

Dabei ist ein Teil dieser Ziele ohnehin nur theoretisch erreichbar.

Viele Golfstaaten fördern und exportieren weiterhin deutlich weniger als vor Beginn des Iran-Konflikts.

Im August lag die Produktion wichtiger OPEC+-Staaten rund fünf Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau.

Trotzdem fahren wieder mehr Tanker

Ganz blockiert ist die Straße von Hormus nicht.

Im September nahm der Verkehr wieder zu.

Besonders Flüssiggastransporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten erreichten den höchsten Stand seit Beginn des Konflikts.

Einige Schiffe schalten dabei zeitweise ihre Ortungssysteme aus und fahren unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen durch die Meerenge.

Auch der Irak meldete zuletzt wieder große Rohöltransporte durch Hormus.

Die Lage bleibt riskant

Von einer Normalisierung kann dennoch keine Rede sein.

Schiffe müssen mit Angriffen rechnen, Versicherungen werden teurer und Reedereien verlangen höhere Frachtraten.

Gleichzeitig hängt der Umfang der Transporte stark von militärischer Absicherung ab.

Damit wird jede neue Eskalation sofort zu einem Risiko für den Welthandel.

Warum Hormus für Europa so wichtig ist

Auch Deutschland und Europa sind betroffen.

Selbst wenn ein großer Teil des europäischen Öls nicht direkt durch Hormus kommt, wirken sich höhere Weltmarktpreise überall aus.

Steigen Rohöl und Transportkosten, verteuern sich Kraftstoffe, Flugreisen und zahlreiche Industrieprodukte.

Besonders empfindlich ist Europa beim Flüssiggas.

Seit dem Rückgang russischer Gaslieferungen ist LNG deutlich wichtiger geworden.

Katar gehört dabei zu den bedeutendsten Exporteuren.

Ein längerer Ausfall der Straße von Hormus könnte deshalb auch Europas Energieversorgung belasten.

Iran nutzt die Meerenge als Druckmittel

Für Teheran ist die Straße von Hormus eines der stärksten strategischen Instrumente.

Iran kann die globale Energieversorgung nicht vollständig kontrollieren.

Aber bereits die Gefahr einer Blockade reicht aus, um Preise und Märkte zu beeinflussen.

Damit erhält die Meerenge eine politische Bedeutung, die weit über den Nahen Osten hinausgeht.

Die USA wiederum versuchen, Irans Einfluss durch militärische Präsenz, Sanktionen und Verhandlungen zu begrenzen.

Der Streit dreht sich um Reihenfolge und Vertrauen

Nach Angaben aus Teheran geht es derzeit weniger um neue Forderungen als um die Reihenfolge bereits vereinbarter Schritte.

Iran will Garantien, bevor es die Meerenge vollständig öffnet.

Die USA verlangen dagegen zunächst Fortschritte bei der Schifffahrt und Sicherheit.

Das Grundproblem ist damit mangelndes Vertrauen.

Beide Seiten fürchten, zuerst Zugeständnisse zu machen und anschließend ohne Gegenleistung dazustehen.

Die Weltwirtschaft bleibt abhängig

Die Krise zeigt erneut, wie verwundbar globale Lieferketten sind.

Ein geografisch schmaler Seeweg kann Energiepreise auf mehreren Kontinenten beeinflussen.

Solange keine stabile politische Einigung erreicht wird, bleibt die Straße von Hormus ein Risiko für die Weltwirtschaft.

Und jede neue Eskalation könnte Öl, Gas und Transporte erneut deutlich verteuern.